Nicht zufrieden geben – Rezension zu „Die Hütte und ich“

die-huette-und-ich_400Der Titel und einige Passagen des neuen Buches von Kerstin Hack beziehen sich auf den viel diskutierten Roman „Die Hütte“ von William Paul Young. Im Roman ist die Hütte als Symbol des Verlustes und tiefsten inneren Schmerzes und zugleich als Ort der Gottesbegegnung zu verstehen. Diese Chiffre überträgt die Autorin auf ihre eigene Situation im Frühherbst 2009: Die ausgesprochen kreative, fröhliche, energiegeladene, mitten im Leben stehende Unternehmerin geht mit einer lebensbejahenden Einstellung auch an ihre eigenen Probleme heran. Als sie spürt, dass durch vergangene Enttäuschungen und zerplatzte Träume Gottes Zugang zu ihrem Herzen blockiert ist, nimmt sie sich eine Auszeit und reist nach Antwerpen, um in der Wohnung von Freunden ihren Fragen nachzugehen und Gottes Antworten auf die Spur zu kommen. Diese Wohnung wird zu Kerstin Hacks „Hütte“, in der sie sich ihrem Schmerz stellt, ihren Sehnsüchten Raum gibt und das Gespräch mit Gott aufnimmt. Doch nicht nur die Unterkunft, auch ihre Streifzüge durch die Stadt und überraschende Begegnungen helfen ihr, Gottes Sicht der Dinge wahr zu nehmen. Ihr Blick auf Menschen und Ereignisse ist wach und neugierig, manchmal kindlich offen und unverstellt, ihre Erfahrungen sind hoch reflektiert und verarbeitet. Die Beschreibung, wie sie Gottes sehr persönliche Antworten, aber auch einfach nur seine Zuwendung erhält, macht dieses Buch nicht nur lesenswert, sondern auch Lust darauf, sich selbst nicht mit dem abzufinden, was an Unzufriedenheit und innerer Unruhe da ist. Der Leser bekommt eine Menge praktische Anregungen, selbst in sich hinein zu hören und aktiv und auf kreative Weise Gottes Herz für ihn zu suchen.

Susanne Tobies

Zuerst erschienen im Magazin „Aufatmen“ 2 / 2010.
Mit freundlicher Genehmigung.
http://www.aufatmen.de/

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Kerstin Hack: „Die Hütte und ich. Gott neu vertrauen – eine Reise“
Down to Earth, Berlin und Gerth Medien, Asslar
160 Seiten, € 12,80
Erhältlich direkt im Down to Earth Shop.

Günter J. Matthia: Rezension zu »Glaubensfragen«

Fragen bewegen. Es wäre falsch zu vermuten, dass der Sinn aller Fragen darin besteht, Antworten zu erhalten. Häufig besteht er vor allem darin, uns innerlich in Bewegung zu bringen und Dinge aus neuer Perspektive zu sehen.

Kluge Sätze, die den einleitenden Gedanken eines Impulsheftes aus dem Down-to-Earth-Verlag entnommen sind. Es geht in diesem Heft nicht um Antworten, sondern um Fragen. Um Fragen, die sich jeder von uns schon gestellt haben mag, aber auch um solche, auf die man nicht so leicht kommt.

Manche Fragen, die ich in diesem Heft gefunden habe, sind sehr persönlicher Natur:

  • Was war dein albernster Versuch, Jesus zu beeindrucken?
  • Welche ausgebliebene Gebetserhörung war für dich am schwersten zu verkraften? Was hat sich dadurch für dich verändert?

Manche Fragen kann ich nicht beantworten:

  • Wenn du deine Beziehung zu Jesus mit einem Tanz vergleichen würdest – welcher Tanz wäre es?
  • Wenn du Gottes Liebe mit einer Pflanze vergleichen würdest – welche wäre das?

Manche Fragen lösen umfangreiche Denkprozesse bei mir aus:

  • Wenn du eine Passage aus der Bibel streichen könntest – welche würdest du wählen?
  • Was könnte Jesus bei christlichen Treffen langweilen?

Das Heft ist, wie die gesamte Impulsreihe übrigens, mit passenden Fotos und Graphikelementen sowie klugen Zitaten liebevoll und professionell gestaltet, Inhalt und Optik machen gleichermaßen deutlich, dass die 2 Euro, die das Heft kostet, eine gute Investition in das persönliche Glaubensleben sind. Auch für Gespräche im Hausbibel- oder sonst einem Gesprächskreis finden sich reichlich Denkanstöße.

Mein Fazit: Es lohnt sich auf jeden Fall, sich als Gruppe oder Einzelner immer wieder mit den Fragen zu beschäftigen, die Kerstin Hack in diesem Heft gesammelt hat. Auch, wenn manche Frage ohne Antwort bleiben mag. Oder gerade deshalb?

Kerstin Hack: Glaubensfragen – Impulse, Jesus neu zu entdecken
32 Seiten, 2 Euro.
Verlag Down to Earth, Berlin
Erhältlich direkt bei Down to Earth im Shop.

Hack, Schilling, Duval: Drei Frauen mit SWING – gesunde Lebensrhythmen finden

Drei Frauen in ganz unterschiedlichen Lebenssituationen stellen sich der herausfordernden Aufgabe, ihren Alltag so zu gestalten, dass alles geschafft wird, was zu schaffen ist, dabei aber das Leben nicht zu kurz kommt.

