Kerstin Hack: Freude – die Kunst, vom Leben begeistert zu sein

MohnDas Leben mal wieder so richtig genießen, voller Ausgelassenheit und Unbeschwertheit – das wünschen sich viele. Lange dachte ich, es sei typbedingt, wie viel Lebensfreude man verspürt. Die einen freuen sich eben mehr, die anderen weniger. Das stimmt nur zum Teil. „Kerstin Hack: Freude – die Kunst, vom Leben begeistert zu sein“ weiterlesen

Kerstin Hack: Voller Leben

Ich lebe und ihr sollt auch leben. Jesus. Johannes 14, 19

Manche Dinge beginnen eher ungewöhnlich. „Spring“, mein Buch über das Leben und das, was das Leben lebenswert macht, begann mit dem Tod. „Kerstin Hack: Voller Leben“ weiterlesen

Kerstin Hack: Einmal leben

Rumms – der Sargdeckel knallt zu – dein Leben ist ein für alle mal zu Ende. Egal ob heute, morgen oder in dreißig Jahren – irgendwann wird dieser Moment kommen, an dem du Bilanz ziehen wirst. Wie wird es sein? Auf was für ein Leben wirst du zurückschauen können? „Kerstin Hack: Einmal leben“ weiterlesen

10 Satzanfänge – Kerstin Hack erzählt, was sie mag

Meiner Meinung nach …

 

  • die schönste Art zu entspannen:

Liegen

Im Sommer: In der Sonne auf dem Balkon oder an einem Gewässer.

Im Winter: In einem heißen Schaumbad mit Kerzen und einem kühlen Getränk.

  • das Aufregendste, was man den Augen derzeit bieten kann:

Berliner Architektur von klassisch bis ultramodern. Gute Fotografie, die das Gewöhnliche aus außergewöhnlichem Blickwinkel zeigt. Und Hannah, mein Patenkind – immer wieder neu zum Staunen.

  • der beste Tipp für den Umgang mit der Hausarbeit:

Nicht alles schaffen zu wollen. Klar zu entscheiden, was das Wichtigste ist und den zeitraubenden Detailkram (Schubladen sortieren etc.) für ruhigere Zeiten aufheben. Und beim Putzen Tenöre in voller Lautstärker hören – das bringt in Schwung.

  • die menschenfreundlichste Erfindung aller Zeiten:

Für Frauen: Der BH. Die Vorstellung, mit einem Korsett herumzulaufen, finde ich doch sehr einengend.

  • die am dringendsten notwendige Versöhnung:

Begegnung und Versöhnung zwischen Christen aus dem Westen und den Menschen aus der arabischen Welt.  Manche Christen, die alle Menschen aus dem Mittleren Osten als Feinde sehen – und vergessen, dass Jesus selbst aus dieser Region kam. Und Moslems, die Feindbilder gegen Christen und Juden aufbauen. Ein arabisches Kind aus Berlin kommentierte: »Als es die Kindergruppe noch nicht gab, dachte ich, alle Christen sind böse. Aber seit ich euch kenne, weiß ich: ihr seid genauso nett wie wir Araber!«

Außerdem: Die Versöhnung jedes Menschen mit sich selbst und seiner – oft holprigen – Geschichte.

  • die wichtigste Veränderung, die Christen angehen sollten:

Das Wort „du musst“ und „du solltest“ aus unserem Wortschatz streichen. Jesus hat diese Worte nie verwendet, um Menschen zur Veränderung anzuregen.

  • der beste Weg, Stille in den Alltag einzubauen:

Die Zeit zwischen zwei verschiedenen Tätigkeiten für Momente zum Singen, Beten, still sein nutzen.

  • die größte Stärke von Männern:

Ganz anders zu sein. Sich für (aus meiner Perspektive) ungewöhnliche Dinge wie Formel 1 und Technik richtig begeistern zu können. Und mich damit immer wieder neu zu erstaunen und zu faszinieren.

  • die größte Schwäche von Frauen:

Die dumme Angewohnheit, alles auf sich zu beziehen, jeden muffigen Blick, jedes Schweigen…

  • die merkwürdigste Idee, die ich je hatte:

An einem Abend so lange gemeinsam mit einem Freund das Gespräch mit Menschen über Jesus suchen, bis jemand sich entscheiden würde, ihm zu folgen. Dem folgten vier unendlich frustrierende Stunden und am Ende die überraschende und beglückende Begegnung mit einer Frau, die nach der Begegnung mit uns, ihren Weg mit Jesus begann.

