Widerstand in Berlin. Wie gezieltes Gebet konkrete Veränderungen auslöst

Jahrelang konnte man in Berlin immer wieder Christen klagen hören: „Der Boden ist hier so hart! Der Himmel über Berlin ist sooo verschlossen!“ Jeder schien das als gegebene Tatsache hinzunehmen. Doch in den letzten Jahren hat sich einiges geändert. Immer mehr Gebetsgruppen und Gebetsinitiativen formieren sich. Sie beten konkret für Veränderung. Und – Gott antwortet! Einige dieser Gebetszeiten habe ich selber miterlebt (in dem Fall schreibe ich von „wir“); von anderen haben mir befreundete Beter erzählt.

 

Wenn der Funke nicht überspringt …

Sommer 1998: Was taten wir hier eigentlich? Leise vor uns hinmurmelnd, gelegentlich auch laut betend liefen wir durch den Nieselregen, während uns aus dem Berliner Olympiastadion die Klänge von „Sympathy for the devil“ (Sympathie mit dem Teufel) und andere Hits der Rolling Stones entgegen dröhnten. Was war geschehen? Durch einen Zeitungsartikel waren wir auf die „Bridges-to-Babylon“-Tournee der Stones aufmerksam geworden. Im Internet konnte man nachlesen, dass das erklärte Ziel dieser Tour war, spirituelle Brücken nach Babylon zu bauen. Bei aller Liebe zu professioneller Musik – aber Sympathie mit dem Teufel und Brücken nach Babylon waren das Letzte, was wir in Berlin haben wollten.

Also informierten wir andere Christen und baten um Gebet. Am Abend des Konzertes beteten wir vor allem für zwei Anliegen: 1. Dass die Leute bei Liedern der Hingabe an okkulte Mächte nicht mitsingen würden. 2. Dass bei dem Konzert der „Funke“ nicht überspringen würde. Fasziniert lasen wir am nächsten Tag  in der „Berliner Zeitung“ über den Leadsänger der Stones: „Keith Richards stand alleine im Regen und versuchte vergeblich, das Publikum zum Mitsingen zu bewegen. Der Funke wollte einfach nicht überspringen!“

Die Gebetsbrücke

Mai 1998: Viele Fürbitter empfanden, Berlin sei wie eine „belagerte Stadt“, die dringend Hilfe von außen brauche. Gott hatte uns den Impuls gegeben, eine Initiative „Gebetsbrücke für Berlin“ (in Anlehnung an die „Luftbrücke“ 1948 – 1949) zu starten und Teams aus aller Welt nach Berlin einzuladen, um uns geistlich Beistand zu leisten. Ein Pastor aus Norwegen hatte in seiner Stillen Zeit einen Hilferuf aus Deutschland gehört: „Komm herüber und helft uns!“ Er  wusste nicht, was das bedeuten sollte. Einige Wochen später fand er in einer christlichen Zeitschrift in Norwegen einen Artikel über die Gebetsbrücke mit deren Motto als Überschrift: „Kommt herüber und helft uns!“ Ein Team aus seiner Gemeinde kam – es kamen aber auch Gebetsgruppen sowie einzelne Fürbitter aus England, USA, Kanada, Deutschland, Norwegen, Australien, Sri Lanka, Indien, dem Libanon, der Schweiz, Malaysia, Südafrika …

Plötzliche Einigung

Winter 1998/99: Die Bundesregierung hatte beschlossen, ein Mahnmal für die ermordeten Juden zu bauen. 10 Jahre (!) lang konnte man jedoch keine Einigung darüber finden, wie dieses Denkmal aussehen sollte. Eine kleine Gruppe von Fürbittern ging zu dem Gelände, um vor Ort für eine Lösung zu beten. Es war ihnen aufgefallen, dass auf eben diesem Gelände Goebbels‘ Villa gestanden hatte, und dass sich auch Hitlers Bunker in der näheren Umgebung befand. Ihnen wurde klar, dass es dort offensichtlich  noch einiges an „geistlichen Altlasten“ gab. So bat diese Gruppe von Betern Gott um Vergebung für alles Unheil, was von diesem Ort ausgegangen war. Vier Tage später lautete die Schlagzeile in mehreren Zeitungen: „Plötzliche Einigung beim Streit ums Holocaust-Mahnmal“. Mehrere Journalisten bemerkten erstaunt, dass es keine Erklärung dafür gab, warum plötzlich ein Konsens gefunden werden konnte…wir lasen es und schmunzelten…eine Erklärung hatten wir schon.

Die Stimmung ändert sich

Frühjahr 1999: Die Berliner sind nicht allzu glücklich darüber, dass nun die Bonner –

und mit ihnen auch Diplomaten und ihre Corps aus aller Herren Länder – nach Berlin kommen werden. Die Stimmung ist sehr gemischt. Beim „Stadtgebet“ und in Gebetsgruppen sprechen wir immer wieder aus, dass wir die Neuberliner in „unserer“ Stadt willkommen heißen. Nur kurze Zeit darauf wird die Initiative „Welcome Home“ von engagierten Berlinern gestartet. Die Initiative will durch Infos, Radiosendungen und vor allem durch Beteiligung der Bevölkerung dazu beitragen, dass die Diplomaten und ihre Teams sich in der Stadt bald heimisch fühlen. Es ist die weltweit erste Initiative dieser Art! Mehr als 2000 Berliner bewerben sich als „Berlin-Botschafter“. Die Stimmung verändert sich!