Birgit Schilling (Jahrg. `60) ist Mutter von drei Teenagern und freiberuflich als Supervisorin und Beraterin tätig. Gemeinsam mit Bianka Bleier schrieb sie das Buch: „Besser einfach – einfach besser. Das Haushalts – Survival Buch“, das sich mit der Frage beschäftigt, wie man den Haushalt so effektiv und praktisch gestalten kann, dass noch Zeit für anderes bleibt. Sie lebt mit ihrer Familie in Hürth bei Köln. (Im Internet: www.Birgitschilling.de)

Birgit-Cathrin Duval (Jahrg. `67) arbeitet als Journalistin und Fotografin für Tageszeitungen und Magazine. Ihre Reportagen führen sie rund um den Globus. Sie lebt in der Grenzecke D/F/CH und hat im April 2005 geheiratet. (Im Internet-Seite: www.bcmpress.de)

Kerstin Hack (Jahrg. `67) ist Single. Sie hat den Down to Earth Verlag (www.down-to-earth.de) in Berlin aufgebaut, engagiert sich im Netzwerk „Gemeinsam für Berlin“ für ihre Stadt und ist als Referentin zu Themen wie Gebet, Städte verändern, Gott erfahren und in Balance Leben tätig. In ihrem Internet-Tagebuch „Kerstinpur“ (www.kerstinpur.down-to-earth.de) erzählt sie frisch und offen von ihrem Leben.

Alle drei Frauen haben das Buch von Kerstin Hack „Swing. Lebe im Rhythmus der Schöpfung“ gelesen. Die Grundidee des Buches ist, das Leben so zu gestalten wie Gott es in der Schöpfungswoche tat. Er versuchte nicht, alles auf einmal zu schaffen, sondern gab jedem Tag seinen eigenen Schwerpunkt und schuf beispielsweise am ersten Tag „nur“ das Licht, ruhte am siebten Tag usw. Im Lebensalltag kann das – so das SWING-Konzept – so aussehen, dass man jedem der sieben Wochentage einen eigenen Schwerpunkt gibt (z.B. am 1. Tag der Woche Kreativität, am 7. Tag Ruhe) und so sicherstellt, dass die verschiedenen Elemente, die man für ein ausgewogenes Leben braucht, ihren Raum finden. In diesem Artikel erzählen die drei Frauen, ob und wie dieses Konzept in ihren unterschiedlichen Lebensformen umgesetzt werden kann.

Wie sieht bei dir eine normale Woche aus?

Kerstin Hack: Als Verlegerin und Autorin habe ich eigentlich einen sehr geregelten Wochenablauf: normale Bürozeiten hinter dem Computer von Montag bis Freitag und dann ein freies Wochenende. Allerdings sind die Aufgaben, mit denen ich mich innerhalb einer Woche beschäftige, sehr verschieden. Ich habe für jeden Wochentag einen anderen Schwerpunkt und genieße es, wenn ich die Woche so gestalten kann, dass z. B. der Montag schwerpunktmäßig für Kreatives, der Dienstag für Planen, der Mittwoch vor allem für Kommunikation etc. verwendet wird. Dieser Wochenrhythmus wird in der Regel nur dann gesprengt, wenn ich zu Vorträgen, Beratungsterminen oder Konferenzen unterwegs bin – dann kommt das Leben manchmal ganz schön durcheinander.

Birgit Schilling: Da ich erst vor einigen Monaten meine Weiterbildung zur Supervisorin beendet habe, für die ich viel unterwegs war, bin ich zur Zeit noch dabei, meinen zu mir passenden Wochenrhythmus zu finden. In der Regel arbeite ich morgens zwischen 8 und 14 Uhr in meinem Beruf. An den meisten Nachmittagen bin ich für die Kinder da und erledige Hausarbeit. Da wir an manchen Wochenenden in der Gemeinde aktiv sind, halte ich mir den Freitagmorgen so ganz für mich persönlich frei. Das gelingt mir nicht immer, aber doch immer öfter. Da kann es vorkommen, dass ich morgens, nachdem die Familie aus dem Haus gegangen ist, noch mal ins Bett gehe und schlafe, mich mit einer Freundin zum Einkaufsbummel treffe und einfach das mache, wozu ich gerade Lust habe. Im Blick auf die Hausarbeit habe ich nur für die Wäsche und den Wocheneinkauf feste Wochentage.

Birgit-Cathrin Duval: Selbstständig sein heißt, dass man selbst ständig etwas zu tun hat. Normale Bürozeiten und freie Wochenenden gibt es bei mir nicht. Es gibt Tage, an denen sich stündlich etwas ändert. Ein Anruf von der Redaktion, man muss zu einem Unfall oder einem Termin ausrücken, den die Tageszeitungen oftmals sehr kurzfristig vergeben. Wer in diesem Geschäft arbeiten will, braucht ein hohes Maß an Flexibilität und Disziplin. Das geht natürlich sehr zu Lasten des Privatlebens. Mir fällt es schwer, Ruhezeiten einzuplanen und sie einzuhalten. Seit vergangenem Sommer laufe ich jeden Montagmorgen mit einer Laufgruppe. Für mich ist das ein optimaler Start in die Woche. Das schafft Ausgleich und macht unheimlich Spaß.

Wie sieht bei dir eine ideale Woche aus?

Birgit Schilling: Wenn ich am Ende einer Woche zurückschaue und feststelle, dass ich in dieser Woche heiter und gelassen war ( mein WachstumszielJ) und dass alle wichtigen Aspekte meines Lebens Raum hatten, dann war das für mich eine ideale Woche. Dann habe ich mit Begeisterung in meinem Beruf/in der Gemeinde gearbeitet, war ich mit meinen Mädchen einige Male „eine Runde“ im Wald spazieren, hatte Qualitätszeiten mit Johannes. Wolfgang und ich verbrachten einen Abend in unserer Haussauna oder waren beim Italiener eine Kleinigkeit essen. Ich habe mich mit einer Freundin getroffen oder zumindest mit ihr länger telefoniert, war mehrmals joggen, hatte Zeit zur Stille und die Haushaltsarbeit ist getan.