Bearbeitete Fassung einer Frageserie, die zuerst in der Zeitschrift Joyce erschien. Mit freundlicher Genehmigung.

Wunderbar leben – alltagstaugliche Spiritualität

Früher habe ich meine eigene und die Spiritualität von anderen vor allem an zwei Faktoren gemessen: Bibel lesen und Gebet. Das war mein Maßstab. Geistlich war, wer die Bibel gut kannte und viel Zeit im Gebet verbrachte.

„Wunderbar leben – alltagstaugliche Spiritualität“ weiterlesen

Kerstin Hack: SoloLeben

 

An meinen schlechten Tagen als Selbständige und Single passiert es schon mal, dass ich denke: “Keiner hilft mir. Alles muss ich allein machen.” Schwupps kommen auch schon die entsprechenden Gefühle von Selbstmitleid, Einsamkeit und Traurigkeit im Schlepptau der Gedanken hinterher. Hilfreich? Nicht wirklich.

 

„Kerstin Hack: SoloLeben“ weiterlesen

DtE aktuell: Lebensfreude und Sommerferien

Wer Freude genießen will, muss sie teilen. Das Glück wurde als Zwilling geboren. – Lord Byron

Liebe Freunde,

vor ein paar Tagen wurde – aus dem verschlossenen Hinterhof – mein Liegefahrrad gestohlen. Für mich ein herber Schlag. Wegen einer Verletzung bin ich auf ein – die Wirbelsäule entlastendes Liegerad angewiesen.
Von daher ist das ein großer immaterieller Verlust. Kein Rad zu haben, schränkt mich ungemein ein, macht mein Leben viel komplizierter. Ich benutze das Rad ständig. Und es ist ein materieller Verlust. Ich habe keine Diebstahlversicherung und es ist nicht einfach, das Rad zu ersetzen, weil Liegeräder für Frauen selten und teuer sind.

Ich war natürlich sehr traurig, habe auch geweint. Aber nach einem Tag habe ich mir gesagt: Es ist blöd genug, dass das Rad weg ist. Aber niemand zwingt mich, dass ich mir auch die Freude rauben lasse. Es ist Sommer. Das Leben hat – trotz der Dinge, die uns treffen – viele schöne Seiten. Kurz: Meine Lebensfreude ist zurück.

Ob man Lebensfreude erlebt, ist kein Zufall. Wissenschaftler gehen davon aus, dass verschiedene Faktoren sich darauf auswirken, ob man das Leben eher von der sonnigen oder eher von der düsteren Seite sieht.

  • 50% GENE. Die einen Menschen haben mehr Energie, Lebenskraft und dann oft auch mehr Freude als andere. Das hat mit Konstitution, Kreislauf, Hormonhaushalt und vielen anderen Dingen zu tun.
  • 10 % UMSTÄNDE. Die werden oft überbewertet. Aber das, was einem das Leben an schönen und weniger schönen Dingen (Fahrradklau) beschert, wirkt sich nur zu etwa 10% auf die Lebensfreude aus.
  • 40% – EINSTELLUNGEN. Die Haltung, mit der wir Dinge betrachten, trägt ganz wesentlich dazu bei, ob wir unser Leben genießen oder nicht. Manche Leute finden das Haar in jeder Suppe, andere entdecken in jedem Staubhaufen die sprichwörtliche Perle.

lebensfreudeWeil das so ist, habe ich ein Quadro über Lebensfreude geschrieben. Wir können unsere Gene nicht beeinflussen, die Umstände oft auch nicht. Aber wir können Einfluss darauf nehmen, wie wir auf die Dinge reagieren, die uns treffen. Wir können aktiv Raum für mehr Freude machen. Die meisten Menschen spüren mehr Freude, wenn sie etwas gemeinsam mit Freunden unternehmen, aber verbringen trotzdem viel Zeit allein vor dem Computer oder Fernseher.

Viele Menschen sehnen sich nach mehr Freude im Leben. Ihr Leben ist ok, aber die Freude ist verloren gegangen. Das muss aber nicht auf Dauer so bleiben. Wer mehr Freude erleben will, hat viele Möglichkeiten. Eine ganze Reihe davon stellt das neue Quadro vor.

