Kerstin Hack: Glaube ist Kommunikation

Mit Gott im Gespräch

Zum Glauben gehört mehr als das Bejahen von theologischen Positionen. Wir treten in eine persönliche Beziehung zu Gott, der sich einen lebendigen, authentischen Dialog mit uns wünscht. „Kerstin Hack: Glaube ist Kommunikation“ weiterlesen

Kerstin Hack: Das letzte Wort

Man(n) sagt, dass Frauen immer das letzte Wort haben müssen. Das ist biblisch. Es ist für uns Frauen durchaus in Ordnung, dass Gott das erste Wort in der Bibel hat (da gab es uns ja auch noch nicht) – solange wir ab und zu das letzte Wort haben dürfen. „Kerstin Hack: Das letzte Wort“ weiterlesen

Kerstin Hack: Fragen und Entdeckungen

Gute Fragen finde ich klasse. Es gibt kaum ein größeres Kompliment, das man mir machen kann, als zu sagen: „Das war eine gute Frage!“ Die besten Fragen sind Fragen, bei denen der Gefragte tief und gut überlegen muss und beim Antworten etwas Neues über sich selbst entdeckt, was er vorher nicht wusste. „Kerstin Hack: Fragen und Entdeckungen“ weiterlesen

Kerstin Hack: Hunger. Strategien, satt zu werden.

Drei Tage nach Weihnachten und all seinen Leckereien, mit einer heißen Tasse Tee vor mir und einem Teller mit Weihnachtsplätzchen neben mir über „Hunger“ zu schreiben, ist eine mittlere Herausforderung. „Kerstin Hack: Hunger. Strategien, satt zu werden.“ weiterlesen

Kerstin Hack: Die Geschichte einer Erlösung

Sie hatte die Geschichte von der Herkunft ihrer Familie schon so oft gehört, dass sie sie auswendig kannte. Sie hatte es satt, immer wieder das tragische Schicksal der Töchter Lots vor Augen gemalt zu bekommen. „Kerstin Hack: Die Geschichte einer Erlösung“ weiterlesen

Roman Glauben: @vent – ein virtueller Kalender

Kinder lieben Adventskalender. Jeden Tag ein Türchen. Jeden Tag ein kleines Geschenk. Wenn wir ganz ehrlich sind, fänden wir es auch als Erwachsene schön, mit kleinen Geschenken durch die Adventszeit begleitet zu werden. Denn zunehmend verschwindet der Advent als eine Zeit der Vorbereitung, der Einkehr und der Begegnung aus unserem Alltag und wir stolpern unvorbereitet und atemlos in die Weihnachtstage. Mit @vent kann das anders werden.

So geht es
24 Menschen finden sich zu einer adventlichen Mail-Gemeinschaft zusammen. Einer organisiert den Verteiler und legt fest, wer an welchem Tag dran ist, die anderen zu inspirieren.

Der oder diejenige, die an einem bestimmten Tag dran ist, schickt eine Mail mit einem Gedicht, einem Text, einem Zitat oder einer (persönlichen) Geschichte, die einen Bezug zur Stille und zur Adventszeit haben und einigen persönlichen Grüßen rechtzeitig an den Organisator. Der versendet es dann an alle. So erhält jeder der 24 Beteiligten täglich die Möglichkeit, am Erleben eines anderen Menschen teilzuhaben, sich inspirieren zu lassen und sich so selbst auf Weihnachten vorbereiten zu können.

Variationen
– @vent für Gruppen
Es ist auch möglich, @vent mit einer kleineren Gruppe von Menschen zu machen, etwa einem Hauskreis, einer Gesprächsgruppe – dann kommt eben jeder mehrfach dran.

– @vent in der Familie
In einer Familie kann man den Adventskalender auch aus Papier machen. Das Familienmitglied, das dran ist, hängt den gewählten Text an eine Wäscheleine oder liest ihn den anderen Familienmitgliedern vor.

– @vent zu anderen Zeiten
Man kann @vent auch zu jeder anderen Zeit durchführen: Fasten- und Passionszeit, Stille-Wochen in der Gemeinde usw. Die gemeinsam gelesenen Texte stärken die Verbundenheit und das Miteinander.