Kerstin Hack: Eine Woche ist für mich dann perfekt, wenn es mir gelungen ist, den verschiedenen Aspekten des Lebens, die ich in SWING beschrieben habe, Raum zu geben: Kreativität, Ordnung, Produktivität, Rhythmus, Lebensfreude, Beziehungen und Ruhe. Wenn einer oder mehrere dieser Lebensbereiche zu kurz kommt, kann eine Woche immer noch gut sein. Aber wenn ich einen oder mehrere Aspekte auf Dauer vernachlässige, tut mir das überhaupt nicht gut. Ich wünsche mir, gedanklich nicht stehen zu bleiben, sondern beständig zu lernen. Deshalb finde ich es genial, wenn ich in der Woche etwas Neues lernen oder erfahren konnte.

Birgit-Cathrin Duval: Die perfekte Woche gibt es nicht. Wenn ich mir eine ideale Woche vorstellen würde und müsste am Wochenende erkennen, dass ich es nicht geschafft habe, wäre ich nur frustriert. Mir ist wichtig, täglich eine Balance zu finden zwischen Arbeit und Freizeit, da bei meiner beruflichen Tätigkeit die Grenzen sehr fließend sind. Umso mehr genieße ich die Lauftreffen am Montag mit anschließendem Frühstück oder freie Wochenenden.

Welche Dinge hast du gut im Griff?

Birgit Schilling: Mein Haushalt läuft dank der aktiven Mithilfe meiner Familie und einer Putzhilfe einmal die Woche wirklich gut. Damit meine ich nicht perfekt, aber halt sehr zeitsparend. Erst dadurch habe ich Freiraum für meinen Beruf und für Beziehungen, die mir wichtig sind.

Birgit-Cathrin Duval: Früh aufzustehen. Denn als Freiberufler ist man leicht versucht, einfach so in den Tag hinein zu leben. Ich liebe die Stunden vor Sonnenaufgang. Für mich sind es die kreativsten Momente des Tages. Und da ich diese einfach nicht missen möchte, klingelt bei mir der Wecker sehr früh.

Kerstin Hack: Es fällt mir relativ leicht, mein Leben zu planen und zu ordnen, ich schreibe gern und ich weiß, wie wichtig es ist, auch ausgedehnte Ruhephasen zu haben. Es gelingt mir fast immer, die Tage, die ich für diese Dinge reserviert habe, auch von anderen Aktivitäten freizuhalten.

Was sind deine persönlichen Herausforderungen in Bezug auf augewogene Lebensgestaltung? Wie umgehst du sie?

Birgit Schilling: Mein Haupt-Stolperstein: Ich bin immer wieder in Gefahr, zu viel zu machen. Wenn ich beispielsweise eine berufliche Anfrage habe, die mich reizt oder wenn mich eine Idee überfällt, was man in unserer Gemeinde noch alles so machen könnte, dann bin ich schnell Feuer und Flamme und meine in diesem Moment: „Na super! Klar, das mache ich. Irgendwie schaffe ich das schon noch!“ Aber dieser erste Eindruck ist oft falsch.

Ich übe mich darin, nie spontan zu entscheiden, sondern in Ruhe zu überdenken, ob diese Anfrage oder Idee hier und jetzt für mich wirklich dran ist. Wichtige Projekte spreche ich mit meinem Mann durch, dessen Rat mir sehr hilfreich ist.

Birgit-Cathrin Duval: Ich bevorzuge Chaos gegenüber Ordnung – das erlaubt maximale Flexibilität und Kreativität, ist aber gleichzeitig ein Stolperstein. Mir schwirren zu viele Gedanken und Projekte gleichzeitig im Kopf herum und ich verzettele mich anstatt eines dann konkret anzugehen und auszuführen. Mein Verlobter rückt in solchen Situationen meinen Fokus zurecht. Er bringt Ordnung in das Chaos, wofür ich ihm unendlich dankbar bin, denn er ergänzt mich in diesem Bereich und sorgt auch dafür, dass ich konkrete Entscheidungen treffe.

Kerstin Hack: Ich mag Orga-Kram und Aufgaben, die Liebe zum Detail erfordern, nicht sonderlich. Ich erwische mich immer wieder dabei, dass ich mich an dem Tag, den ich für diese Aufgaben reserviert habe, doch mit anderen Dingen beschäftige, die ich lieber tue, und die ungeliebten Aufgaben verschiebe. Und obwohl ich ein lebensfroher Mensch bin, fällt es mir manchmal schwer, mich von der Arbeit, die nie aufhört, loszureißen, und Dinge zu machen oder zu unternehmen, die für mich Leben pur sind: Konzerte, Caféhaus – Besuche, Ausstellungen, kurz: etwas Neues zu entdecken und zu erleben. Ich musste es regelrecht lernen, Dinge wahrzunehmen und zu genießen und mir Gutes zu gönnen. Da übe ich immernoch.

Woran würde deine Freundin/würden deine Kinder bemerken, dass du eine gute Balance lebst?

Birgit Schilling: Wenn ich in einer guten Balance lebe, können mich meine Kinder bei einer Tätigkeit unterbrechen und ich reagiere freundlich darauf. Während sie mir von ihren Freuden und Sorgen erzählen, höre ich ihnen aufmerksam zu.

