Existierst du noch – oder lebst du schon? Kerstin Hacks: SPRING. Hinein ins volle Leben

hack_kerstin-spring„Ich lebe und ihr sollt auch leben“. Die Jahreslosung 2008 aus Johannes 14, 19 ist zum Leitmotiv des neuen Buches von Kerstin Hack geworden. „Existierst du noch – oder lebst du schon? Kerstin Hacks: SPRING. Hinein ins volle Leben“ weiterlesen

Kerstin Hack: Acht Impulse für mehr Lebendigkeit und Leuchtkraft

Unsere Ausstrahlung hängt stark von unserer körperlichen und geistigen Verfassung ab. Konzentrieren wir uns also auf unsere Lebendigkeit – dann kommt das Leuchten fast von allein!

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Kerstin Hack: 10 Fitness-und Ernährungstipps

Gesund, fit und stark zu sein und möglichst lange und energievoll zu leben – das wünschen sich die meisten Menschen. Aus dem unübersichtlichen Dschungel der Gesundheits-Tipps und Ratgeber habe ich die 10 zusammengestellt, die ich für am effektivsten und hilfreich halte.

Inspiriert haben mich neben der Anti-Aging Forschung, die untersucht, welche Faktoren langes und gesundes Leben begünstigen, vor allem die Insulin-Trennkost („Schlank im Schlaf“), weil die Bauchspeicheldrüse für den große Teile des Stoffwechsels zuständig ist und sich bei falscher Behandlung mit zu hohem Insulinausstoß (-> Fett auf den Hüften, