10 Satzanfänge – Kerstin Hack erzählt, was sie mag

Meiner Meinung nach …

 

  • die schönste Art zu entspannen:

Liegen

Im Sommer: In der Sonne auf dem Balkon oder an einem Gewässer.

Im Winter: In einem heißen Schaumbad mit Kerzen und einem kühlen Getränk.

  • das Aufregendste, was man den Augen derzeit bieten kann:

Berliner Architektur von klassisch bis ultramodern. Gute Fotografie, die das Gewöhnliche aus außergewöhnlichem Blickwinkel zeigt. Und Hannah, mein Patenkind – immer wieder neu zum Staunen.

  • der beste Tipp für den Umgang mit der Hausarbeit:

Nicht alles schaffen zu wollen. Klar zu entscheiden, was das Wichtigste ist und den zeitraubenden Detailkram (Schubladen sortieren etc.) für ruhigere Zeiten aufheben. Und beim Putzen Tenöre in voller Lautstärker hören – das bringt in Schwung.

  • die menschenfreundlichste Erfindung aller Zeiten:

Für Frauen: Der BH. Die Vorstellung, mit einem Korsett herumzulaufen, finde ich doch sehr einengend.

  • die am dringendsten notwendige Versöhnung:

Begegnung und Versöhnung zwischen Christen aus dem Westen und den Menschen aus der arabischen Welt.  Manche Christen, die alle Menschen aus dem Mittleren Osten als Feinde sehen – und vergessen, dass Jesus selbst aus dieser Region kam. Und Moslems, die Feindbilder gegen Christen und Juden aufbauen. Ein arabisches Kind aus Berlin kommentierte: »Als es die Kindergruppe noch nicht gab, dachte ich, alle Christen sind böse. Aber seit ich euch kenne, weiß ich: ihr seid genauso nett wie wir Araber!«

Außerdem: Die Versöhnung jedes Menschen mit sich selbst und seiner – oft holprigen – Geschichte.

  • die wichtigste Veränderung, die Christen angehen sollten:

Das Wort „du musst“ und „du solltest“ aus unserem Wortschatz streichen. Jesus hat diese Worte nie verwendet, um Menschen zur Veränderung anzuregen.

  • der beste Weg, Stille in den Alltag einzubauen:

Die Zeit zwischen zwei verschiedenen Tätigkeiten für Momente zum Singen, Beten, still sein nutzen.

  • die größte Stärke von Männern:

Ganz anders zu sein. Sich für (aus meiner Perspektive) ungewöhnliche Dinge wie Formel 1 und Technik richtig begeistern zu können. Und mich damit immer wieder neu zu erstaunen und zu faszinieren.

  • die größte Schwäche von Frauen:

Die dumme Angewohnheit, alles auf sich zu beziehen, jeden muffigen Blick, jedes Schweigen…

  • die merkwürdigste Idee, die ich je hatte:

An einem Abend so lange gemeinsam mit einem Freund das Gespräch mit Menschen über Jesus suchen, bis jemand sich entscheiden würde, ihm zu folgen. Dem folgten vier unendlich frustrierende Stunden und am Ende die überraschende und beglückende Begegnung mit einer Frau, die nach der Begegnung mit uns, ihren Weg mit Jesus begann.

Bearbeitete Fassung einer Frageserie, die zuerst in der Zeitschrift Joyce erschien. Mit freundlicher Genehmigung.

Günter J. Matthia: Rezension zu Steve Turner – Imagine

Die Aussagen von U2 über den persönlichen Glauben hätten wahrscheinlich weniger Wirkung gehabt, wenn sie diesen Glauben nicht konsequent vorgelebt hätten. Ich bin überzeugt, dass ein großer Teil des Respektes für sie daher kommt, dass man sie für Menschen hält, die zu ihrem Wort stehen. Das Evangelium macht für die Menschen mehr Sinn, wenn sie es gelebt sehen, statt es nur zu hören. -Steve Turner

Der Verfasser dieses Buches ist Journalist, Musikkritiker und Autor. Er lebt in London und schreibt regelmäßig für Zeitungen und Magazine. Er hat verschiedene Bücher über Musiker wie die Beatles, Cliff Richard, Eric Clapton, U2 und andere, sowie mehrere Gedichtbände veröffentlicht. Aus seiner Feder stammt auch die offizielle Biografie »The Man called Cash« über Johnny Cash.

Im vorliegenden Buch geht es auch um Musik und Musiker, aber »Imagine« ist weit mehr als ein Portrait von Künstlern. Steve Turner öffnet den Blick für eine weite und visionäre Perspektive, wie Christen heute Kunst schaffen können, die authentisch ist und etwas bewirkt, weil sie von der säkularisierten Gesellschaft nicht ignoriert wird.

Es hat sich eine ungesunde Spaltung in »christliche« und »weltliche« Kunst entwickelt, das betrifft nicht nur die Musik, sondern genauso die Literatur, Malerei, Theater, Film und Bildhauerei. Axel Nehlsen, Pfarrer in Berlin, sagte 2004: »Als Verantwortliche in Kirche und Gemeinde sind wir oft erschrocken über die kulturelle Irrelevanz der Christen. Wir entdecken mehr Rückzug in den frommen Bereich statt kompetente Einmischung in die Gesellschaft.«
Woher diese Spaltung kommt, die im Versagen vieler sicher sehr begabter Christen gipfelt, ihre Mitmenschen überhaupt zu erreichen, untersucht Steve Turner. Er ist schon früh in seinem Leben auf das ausschlaggebende Denken gestoßen:

Als ich einmal erzählte, dass ich Autor werden wollte, sagte ein älterer Christ zu mir: »Das wäre sehr schön. Es gibt ein paar gute christliche Zeitschriften.« Seine Überzeugung war, dass ein Christ für Christen über das Christentum schreibt, dass ich vielleicht für eine überregionale Zeitung oder ein Magazin über allgemeine Theman schreiben wollte, kam gar nicht in Betracht.

Gut, dass Steve Turner seinen Weg als Autor gefunden hat, der mit seinen Werken nicht nur ein Nischenpublikum erreicht. Er begann als Journalist und interviewte die seinerzeit berühmtesten Musiker, darunter Elton John, Frank Zappa, Lou Reed, Eric Clapton, Pink Floyd, The Who, Rolling Stones … um nur einige zu nennen. Im Buch »Imagine« schildert er unter anderem ein ausführliches Gespräch mit John Lennon zu der Zeit, als das Album »Imagine« gerade erschienen war. Lennon hatte einen Brief bekommen, in dem es hieß: »Du brauchst Jesus, John!« Steve Turner sprach lange mit ihm über Jesus, Gott, Jesus-People und mehr. John Lennon hatte durchaus etwas dazu zu sagen.

Steve Turner untersucht in diesem Buch die Zusammenhänge von Kirche und Kunst, schildert die Einflüsse der Reformation und stellt dann die Frage, was denn eigentlich »die Welt« sein soll.

Die Bibel warnt tatsächlich vor »der Welt« und »Weltlichkeit«. Wenn wir Gott treu sein wollen, müssen wir herausfinden, was damit gemeint ist. … »Habt nicht lieb die Welt…« bedeutet weder »kümmert euch nicht um den Planeten« noch »schließt euch aus der Gesellschaft aus«. Es bedeutet: »Eignet euch kein anti-göttliches Denken an.«

Er widmet sich auch dem Dilemma, in dem viele Christen, die künstlerisch tätig sind, sich wiederfinden.

Man fordert christliche Künstler dazu auf, die alltäglichen Dinge des Lebens zu ignorieren, weil sie keine Gelegenheit zum Zeugnis des Glaubens bieten. Die Erwähnung von Seife oder Football führt nicht natürlicherweise nach Golgatha. Also bleibt ihnen nur das offensichtlich Geistliche, und das macht sie in den Augen von Nichtchristen zu einseitigen Menschen. Es scheint, als hätten sie keinen Alltag, als würden sie nicht in der normalen Welt mit Telefonen, Autos, Fernsehen und so weiter leben.

Steve Turner schildert »missbrauchte und erlöste Kreativität«, untersucht die Bibel zum Thema und führt seine Gedanken über den kreativen Geist Gottes, die Zeit in der wir leben und gesellschaftliche Veränderungen schließlich zu der Frage: Ist es möglich, dass Christen eher zum Künstler berufen sind als zum Prediger? Und wenn ja, wie kann das authentisch gelebt werden?
Am Beispiel der Band U2, in der drei der vier Mitglieder Gläubige sind, zeigt er dann exemplarisch, wie das gelingen kann.

Obwohl jeder Fehler, den die Band in den letzten zwanzig Jahren gemacht hat, öffentlich bekannt wurde, hat U2 sachkundig ein Gesamtwerk geschaffen, das sich aus den besten Traditionen der modernen Musik speist und dem sie etwas Einmaliges hinzufügt. Ihre Musik trägt eine Vision in sich, die eindeutig in der Bibel verwurzelt ist. Mehr als jede andere Band haben sie Gott, Jesus, die Bibel und eine christliche Weltanschauung auf die Tagesordnung gezwungen.

Doch Steve Turner beschränkt sich nicht auf die Musik oder U2 in diesem Buch. »Imagine« stellt Künstler aus allen Bereichen des kreativen Schaffens vor, mit ihren Stärken und ihren Schwächen, ihren Erfolgen und ihren Niederlagen. Das Buch inspiriert, macht Mut und öffnet Wege aus der frommen Sackgasse. Und das ist auch gut so.

Mein Fazit: Sowohl für Kunstschaffende als auch für Kunstinteressierte eine Fundgrube voller einmaliger Inspirationen und Impulse. »Das Evangelium macht für die Menschen mehr Sinn, wenn sie es gelebt sehen, statt es nur zu hören.« Dieses Buch zeigt, wie das gelingen kann.

Steve Turner: Imagine
Taschenbuch, 144 Seiten
Euro 9,80
ISBN 3-935992-17-3
Erhältlich bei: Down to Earth, Berlin