Birgit-Cathrin Duval: Wenn die Balance stimmt, dann strahlt das nach außen und ist für alle deutlich sichtbar. Mein Wesen ist durchtränkt von einer tiefen Leidenschaft – für das Leben, Freunde, Gott und die Welt. Nur ist das leider nur zu selten der Fall.

Kerstin Hack: Wenn ich in Balance bin, bin ich in der Regel spritzig, inspirierend und offen für neue Impulse von anderen Menschen. Ich sprudele über vor Ideen und fühle mich „weich“, gelassen und im Fluss. Andere spüren das, manchmal sehen das gute Freunde sogar schon an meinem Äußeren.

Kann das Konzept von Swing auch hilfreich für Frauen sein, die fest in einen Job oder die Familie eingebunden sind oder funktioniert es nur für Freiberufler?

Kerstin Hack: Das Konzept der Schöpfungswoche sagt ja letztlich nichts anderes, als dass zum Menschsein eine Ausgewogenheit von Kreativität, Ordnung, Lebensfreude, Beziehung, Ruhe usw. gehört. Das ist bei Familien nicht anders als bei Singles. Man kann als ganze Familie darüber reden, welche Aspekte im Leben miteinander zu kurz kommen (z.B. Lebensfreude) und Strategien überlegen, wie man das ändern kann. Sicher wird das z. T. anders aussehen als im Leben eines selbstständigen Singles wie ich es bin. Aber Konzepte soll man ja nicht kopieren, sondern kapieren und dann auf das eigene Leben übertragen und fruchtbar machen.

Birgit Schilling: Das hat auch viel mit Selbstwahrnehmung zu tun. Einfach zu wissen: Wie bin ich persönlich eigentlich gestrickt? Was brauche ich, um in einer guten Balance zu leben? Welche Lebensaspekte baue ich automatisch mit ein, welche Aspekte kommen bei mir zu kurz? Wie könnte ich diese in meine persönliche Situation einbauen? Es geht darum, ideenreich und kreativ das eigene Leben zu gestalten.

Birgit-Cathrin Duval: Swing bringt viele neue Ideen und inspiriert, über die eigene Zeitplanung nachzudenken. Letztendlich muss jede Frau für sich selbst entscheiden, welche Aspekte sie in ihren persönlichen Tagesablauf einbaut. Ich habe, wie auch Kerstin Hack in ihrem Buch festgestellt, dass die Montage eine wirklich erfrischende Kreativität in sich bergen. Als Journalistin und Autorin freue ich mich auf jeden Montag, denen ein gewisser Zauber inne wohnt.

Wenn du einen einzigen Tipp zum Thema Zeitplanung weitergeben könntest, welchen würdest du geben?

Birgit-Cathrin Duval: Ich gebe jedem Jahr ein bestimmtes Motto. Dann schreibe ich mir auf, welche Ziele ich in diesem Jahr erreichen möchte, welche Wünsche und Träume ich habe. Das schriftliche Formulieren signalisiert meinem Unterbewusstsein, was in diesem Jahr wichtig ist. Daraus ergeben sich dann die kurzfristigen Ziele. Ich bin kein Planungs-Typ, aber ich liebe es zu schreiben und male oft entsprechende Skizzen zu meinen Zielen.

Kerstin Hack: Es ist gut, Erfolge bewusst zu registrieren, z . B. mit einem Danke-Erfolgsbuch. Wir hetzen häufig von einem Punkt zum anderen, ohne es uns selbst gegönnt zu haben, die Leistung zu würdigen und ohne Gott „Danke“ für das gesagt zu haben, was wir leisten konnten. Es kommt viel Ruhe ins Leben, wenn man es lernt, die Pause – Taste zu drücken, wie Gott zu sagen „Das war sehr gut“ und erst nach einer Pause weiter zu machen.

Birgit Schilling: Gönnen Sie sich Weiterbildungskurse zum Thema: Zeit– und Lebensplanung. Immer wieder beobachte ich, dass manche Familien ganz selbstverständlich Geld für die Förderung ihrer Kinder ausgeben, aber nicht auf die Idee kommen, Geld für die Förderung der Mutter zu investieren.

Ein 2. Tipp: Wenn Sie so gestrickt sind wie ich, planen Sie für sich immer wieder freie Zeitfenster in Ihr Leben mit ein. Und dann – egal ob die „to-do-Liste“ abgearbeitet ist oder nicht: Gönnen Sie sich Auszeiten, in denen Ihre Seele aufamten und auftanken kann.

Kerstin Hack, die Autorin des Buches „Swing. Lebe im Rhythmus der Schöpfung“ (http://swing.down-to-earth.de) hat mit SWING ein fröhlich – inspirierendes Buch geschrieben, das noch viele weitere Tipps zum Thema „Leben in Balance“ enthält. Sie ist ist Verlegerin (http://www.down-to-earth.de) und gefragte Referentin zu Themen wie Lebensbalance und kreative Spiritualität. Persönliches von ihr findet man unter http://www.kerstin.down-to-earth.de

Buchtipp:

Kerstin Hack: Swing. Lebe im Rhythmus der Schöpfung. 12,80 Eur

LINK http://www.down-to-earth.de/product_info.php?cPath=28&products_id=116

Geschrieben: 2005

Günter J. Matthia: Rezension zu »Krisen«

Fehler vermeidet man, indem man Erfahrung sammelt. Erfahrung sammelt man, indem man Fehler macht.
(Peter Laurence)

Eine Krise als Chance begreifen, in widrigen Umständen die geeigneten Schritte zur Lösung des Problems einschlagen, die richtige Hilfe finden, wenn man alleine nicht weiter kommt… – kann man das lernen?