Idee: Roman Glauben
Weiterführende Bearbeitung: Kerstin Hack

www.down-to-earth.de

Günter J. Matthia: Rezension zu »Gut kommunizieren«

»Warst du schon auf der Bank?«, fragt er sie. Eine scheinbar harmlose Frage, die bei ihr Unerwartetes auslöst: »Glaubst du, ich hätte gar nichts zu tun?!«
Wir haben den Tonfall des Mannes nicht gehört und können somit nicht entscheiden, ob die Frage sachlich oder vorwurfsvoll klang. Sie bewertete es auf jeden Fall als Angriff und geht in die Defensive.

Vieles, was im Zusammenleben von Menschen, sei es nun im privaten oder beruflichen Umfeld, schief gehen kann, hat eine Menge mit Kommunikation zu tun. Es gibt daher nicht ohne Grund zahlreiche Ratgeber, Kurse, Seminare, Bücher und andere Medien, die dabei helfen sollen, Kommunikationsfehler zu vermeiden.
Das obige Zitat stammt aus einem solchen Werk, das einen sehr gelungenen Ansatz bringt: Mit nachvollziehbaren Beispielen aus dem Alltag gelingt der Einstieg in die 28 Einzelthemen leicht, da wohl die meisten Leser sich an ähnliche Erlebnisse erinnern können.
Dadurch gelingt es der Autorin, die sich übrigens durch einen ausgesprochen lebendigen und daher gut lesbaren Stil auszeichnet, das Sachthema geradezu unterhaltsam zu machen, ohne dass es dabei verflachen würde.

Als ich meiner Schwiegermutter Urlaubsbilder zeigte, meinte sie bei einem Foto: »Der Rock ist dir aber zu eng!« Erst stritt ich das ab, doch dann schaute ich genauer hin:
Das Wickelband meiner Bluse hing seitlich über dem Rock und es sah so aus, als wäre der Reißverschluss aufgeplatzt!

So beginnt beispielsweise ein Beitrag über die Selbstwahrnehmung – und die ist in der Tat sehr prägend für die Art und Weise, wie wir mit anderen Menschen kommunizieren. Es schadet überhaupt nichts, sich selbst in Frage zu stellen – auf die richtige Weise natürlich. Selbstüberschätzung macht lächerlich:

Neulich erzählte ein Mann im Fernsehen, er hätte geweint, als er feststellte, dass er wie Elvis singen könne. Als er eine Kostprobe seines Könnens gab, waren die Zuschauer den Tränen nahe – vor Lachen.

Mangelndes Selbstwertgefühl dagegen ist nicht weniger schädlich:

Francis Galton lebte vor etwa 100 Jahren in London und machte einmal folgenden Versuch: Er redete sich bewusst ein, er sei der meistgehasste Mann Englands.
Danach machte er seinen gewohnten Spaziergang. Aber an diesem Tag war alles anders: Passanten riefen ihm Schimpfworte zu oder wandten sich voll Abscheu von ihm ab. Er wurde angerempelt und fiel hin. Ein Pferd schlug aus und traf ihn. Wieder ging er zu Boden und die Schaulustigen ergriffen Partei für das Pferd.

Zu jedem Kapitel gibt es ein prägnantes Zitat, einen anregenden Denkanstoß, eine provokante Frage und einen praktischen Handlungsimpuls. So wird dieses Quadro, wie der Verlag das Format nennt, zu einem im wahrsten Wortsinn praktischen Begleiter, den man immer wieder zur Hand nehmen möchte und wird. Es sei denn, man ist nicht daran interessiert, sich mit seiner Umgebung so gut wie möglich auszutauschen.

Die Autorin Damaris Graf ist Diplom-Pädagogin und als freiberufliche Seminarleiterin in unterschiedlichen Organisationen tätig. Man merkt beim Lesen, dass sie mit Herz und Seele bei der Sache ist: Anderen dabei helfen, Kommunikationsprobleme aufzuspüren, zu beseitigen und dadurch zu einem sehr vielversprechenden neuen Ansatz im Zusammenleben und -arbeiten zu gelangen.

Mein Fazit: Unterhaltsam und praktisch, lebendig geschrieben und auch graphisch liebevoll gestaltet. Mir hat das Buch an einigen Punkten die Augen geöffnet – man lernt eben nie aus. Und das ist auch gut so. Vieles ist sofort umsetzbar, der Erfolg zeigt sich häufig schon bei der nächsten Begegnung mit einem Mitmenschen. Die 4 Euro sind eine Investition, die ganz erheblichen Gewinn bringen wird.

ISBN 978-3-935992-62-6
40 Seiten, 4 Euro.
Zum Beispiel direkt beim Verlag: Gut kommunizieren. Training für bessere Beziehungen

(Rezension zuerst erschienen am 18.04.2009 auf dem Blog von G.J.Matthia)

Kerstin Hack: Unverschämt glücklich

Zwei Menschen, die sich lange nicht gesehen haben, treffen sich.
»Wie geht es dir?«
»Naja, ganz gut, aber auf Arbeit gibt es Probleme, die Kinder sind gerade in einer stressigen Phase, na ja, ich kann nicht klagen, aber … und wie geht es dir?«
»Danke, mir geht es blendend.«
Schweigen. Sprachlosigkeit. Keine Rückfragen.

Unsere Gesellschaft befindet sich in einem merkwürdigen Zustand. Alle streben nach Glück. Sie kämpfen in ihren Jobs, arbeiten hart an ihren Beziehungen, besuchen Erziehungsseminare, Weiterbildungen, Workshops für ausgeglichenes Leben und mehr Gelassenheit, aber keiner scheint tatsächlich zu glauben, dass ein fröhliches und zufriedenes Leben tatsächlich phasenweise möglich ist. „Kerstin Hack: Unverschämt glücklich“ weiterlesen

Kerstin Hack: Wenn Gott Berliner Türkisch spricht Oder: Eine Lektion in Gelassenheit

Es war ein schöner Abend gewesen. Gemeinsam hatten wir als Hausgemeinde gegessen und uns von dem erzählt, wie wir in der vergangenen Woche Gott erlebt hatten. Wir berichteten von unseren Herausforderungen und Chancen und beteten füreinander. Nach einem gelungenen Abend im Berliner Stadtteil Neukölln nahm meine beste Freundin mich im Auto mit in den Westen der Stadt, wo ich wohne. Wir kamen nicht weit. Schon nach wenigen Minuten irritierte uns ein merkwürdig laut klopfendes Geräusch und das Empfinden, dass das rechte Hinterrad nicht mehr rund lief. Ein Platten? Das hätte gerade noch gefehlt. Wir stiegen aus, aber der Reifen schien in Ordnung. „Lass uns Markus anrufen!“ Der einzige Mann in unserer Hausgemeinde und begabter Handwerker war auch gerade auf dem Heimweg, er konnte nur wenige U-Bahn Stationen von uns entfernt sein.

Dennoch verwarfen wir den Gedanken und versuchten nochmals loszufahren. Was konnte das nur sein? Federbruch bei einem fast neuen Auto? Wir hielten nochmals an. Jetzt, wo der Reifen anders stand, konnte ich sehen: eine dicke Schraube hatte sich in den Mantel gebohrt und stand etwa 1,5 cm nach oben raus. Kein Wunder, dass der Reifen nicht rund lief und laute Geräusche verursachte.

Wir fuhren zur nächsten Tankstelle und baten den Tankwart um Hilfe beim Reifenwechel, da wir beide keine – oder ich nur sehr missglückte Erfahrungen damit hatten. „Geht nicht, muss arbeiten, bin alleine hier.“ Vor der Tür standen zwei junge solariumgebräunte Türken mit schickem Haarschnitt. Einer von beiden polierte sein schickes silberglänzenes Auto. „Könnt ihr uns helfen den Reifen zu wechseln?“ fragte ich.

Es gibt Zeiten, da ist es mir wichtig, klarzumachen, dass ich als Frau durchaus auch Dinge beherrsche, die traditionell als reine „Männersache“ gelten. Nachts um halb elf im Winter in Neukölln gehört nicht zu diesen Zeiten. Einer der Männer polierte weiter, der andere sagte:„Erst mal gucken!“

Er sah sich den Reifen an und erklärte uns, dass der noch völlig in Ordnung sei. „Da ist noch voll Luft drin. Geht morgen zum Reifenhändler. Kein Problem. Die Schraube ist oben, nicht an der Seite. Der Reifenhändler kann das so rausmachen, dass der Reifen nicht kaputt geht. Kein Problem.“ Und jetzt? Wollte er uns tatsächlich vermitteln, wir sollten mit dem Auto, so wie es war, weiterfahren? „Ja, kein Problem. Ich hab das auch mal gehabt. Gar kein Problem.“ „Auch Autobahn?“ „Kein Problem. Könnt weiterfahren. Kein Problem.“

Wir folgten seinem Rat, fuhren glücklich über diese Lösung über die Stadtautobahn nach Hause. Da sich die Schraube durch den Widerstand am Fahrbahnbelag immer weiter abrieb, wurde das Klopfgeräusch auch zunehmend leiser und melodischer. Wir waren froh, Auto fahren zu können und nicht spätabends umständlich mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Hause fahren zu müssen. Und dankbar, dass gerade zwei türkische Männer an der Tankstelle waren, die sich auskannten – genau die richtigen für unser Problem.

Als wir so ruhig dahinfuhren erinnerte ich mich an etwas, was meine Freundin mir am Tag zuvor erzählt hatte. Sie hatte beim Beten ein Schaf gesehen, das sich in einem Dornstrauch verfangen hatte. Die Dornen hatten sich zum Teil tief im Fell und im Fleisch verhakt. Jesus hob das Schaf nicht einfach heraus – das Risiko weiterer Verletzungen wäre zu groß gewesen. Statt dessen zog er liebevoll und vorsichtig eine Dorne nach der anderen heraus, bevor er das Schaf in die Arme nahm und aus dem Gestrüpp hob.

Ich hätte das wahrscheinlich anders gemacht. Wenn ich ein Problem in mir oder anderen sehe, dann will ich es anpacken und lösen. Gleich und sofort. Das ist meist gut, sinnvoll und befreiend, manchmal auch unangemessen, wenn Dinge noch verhakt und verkantet sind, und richtet dann mehr Schaden an, als dass es nützt.

Manchmal ist es – wie an der Tankstelle – einfach nicht der richtige Zeitpunkt und der richtige Ort, um ein Problem etwa sofort zu lösen. Vielleicht fehlt das Spezialwerkzeug. Oder die Fachkenntniss. Oder schlicht und ergreifend mehr Licht. Es könnte auch sein, dass es in dieser Situation zu viel Zeit und Energie kosten würde, das Problem gleich zu lösen – so wie wir an diesem Abend erst Stunden später nach Hause gekommen wären, hätten wir versucht, die Sache gleich in Angriff zu nehmen.

In solchen Situationen ist es möglicherweise die bessere Strategie, mit einer Schraube im Reifen erst mal weiterzufahren. Im übertragenen Sinn kann das bedeuten, mit einem Problem, das sich verkapselt hat, so lange zu leben, bis sich ein guter Ort und ein guter Raum dafür finden, es zu lösen. Natürlich nicht für immer. Ich kenne Menschen, die mit so vielen festgeklemmten „Schrauben“ herumfahren, dass ihr ganzes Leben unrund läuft. Das macht wenig Sinn. Genauso wenig, wie alles immer sofort lösen zu müssen.

Ich erlebe es immer wieder, dass Gott mich, wenn er mich etwas lehren möchte, mir Sätze ins Gedächtnis ruft, die ich schon einmal gehört habe. Ich kann mir vorstellen, dass er mich, falls ich mal wieder auf die Idee kommen sollte, alles unbedingt sofort lösen zu müssen, sanft und zart daran erinnert, dass das nicht immer die richtige Strategie ist. Möglicherweise spricht er dabei mit dem sanftem Akzent von Berliner Türken zu mir „Kein Problem. Kannst weiterfahren. Auch Autobahn. Kein Problem!“

Zuerst veröffentlicht im Magazin THE RACE. Die christliche Zeitschrift zum WEITER denken im Jahr 2008. Mit freundlicher Genehmigung.