Wie immer könnt ihr in das Quadro reinlesen und euch inspirieren lassen. Dort gibt es auch ´ne Leseprobe, die ihr an Eure Freunde weiterleiten oder auf euren Blogs oder bei Facebook etc. einbinden könnt. So können auch andere, denen ihr mehr Freude wünscht, das entdecken.
http://www.down-to-earth.de
Ihr bekommt es bei uns im Shop, per Mail an dte@chrismedia24.de und im Buchhandel [ISBN 978-3-935992-58-9]

Die Quadros sind durch spezielle Beschichtung fast wasserfest, können leicht abgewischt werden. Sie eignen sich deshalb besonders gut als Urlaubslektüre. Für die Ferien empfehle ich euch:
Lebensfreude (klar!)
Stille finden
Gut kommunizieren (das soll ja gerade im Urlaub nicht schaden!)

Bitte empfehlt unsere „Kraftpakete fürs Leben“ auch euren Freuden. Zumindest denen, denen ihr mehr Lebensfreude wünscht.

Ich hoffe, dass ihr Tage erlebt, die ihr voller Freude erleben könnt. In denen, wenn was Doofes passiert, ihr das gut verarbeiten und im Vertrauen zu Gott lösen könnt. Und dann schnell zur Freude zurück kehren könnt.

Wunderbare Sommertage wünscht euch

Eure

Kerstin Hack
und das Team von Down to Earth

****************************
Dieser Newsletter ist ein Service des Down to Earth Verlags, Berlin.
Er kann auf der Homepage des Verlags bestellt oder im eigenen Benutzerkonto abbestellt werden:
http://www.down-to-earth.de
Oder per mail an: info@down-to-earth.de

Dein Leben isQuadro von Kerstin Hackt eigentlich ganz in Ordnung, aber irgendwie fehlt es dir an Lebensfreude? Dann ist dieses Quadro genau richtig für dich. Es erklärt, welche Haltungen und Handlungen zur Freude führen. Es bietet Inspiration, wie du verlorene Lebensfreude wiederfinden kannst. Du entdeckst, wie du ganz praktisch Raum für mehr Freude in deinem Leben schaffen kannst. Für alle, die sich nach mehr Lebensfreude sehnen.

Kerstin Hack: Glück ist machbar

Gerade bin ich auf dem Balkon in der Sonne gesessen und habe frisch-cremige Pastinakensuppe mit feinen Lachbällchen gegessen, eine »ideale schnelle Mahlzeit im Rahmen moderner Ernährung«, die ich »mit Genuss und Verstand« genießen kann, wie mich die Packung der Fertignahrungslinie ›Viva und Vital‹ informiert und nicht versäumt, mich aufzufordern: »Lassen Sie es sich gut gehen!«
Habe ich glatt gemacht. Ich saß in der Sonne, genoss das Gefühl, die heiße Suppe in meinen Magen rutschen zu lassen und – war glücklich. Einige schöne Momente lang. Das Coole daran war, dass ich schon vorher wusste, dass ich in diesen Momenten glücklich sein würde. Ganz einfach, weil ich weiß, dass es bestimmte Dinge und Verhaltensweisen gibt, die quasi automatisch Glücksgefühle auslösen.

Was ist Glück?
Ganz vereinfacht gesagt, sind Glücksgefühle nichts anderes als eine biochemische Reaktion im Gehirn. Das Gehirn schüttet bestimmte Glückshormone aus und wir fühlen uns glücklich. Es gibt – vor allem zyklusbedingt bei Frauen – massive Schwankungen im Gefühlshaushalt. Aber dennoch kann man als Faustregel sagen, dass das Gehirn die Glückshormone nicht willkürlich ausschüttet, sondern in der Regel als Reaktion auf Verhalten und Denkmuster. Man kann die Ausschüttung der Glückshormone nicht bewusst steuern, aber man kann sehr stark beeinflussen, ob man Dinge tut und denkt, die glücklich machen.

Glücklich sein und Glück haben
Deutsch ist in Bezug auf Glück eine etwas verwirrende Sprache. Wir sprechen davon, dass man ›Glück hat‹ und meinen damit das, was die Engländer als ›luck‹ bezeichnen. Zufallstreffer in der Lotterie des Lebens, die natürlich dazu führen, dass wir uns eine Weile lang glücklicher fühlen. In der Regel sind Menschen nach einem echten Glückstreffer (Lottogewinn etc.) etwa drei Monate lang glücklicher als zuvor, dann pendelt sich ihr Glücksgefühl wieder auf ihrem vorherigen Niveau ein.
Glück kann man ›haben‹, das ist wunderbar, aber nicht steuerbar. Hingegen können wir sehr wohl beeinflussen, ob wir uns glücklich fühlen.