Autorin und Coach Kerstin Hack meint: Ja. Mit diesem Impulsheft gibt sie praxiserprobte und für jedermann anwendbare Tipps weiter, wie man mit den großen und kleinen Krisen besser umzugehen lernt.
Wer bisher und auch in Zukunft ein Leben ohne Krisen führt, wird dieses Heft nicht brauchen. Alle übrigen Menschen, mich eingeschlossen, werden aus den Gedanken und Ratschlägen, die Kerstin Hack zum Thema zusammengestellt hat, sicher einiges lernen können, egal, ob die persönliche Krise aktuell existiert oder vielleicht erst morgen hereinbricht.
Die Autorin geht mit dem Leser sechs Schritte, die zwar nicht die Umstände ändern werden, aber den typischen Tunnelblick in Notsituationen vom Unheil weg auf ganz konkrete Maßnahmen lenken helfen:

1. Behutsam durch die Krise gehen
2. Genau hinsehen
3. Was hat zur Krise beigetragen?
4. Neue Perspektiven gewinnen
5. Meine Ressourcen entdecken
6. Allianzen schmieden

Die meisten Menschen neigen in Krisen zu einem von zwei Extremen: Entweder sie geben die Hoffnung völlig auf und lassen sich von dem Geschehen überwältigen. Oder sie versuchen hektisch und häufig unüberlegt,  so schnell es geht aus der Krise herauszukommen. Beides sind völlig verständliche und normale Reaktionen.
Um schwere Zeiten gut zu bewältigen  ist es wichtig, dass du erst einmal innerlich in der Situation ankommst und akzeptierst: »Ja, ich befinde mich in einer Krise.«
Nicht die Krise ist das Wichtigste und alles Bestimmende, sondern du und dein Leben. Du bist wichtiger als die Krise…

Ob die Krise nun – von außen betrachtet – eher klein ist oder eine wirkliche Katastrophe, als Betroffener wird man oft allein gelassen oder mit Sätzen wie »Es wird schon wieder« oder »Geht schon vorbei« billig vertröstet. Dieses Impulsheft kann dagegen den entscheidenden Anstoß geben, dass es eben doch ein Morgen gibt. Wer würde in einer bedrohlichen Situation dicke Bücher wälzen wollen? Das Format des Heftes mit seinen kurzen, prägnanten Texten ist da schon eher geeignet.
Auch für Menschen, die anderen zu helfen versuchen, wenn diese sich in Not befinden, vermittelt Kerstin Hack mit diesem (wie immer auch optisch sehr ansprechenden) Produkt aus ihrem Verlag eine ganze Menge an Ideen, dass und wie wirklich geholfen werden kann.

»Erfahrung sammelt man, indem man Fehler macht«, heißt es in dem Zitat oben. Noch besser ist es, aus diesen Erfahrungen dann auch zu lernen. Dabei hilft »Krisen – Impulse, schwierige Zeiten zu bewältigen«.

Mein Fazit: lesens- und bedenkenswert, für Krisenbetroffene und Krisenhelfer gleichermaßen

Leseprobe und Bestellmöglichkeiten hier: Impulsheft »Krisen« bei Down to Earth

Rezension ursprünglich erschienen auf dem Blog von Günter J. Matthia

Kerstin Hack: 10 Zeitspartipps. Oder: Wie man Zeit sinnvoll verwendet

Zeit kann man nicht sparen. Man kann nur darauf achten, dass man sie für Dinge verwendet, die sinnvoll erscheinen, statt sie ungewollt für Dinge zu verwenden, die weniger Sinn machen.

1. Klare Prioritäten

Wer weiß, was ihm am wichtigsten ist, kann Unnötiges leichter ausfiltern. Man kann unterscheiden zwischen: Wichtig / Unwichtig und dringend / weniger dringend. Zuerst sollte erledigt werden, was wichtig und dringend ist. Dann wichtig und weniger dringend, anschließend die unwichtigen Sachen.

2. Vorher planen

Wer Abends die Ziele für den nächsten Tag und Freitags die Ziele für die nächste Woche aufschreibt, läuft weniger Gefahr, sich mit Unnötigem zu verzetteln. Wichtig dabei ist, Zeit 30 % bis 50% unverplante Zeit für Unvorhergesehenes einzuplanen.

3. Zeitbedarf einplanen

Die beste To-Do Liste nützt nichts, wenn man sie mit unrealistisch vielen Dingen füllt und am Ende frustriert ist, nicht alles geschafft zu haben, was drauf stand.
Besser: Beim Planen gleich den geschätzten Zeitbedarf dazu schreiben.

4. Die beste Zeit für das Wichtigste nutzen

Zu Beginn des Tages mit den Aufgaben beginnen, die am Wichtigsten sind. Keine Zeit mit der Beantwortung von Mails und längeren Gesprächen mit Kollegen vertrödeln, sondern diese Dinge für Zeiten aufheben, wenn die Energie und Konzentration etwas nachlässt.

5. Zeitkiller meiden

Wenn möglich, Besprechungen auf ein Mindestmaß reduzieren. Vieles kann auch anders geklärt werden, als durch langwierige und langweilige Sitzungen.

6. Energiekurve berücksichtigen

Die meisten Menschen haben Morgens, nach einer Anlaufphase ihre konzentrierteste und beste Phase des Tages. Die sollte für die anspruchsvollsten Aufgaben genutzt werden.