Moderne Form des Götzendienstes 

Silvester 2000: Zur Jahreswende 2000 war ein riesen Lichtspektakel an der Berliner Siegessäule geplant. Die Siegesgöttin Nike sollte von Dutzenden von Scheinwerfern angestrahlt werden und so das neue Jahrtausend einleiten. Wir empfanden das als eine moderne Form des Götzendienstes und begannen zu beten. Plötzlich häuften sich die Leserbriefe, die sich gegen das Projekt aussprachen, weil es zu sehr an Hitlers (!) Lichtinstallationen erinnern würde! Das Ergebnis war, dass das Konzept geändert werden musste und die Installation viel von ihrem „sakralen Charakter“ verlor. Am Silvesterabend herrschten gute Sichtverhältnisse, doch kurz vor Mitternacht zog plötzlich so dichter Nebel auf, dass die Lichtshow nicht – wie ursprünglich geplant – 70 km weit zu sehen war, sondern nur wenige hundert Meter. Die geladenen Gäste im nur 300 m Luftlinie entfernten Reichstag dachten, dass der Strom ausgefallen sei, weil sie nichts sehen konnten.

Die Polizei riegelt ab

April 2000: Neonazis wollen die rechte Szene neu aktivieren. Sie organisieren Demos und wollen mit Hitlergruß durchs Brandenburger Tor. Die erste Demo haben wir Beter verschlafen, aber vor der zweiten Demo beteten wir vor allem, dass sie nicht durch das Tor ziehen werden (aus geistlichen Gründen sowie wegen der Publikumswirksamkeit). Die Folge: Die Polizei riegelte aufgrund einer anderen Demo das Brandenburger Tor hermetisch ab – keiner kommt durch!

Begegnung auf Augenhöhe

Mai 2000: „Die Mauer ist weg, aber die Mauer in den Köpfen ist immer noch da!“, war immer wieder in der Zeitung zu lesen. Das bewegte uns dazu, den „Mauergebetsmarsch“ durchzuführen. Christen aus den verschiedensten Gemeinden Berlins wandern von Oktober 1999 bis Mai 2000 die Strecke der ehemaligen Mauer (155 km) in Etappen ab. Wir beteten für Einheit im Herzen zwischen Ost- und Westdeutschen sowie zwischen Christen verschiedener Prägungen. In der politischen Szene bewegte sich viel. Plötzlich sprach man von „Begegnung auf Augenhöhe“ zwischen Ost und West, eine Ost-Frau rückte an die Spitze der CDU, die Stimmung in der Brandenburger Bevölkerung, die früher eine Fusion mit Berlin entschieden (mehr als 90% dagegen) abgelehnt hatten, wandelte sich. Mehr als 60% können sich mittlerweile einen Zusammenschluss mit Berlin vorstellen.

Alternativen zur Love Parade

Mai 2000: Jedes Jahr kommen hunderttausende von Jugendlichen zur Love Parade in die Stadt, um bei Techno, Drogen und Sex Erfüllung zu finden. Viele Christen beteten, dass Gott eine „geistliche Alternative“ zur Love Parade starten würde. Voller Dankbarkeit lasen wir die Artikel der Berliner Presse über den Jesus-Tag. Eine kleine Auswahl der Überschriften: „Die Love Parade der Gläubigen“, „Ein Vorgeschmack auf den Himmel“, „Die Demo des Lächelns“ „Jesus Christus ist voll cool“…

Jugendliche fasten und beten

Juni 2000: Viele Gebetsgruppen entschließen sich, besonders für geistliche Erneuerung bei der Jugend Berlins zu beten. Und Gott antwortet. Wir erleben: Neue Dienste und Gemeindegründungen mit Schwerpunkt Jugend kommen in die Stadt. Viele Jugendgruppen berichten davon, dass sich die Freunde der „Gemeindekinder“ auf einmal Jesus zuwenden. Jugendliche treffen sich zum Fasten und Beten. Einige der Jugendlichen können an ihrer Schule einen Gottesdienst veranstalten und dort von ihren Erfahrungen mit Jesus erzählen. Jugendgebetskonzerte finden statt, zu denen junge Menschen aus dem ganzen Spektrum christlicher Gemeinden in Berlin zusammenkommen. Sie sind kaum zu bremsen, beten für ihre unbekehrten Freunde, für Leiter in der Stadt, für geistliche Aufbrüche. Mehr als 200 Jugendliche singen und beten gemeinsam und erwarten gespannt, wie unser starker und mächtiger Gott auf ihre und unsere Gebete antworten wird!

 

Leicht bearbeitete Fassung eines Artikels, der zuerst 2000 in der Zeitschrift Der Auftrag erschien. Mit freundlicher Genehmigung.

 

Büchertipps zum Thema:

 

Kerstin Hack, Axel Nehlsen u.a.: Beten für unser Land. Impulse für segenendes Gebet.

Impulsheft, 2,50€ Direkt zu bestellen beim Down to Earth-Shop.

 

 

Kerstin Hack: Draußen beten. Impulse zum Gebet im Freien.

Impulsheft, 2,50€. Direkt zu bestellen beim Down to Earth-Shop.

 

 

 

 

 

 

Kerstin Hack: Gebet auf Berlins Straßen. Protokolle vom 30. April und 1. Mai 2006

Es ist wieder soweit. 1. Mai in Berlin. Linksradikale, Autonome und andere Gruppierungen, die ihrem Ärger und ihren Forderungen lautstark und zur Not auch gewaltsam Ausdruck verleihen wollen, schmieden Pläne für ihren 1. Mai. „Kerstin Hack: Gebet auf Berlins Straßen. Protokolle vom 30. April und 1. Mai 2006“ weiterlesen