Was macht glücklich?
Essen zum Beispiel. Wenn wir gut gegessen haben, dann fühlen wir uns hinterher nicht nur gesättigt, sondern in der Regel auch glücklicher als mit knurrendem Magen. Noch eine Grundregel: Alle Dinge, die Leben spenden, machen glücklich. Das gilt sowohl in Bezug auf die Aktivitäten, die unser biologisches Leben erhalten und weitergeben (Sex, Essen und Bewegung) als auch in Bezug auf die Handlungen, die das soziale Miteinander stärken (Begegnung, Zusammenarbeit, Helfen).
Ich finde es genial, dass der Schöpfer es so angelegt hat, dass die Dinge, die Leben spenden, uns glücklich machen. Gott ist kein Mistkerl, der erwartet, dass wir brav unsere Pflicht tun. Er ist vielmehr ein Gott, der will, dass wir lebendig sind und es so genial eingerichtet hat, dass alles, was uns und anderen Menschen Leben spendet, mit den schönsten Gefühlen belohnt wird, die wir kennen.

Als ich das an einem Abend beim Lesen einiger Texte über ›Glück‹ zum ersten Mal verstanden habe, war ich stundenlang so glücklich und aufgekratzt, so begeistert und voller Anbetung, dass ich nicht schlafen konnte, obwohl es so spät war. Ich habe am Ende zu einer ›Notlösung‹ gegriffen und absichtlich ein ausgesprochen depressives und langatmiges Buch über Ermordung von psychisch Kranken im Dritten Reich gelesen, um meine Glücksgefühle so weit abzudämpfen, dass ich einschlafen konnte. Aber es begeistert mich noch immer, dass Glücksgefühle letztlich ein Gradmesser sind, der anzeigt, ob man richtig lebt. Wie genial.

Alle Dinge, die Leben spenden, machen glücklich: Sexuelle Begegnung und Nähe, Essen, Lernen, Bewegung – wenn man sie richtig macht. Natürlich kann man Sex kann auch nur als schnelle Nummer machen, das Falsche essen und es viel zu schnell in sich reinstopfen oder Stoff einfach pauken und sich wie ein Irrer bewegen – dabei wird man nur selten Glücksgefühle haben.
Glück empfindet man, wenn man Leben erlebt. Wenn man sich auf Leben und Begegnung einlässt – mit dem einen Menschen, der zu einem gehört und dem man immer tiefer, offener und echter begegnen möchte. Wenn man Essen nicht nur als Kalorienzufuhr begreift, sondern als Möglichkeit, den eigenen Körper und damit auch die Seele zu nähren. Wenn man das Leben als eine Möglichkeit versteht, Neues zu lernen und zu erfahren und nicht aufhört, zu lernen und zu staunen und wenn man schließlich Bewegung nicht als Programm absolviert, sondern sich an ihrer unendlichen Vielfalt freut.
Ich habe neulich in einem Tanzkurs Fallen geübt. Ich hatte keine Ahnung, wie unterschiedlich man fallen kann. Mal mit dem Oberkörper zuerst, mal mit dem Po, mal schwungvoll, mal langsam. Auch wenn zwei, drei kleine Schrammen noch davon zeugen, dass ich nicht immer gut gefallen bin – ich bin um einige Erfahrungen reicher und habe neue Bewegungsmöglichkeiten entdeckt. Überall da, wo wir unsere Möglichkeiten durch Lernen, Begegnung und Bewegung erweitern, belohnt unser Körper uns dafür mit Glücksgefühlen: »Das hast du gut gemacht. Das fühlt sich gut an!«