7. Multitasking vermeiden

Mehrere Dinge gleichzeitig zu tun, kostet erheblich mehr mentale und physische Energie, als wenn man eines nach dem anderen tut. Besser: Bei anspruchsvollen Aufgaben – so reizvoll es ist, sich ablenken zu lassen – Unterbrechungen durch Mail, Telefon, Radio etc. vermeiden.

8. Aufräumen

Wer Ordnung schafft und hält, braucht weniger Zeit als das Genie, das ständig im Chaos suchen muss. Ein guter Tipp um Ordnung zu halten ist, wann immer man eine Sache ablegt, an der gleichen Stelle zwei Dinge zu entsorgen: Unterlagen, Dateien. Wer darauf achtet, hält die Umgebung schlank und findet sich schnell zurecht.

9. Pausen machen

Nach 90 bis 120 Minuten Arbeit braucht der Körper eine Pause. Wer hier ein gutes Gefühl für die eigenen Körpersignale entwickelt und dem Körper gibt, was er braucht, sorgt dafür, dass die Energie erhalten bleibt.

10. Energiespender nutzen

Jeder Mensch kennt Dinge, die ihm neue Energie geben. Etwas Bewegung, eine Kleinigkeit zu essen, 5 Minuten die Augen zu, ein kurzes Gespräch…. Wer sich diese Energiespender gönnt, gewinnt Kraft und Konzentration – und dadurch Zeit.

www.down-to-earth.de 04/09

Kerstin Hack. Unerträglich passiv. Was kann und will ich nicht ertragen?

»Toleranz kommt von tolerare, das bedeutet ertragen.« Das hat mir mein Vater immer wieder eingebläut. Er liebte Latein und kann selbst nach zwei Saunagängen lateinische Texte noch besser übersetzen als ich in meinen besten Zeiten: »Kerstin, wo ist das Substantiv? Und das Hauptverb? Nein. Subito ist kein Verb, sondern ein Adjektiv.« »Ähm. Schwitz.«

Es ist nicht viel übrig geblieben von meinem Schullatein: »Claudia hodie in collosseo est.« »Claudia ist heute im Kollosseum.« Erste Lektion. Das weiß ich noch. Und: »mortem« heißt »gestorben«. Das kann man auf alten Grabsteinen lesen. Aber schon bei den römischen Zahlen, die die Lebensdaten der dort Liegenden beziffern, bin ich mit meinem Latein am Ende. Ziemlich magere Ausbeute für ein paar Tausend Stunden Schulunterricht und Büffeln zu Hause.

Aber »tolerare heißt ertragen« – das ist hängen geblieben. Daran denke ich immer wieder, wenn ich Diskussionen über mehr oder weniger Toleranz höre, über Mulit-Kulti und Toleranz für unterschiedliche Lebensstile.
Letztlich geht es immer um die Frage: Was können, was wollen wir ertragen? Oder ganz persönlich: Was kann ich, was will ich ertragen?

Manches ist einfach zu ertragen. Ich bin relativ gerne bereit, andere zu unterstützen und etwas für sie zu tragen oder zu ertragen, wenn eine Person es offensichtlich nicht selbst schafft.

Wenn Menschen jedoch handeln könnten und es nicht tun, dann finde ich das unerträglich. Ich hasse Passivität. Nicht die gesunde Form von Passivität, die in guter Weise mit Energiereserven umgeht. So wie Passivhäuser es tun. Passivhäuser sind so konzipiert, dass sie nicht an unnötigen Stellen Energie verschwenden, sondern vorhandene Energien optimal nutzen.

Es gibt Menschen, die sind wie Passivhäuser. Sie gestalten ihr Leben in Reduzierung auf die vorhandene Kraft, die sie bewusst für bestimmte Zwecke einsetzen. Sie powern sich nicht aus, sondern haushalten gut mit der vorhandenen Energie, Zeit und Kraft. Sie wissen klar – und bringen es auch anderen gegenüber zum Ausdruck: »Das kann ich und will ich tun. Nicht mehr und nicht weniger.« Sie mischen nicht überall mit, gehen nicht über ihre eigenen Grenzen und bleiben in manchen Dingen bewusst und entschieden passiv.

Das finde ich gut. Ich tue das auch. Ich habe mich bewusst entschieden, mich für einige wenige Organisationen, die in Berlin und Afghanistan tätig sind, einzusetzen. Die bekommen meine Energie in Form von Engagement und Geld. Anderen gegenüber bleibe ich passiv. Weil es in Berlin passieren kann, dass man an einem einzigen Nachmittag von mehr als zehn Personen gefragt wird »Haste mal n Euro«, habe ich mich entschieden, der ersten Person, die mich an einem Tag um eine Spende bittet, gerne, lächelnd und aus ganzem Herzen etwas zu geben. Den anderen nicht.

Mit meinem ehrenamtlichen Engagement mache ich es genauso: Ich entscheide mich für einige, wenige Aufgaben, die im Rahmen meiner Fähigkeiten und Kapazitäten liegen – und sage konsequent nein zu vielen anderen Möglichkeiten. Es tut mir gut, meine Zeit und Kräfte zu beschränken, nicht auf allen Hochzeiten gleichzeitig zu tanzen. Auf Anfragen kann ich so gelassen reagieren: »Danke, nein, ich engagiere mich schon an anderer Stelle!«

Das ist gesunde Passivität, die vorhandene Kraft bewusst einsetzt und Lebensenergie nicht an tausend Stellen verschwendet. Menschen, die in dieser Weise passive Stärke leben und mit Blick auf ihre Energiereserven gelassen und souverän »nein« sagen können, bewundere ich.

Die Passivität, die ich hasse, ist, wenn Menschen einfach nicht reagieren. Da tritt eine Anfrage an sie heran und sie reagieren innerlich und häufig auch verbal mit einem unverbindlichen »mal sehen«. Wer »mal sehen« sagt, sieht meist nicht wirklich hin. Echtes Hinsehen bewegt zur Entscheidung und zum klaren Handeln. Häufig bedeutet »mal sehen« aber nichts anderes als: »Ich will das nicht sehen«. Die Anfrage wird damit mental weggeschoben. Aus den Augen aus dem Sinn. Das ist so ähnlich wie mit den Papierstapeln, die sich unweigerlich in jedem Büro ansammeln, wenn man nicht gleich entscheidet, wohin man dies oder jenes tun will und es auch gleich dorthin tut.

Wenn Menschen mit etwas konfrontiert werden, das sie zum Entscheiden und Handeln auffordert und sie nicht reagieren, dann könnte ich die Wände hochgehen. Das kann ich kaum ertragen. Da komme ich mit meiner Toleranz für ihr Verhalten schnell an meine Grenzen.

Es kann sich um Mitarbeiter handeln, die mir gegenüber eine schwammige Zusage gemacht haben, etwas bis zu einem bestimmten Zeitpunkt zu tun. Die »ja« gesagt haben, aber »ich will mich nicht wirklich festlegen!« meinten. Und die dann in Funkstille versinken. Oder Menschen, die unendlich lange über etwas reden, was sie belastet, ohne je zum Punkt oder zu einer Entscheidung zu kommen. Ja, die nervigen Kollegen, die unerzogenen Kinder, die schwierige Situation im Leitungsteam. Sie reden und reden. Grübeln und denken nach. Aber bleiben passiv. Sie denken und hoffen, denken lediglich: »Irgend etwas sollte geschehen.« Aber überlegen nicht konkret, welche Anfrage die Situation an sie stellt, und sie entscheiden sich nicht: »Was will ich jetzt tun?«

Es nervt mich nicht nur, weil es meine Zeit raubt – zumindest dann, wenn ich meinen Handlungsspielraum nicht rechtzeitig nutze, um klar »Nein, das will ich mir jetzt nicht länger anhören« zu sagen. Es nervt mich vor allem deshalb, weil ich sehe, dass ein solches Verdrängungsverhalten ihre Lebenskraft immer mehr einschränkt. Letztlich führt es dazu, dass der »Mal sehen« Stapel in ihrem Leben immer größer wird. Weil sie ihn nur selten wirklich ansehen und noch seltener angehen, kaum je entscheiden: »Was mache ich jetzt damit?«

Sie geben auf die Fragen und Anfragen, vor die das Leben sie stellt, keine Antwort. Damit sind sie im wahrsten Sinne des Wortes ver-Antwortungs-los. Das Problem dabei ist: Je mehr man verdrängt, nicht beantwortet, umso schwieriger wird es, Dinge wieder ganz klar anzusehen und anzugehen. So wie mit der Ablage, die zur Qual wird, wenn der Stapel so unübersichtlich geworden ist, dass man nicht mehr weiß, was da alles liegt. Und schon der Gedanke daran, sich damit zu beschäftigen, den Blutdruck nach oben treibt und Fluchttendenzen aktiviert. Bloß weg.

Im Grunde sind die Anfragen, die das Leben an uns stellt, nichts anderes als Nahrung. Jede praktische oder emotionale Herausforderung unseres Lebens ist ein kleines Kalorienpaket, das uns vermittelt: »So, hier bin ich. Ich stell mich dir zur Verfügung, um deine grauen Zellen und dein Handeln zu aktivieren. Du kannst mich benutzen, um etwas daraus zu gestalten und durch mich stärker zu werden.«

Wenn wir auf die Anfragen des Lebens bewusst und aktiv reagieren, werden unsere »Handlungsmuskeln« immer stärker. Im Lauf der Zeit werden wir in der Lage sein, auf Dinge konstruktiv zu reagieren, die uns früher vor Angst hätten flüchten lassen.

Aber leider ist auch das Gegenteil der Fall. Wenn wir den Anfragen des Lebens immer wieder ausweichen, nicht reagieren und nicht entscheiden, sondern die offenen Fragen zur Seite schieben, auf den Stapel, den wir »irgendwann« mal erledigen wollen, dann haben sie die gleiche Auswirkung auf unser Inneres, wie unverbrauchte Kalorien auf unseren Körper: Sie sammeln sich an. Erst unmerklich. Dann immer mehr. Bis wir am Ende dick und fett und handlungsunfähig sind.

Je länger wir Dinge ungeklärt liegen lassen – egal, ob es sich um nicht getroffene Entscheidungen oder ungeklärte Anfragen oder Beziehungen handelt, umso schwerer wird es, in dem ›Wust‹ überhaupt noch durchzublicken. Unser Innerstes gleicht dann nicht mehr einem ›wohlgeordneten Garten‹, ein Bild, mit dem die Bibel das Seelenleben eines innerlich aufgeräumten Menschen beschreibt, sondern eher einem undurchdringlichen Dschungel, in dem allerlei Gefahren lauern und den man besser überhaupt nicht betritt.