Glück und Drogen
Viele Drogen lösen biochemisch im Gehirn ähnliche Reaktionen aus wie die Handlungen und Denkmuster, die uns glücklich machen. Sie sind so gesehen nichts anderes als die Sehnsucht danach, sich glücklich zu fühlen, aber nicht bereit zu sein, selbst aktiv die Dinge zu tun, die dazu führen würden, dass man glücklich wird. Etwas Neues zu entdecken und zu erfahren macht zum Beispiel glücklich. Gras (Marihuana) sorgt dafür, dass man jede Menge Dinge neu ›erlebt‹ – ohne das Risiko sich auf das echte Leben und auf wirkliches Lernen einzulassen. Drogen sind aus dieser Perspektive nichts anderes als der Versuch, eine Abkürzung zu nehmen, um das gewünschte Glücksgefühl zu erreichen. Viele Menschen, die Drogen nehmen, sehnen sich zu Recht nach Glücksgefühlen. Sie können sich aber nicht vorstellen, wie sie im normalen Leben glücklich sein können, wissen einfach nicht, wie das geht. Und greifen deshalb zu Drogen.

Gestern habe ich mich mit einem Freund unterhalten, der zehn Jahre lang wie ein Schlot gekifft hat. Vor vier Monaten hat er damit aufgehört. Er sagte mir: »Ich leiste jetzt viel mehr, kriege mehr auf die Reihe, aber als ich noch gekifft habe, war ich glücklicher!« Er hat Recht. Er hat immer erwartet, dass Glück zu ihm kommt – durch Drogen, eine tolle Frau usw. Er hat es nie gelernt, wie er selbst dafür sorgen kann, dass er glücklich ist. Wir haben dann lange darüber geredet, wie er es wieder lernen kann, sich über Leistungen, Begegnungen, ja das Leben selbst zu freuen, wie er Momente der Achtsamkeit in seinen Alltag einbauen kann und in sich Raum schaffen kann, um kleine Glücksmomente, die er erlebt, intensiver wahrzunehmen. Er ist auf einem guten Weg stark zu werden und auf eigene, gesunde Art und Weise glücklich zu werden.

Glücklich sein üben
Glücksgefühle kannst du nicht machen. Aber du kannst sehr wohl die Voraussetzungen dafür schaffen, glücklicher zu werden, indem du dich dem Leben öffnest. Enge, Verschlossenheit, Hetze und Druck sind Glückskiller. Offenheit, Achtsamkeit, Behutsamkeit mit sich selbst und anderen, Wahrheit und Wahrnehmung öffnen unsere Herzen dem Glück. Glück kann man auch nicht in der Zukunft erleben, sondern immer nur im Jetzt. Viele Menschen denken: »Wenn ich dieses oder jenes geschafft habe, dann werde ich glücklich sein.« Sie sind es dann aber nicht. Und werden es wahrscheinlich nie sein, weil sie es gar nicht gelernt haben, im Moment glücklich zu sein. Es wird dir besser gehen, wenn du schon in der Gegenwart glücklich bist, statt nur auf ein Ziel fixiert zu sein. Wenn ich Bücher schreibe, muss ich mich immer wieder daran erinnern, dass ich den Moment des Schreibens bewusst genießen will, nicht nur den Moment, wenn ich das Buch fertig gedruckt in den Händen halte.
Wer glücklich sein will, kann es nur im Hier und Jetzt, indem er sich auf das einlässt, was ist: die Begegnung, in der er gerade ist. Die Umgebung, in der er sich befindet. Den Körper, den er gerade hat. Indem er wahrnimmt und bewusst genießt, was ist. Statt zu hoffen, dass etwas, was vielleicht einmal sein wird, ihn glücklich machen wird.
Und man kann fühlen üben. Wir denken oft wir fühlen etwas, aber in Wahrheit denken wir Gefühle, statt sie tatsächlich zu fühlen. Vor ein paar Jahren hatte ich ein für mich schockierendes Erlebnis. Ein Freund schenkte mir Blumen und ich dachte mir: »Das ist ja nett.« Das Schlimme war: Ich dachte es, aber ich fühlte es nicht. Ich dachte »es ist nett«, meine Gedanken registrierten es als positiv, aber in meinem Herzen bewegte sich nichts. Seit dieser Zeit habe ich intensiv und bewusst versucht, die verschütteten und versteckten Gefühle, die in mir schlummerten, aber kaum von mir registriert wurden, wahrzunehmen.
Wenn jemand etwas Nettes für mich tat, habe ich versucht, nicht nur zu denken: »Das ist nett!«, sondern zu fühlen: »Oh, das fühlt sich wirklich gut an!«. Freunde haben mir dabei geholfen, indem sie mir manchmal sagten, was sie empfanden: »Du siehst heute aber traurig aus, wie fühlst du dich?«. »Oh ja, ich glaube du hast recht. Ich fühle mich wirklich niedergeschlagen!«