Um das Dickicht aus Passivität und nicht getroffenen Entscheidungen zu roden und den Ballast, der sich auf unsere Seelen gelegt hat, loszuwerden, kann man nur eins tun: Erst einmal, so gut es geht, dafür sorgen, dass nicht noch mehr an Anfragen an uns herangetragen werden, als wir bewältigen können. Und dann Schritt für Schritt den Ballast der ungeklärten Fragen, den wir schon angesammelt haben, wieder loswerden.

Für mich geht das am einfachsten, wenn ich mir regelmäßig (täglich kurz und ab und zu länger) Zeit nehme und mich ehrlich frage. »Was belastet mich? Was schleppe ich mit mir herum? Wo habe ich nicht klar reagiert? Was habe ich verdrängt? Was will ich jetzt klar entscheiden?« Und wenn ich gespürt habe, was in mir an ungeklärten Fragen rumort, ganz konkret überlege: »Was werde ich nun tun? Was muss ich entscheiden? Wie will ich damit umgehen?«

Wenn man erstmals so eine Entschlackungskur macht, kann das eine ganze Weile dauern, bis man am Boden des passiven Ballasts angekommen sind. Das ist ein ganzes Stück Arbeit. Befreiende Arbeit.

Jede nicht getroffene Entscheidung, jedes Wegschieben hat Ballast verursacht. Und jede klare Entscheidung, die ich treffe, verwandelt diesen Ballast in Kraft. Es ist mühsam, Ballast loszuwerden und fühlt sich an, wie wenn man nach jahrelangem körperlichen Stillstand erstmals wieder joggen geht: träge und schwer, jeder Schritt eine Überwindung. Aber mit der Zeit wird das Laufen leichter, man freut sich an der neuen Energie und spürt: Ich habe Kraft.

Neben den bewussten Entschlackungszeiten versuche ich mein Leben aktiv zu gestalten und im Alltag darauf zu achten, dass es gar nicht dazu kommt, dass sich Ballast ansammelt. Ich versuche auf Anfragen, die an mich herankommen, möglichst zeitnah zu reagieren: egal ob es sich um praktische Anfragen handelt oder ob ich spüre, dass mich etwas emotional bewegt und ich innerlich eine Entscheidung treffen muss.

Ich übe mich darin, mich gleich zu entscheiden, was ich mit Dingen tun will. Das verhindert ein gutes Stück weit, dass sich emotional ›Fett‹ ansammelt und mich im Inneren immer unbeweglicher macht. Weil es so viel Leben und Lebenskraft raubt, hasse ich Passivität und Verdrängen bei mir und anderen. Und bekämpfe es bei mir und anderen so gut es geht. Am effektivsten mit der Frage: »Was willst du jetzt tun?«

Fragen zum Weiterdenken

Was belastet mich derzeit am meisten? Was will ich damit tun?

Was aus der Vergangenheit belastet mich noch? Wie will ich damit umgehen?

Will ich regelmäßige »Entschlackungszeiten« in mein Leben einbauen? Wenn ja: Wie werde ich das ganz konkret tun?

Dieser Artikel ist ein Auszug dem Buch von Kerstin Hack: »Spring. Hinein ins volle Leben« Erhältlich im Down to Earth Verlag: http://www.down-to-earth.de

Antje Rein: Rezension zu Spring hinein ins volle Leben

Kerstin Hack ist eine Meisterin der Worte. Mit vielen einprägsamen Beispielen und Geschichten nimmt sie den Leser mit auf eine Reise ins „volle Leben“. Dabei werden Themen wie Sehen, Entscheidungen treffen, Aktiv gestalten, Offen für Neues, Bewegen, Sich selbst begegnen und viele andere angesprochen.
Die Herausforderung des Buches ist es, das Leben mit all seinen Facetten zu lieben und es zu gestalten. Mit vielen Beispielen aus dem Leben der Autorin bekommt das Buch die nötige Würze und Aktualität.

Kerstin Hack lädt den Leser ein, das eigene Leben auf den Prüfstand zu stellen. Dazu regen besonders die Fragen am Ende der Kapitel an, die helfen sollen, eigenes Denken und Verhalten noch einmal zu hinterfragen.
„Sie entdecken, wie sie Haltungen und Denkmuster, die das Lebendigsein blockieren, erkennen und ablegen können“, so schreibt die Autorin selbst über ihr Buch. „Spring lädt dazu ein, sich neu auf das Leben einzulassen.“

Ein Buch, das man immer wieder zur Hand nehmen und in kleinen Häppchen am besten bearbeiten und verdauen kann.

Spring...ins Wasser
Spring...ins Wasser

Antje Rein, Dipl.Soz.arb, www.lebens-nah.de

Zuerst veröffentlicht im Magazin „Family“, Feb. 2009

Kerstin Hack: Unverschämt glücklich

Zwei Menschen, die sich lange nicht gesehen haben, treffen sich.
»Wie geht es dir?«
»Naja, ganz gut, aber auf Arbeit gibt es Probleme, die Kinder sind gerade in einer stressigen Phase, na ja, ich kann nicht klagen, aber … und wie geht es dir?«
»Danke, mir geht es blendend.«
Schweigen. Sprachlosigkeit. Keine Rückfragen.

Unsere Gesellschaft befindet sich in einem merkwürdigen Zustand. Alle streben nach Glück. Sie kämpfen in ihren Jobs, arbeiten hart an ihren Beziehungen, besuchen Erziehungsseminare, Weiterbildungen, Workshops für ausgeglichenes Leben und mehr Gelassenheit, aber keiner scheint tatsächlich zu glauben, dass ein fröhliches und zufriedenes Leben tatsächlich phasenweise möglich ist. „Kerstin Hack: Unverschämt glücklich“ weiterlesen