Ich bin immer noch am Lernen, aber ich fühle viel mehr als früher und kann Empfindungen viel mehr genießen und wahrnehmen, bin lebendiger geworden. Ich denke Gefühle nicht mehr nur, ich fühle sie tatsächlich. Und genieße sie.
Gestern habe ich mich lange mit einer Freundin darüber unterhalten, was es bedeutet, sich dem Leben zu öffnen. Je mehr wir sprachen, umso mehr leuchtete ihr Gesicht. Sie wurde sichtbar schöner. Ich habe fasziniert auf ihre immer leuchtenderen Augen und ihre tanzenden Dreadlocks gesehen und mich an ihr und am Leben gefreut – glücklich und von Herzen.

Glücksrezepte für Anfänger
Meine ›Basics‹ für Anfänger im Glücklich werden:

1. Bewegung
Wenn du unglücklich bist – beweg dich. Beweg deinen Kopf. Denk an etwas anderes, etwas Schöneres. Und bewege deinen Körper. Geh raus, schnappe frische Luft. Oder tanze und singe wenigstens in deiner Wohnung. Essen hilft zwar auch gut gegen den ersten Frust, ist aber wegen ungewünschter Nebenerscheinungen zumindest nicht im Übermaß zu empfehlen.

2. Achtsamkeit – 20 Sekunden Regel
Wenn etwas von unserem Kurzzeitspeicher in unseren Langzeitspeicher übergeht, belohnt uns das Gehirn für die geleistete Speicherarbeit mit Glücksgefühlen. Das Speichern funktioniert jedoch nicht, wenn wir gehetzt durchs Leben rennen. Dann rennen wir nur durch und nehmen nichts wahr. Wahrnehmung setzt Achtsamkeit voraus, zum Beispiel wenn wir einem Menschen mit Achtung begegnen, indem wir durch Körpersprache und innere Achtsamkeit zum Ausdruck bringen: Dir gehört jetzt meine volle Konzentration. Oder indem wir eine Sache bewusst und wenigstens 20 Sekunden lang betrachten. Wenn wir etwas so lange achtsam und mit einer Haltung der staunenden Offenheit betrachten – egal ob es ein Bild, ein Gesicht, ein Bauwerk, die Struktur einer Rolltreppe oder die eigenen Hände sind, wird das abgespeichert. Wir werden doppelt belohnt: Mit einem schönen Bild im Speicher und mit Glücksgefühlen.
Tipp: Gleich üben. Schau dir einen schönen Gegenstand 20 Sekunden lang intensiv an. Freu dich daran. Und übe die 20-Sekunden Achtsamkeit immer wieder im Lauf des Tages.

3. Rückblick
Gewöhne dir an, am Ende des Tages über fünf Momente nachzudenken, an denen du glücklich warst. Das macht dich nicht nur doppelt glücklich (Erinnerung an erlebtes Glück fühlt sich (fast) so gut an wie das Glück selbst), sondern wird nach einer gewissen Zeit auch dazu führen, dass du im Alltag Glücksmomente intensiver und bewusster wahrnimmst.

Zuerst veröffentlicht in THE RACE. Die christliche Zeitschrift zum Weiterdenken. Mit freundlicher Genehmigung.

Kerstin Hack: Unverschämt glücklich

Zwei Menschen, die sich lange nicht gesehen haben, treffen sich.
»Wie geht es dir?«
»Naja, ganz gut, aber auf Arbeit gibt es Probleme, die Kinder sind gerade in einer stressigen Phase, na ja, ich kann nicht klagen, aber … und wie geht es dir?«
»Danke, mir geht es blendend.«
Schweigen. Sprachlosigkeit. Keine Rückfragen.

Unsere Gesellschaft befindet sich in einem merkwürdigen Zustand. Alle streben nach Glück. Sie kämpfen in ihren Jobs, arbeiten hart an ihren Beziehungen, besuchen Erziehungsseminare, Weiterbildungen, Workshops für ausgeglichenes Leben und mehr Gelassenheit, aber keiner scheint tatsächlich zu glauben, dass ein fröhliches und zufriedenes Leben tatsächlich phasenweise möglich ist. „Kerstin Hack: Unverschämt glücklich“ weiterlesen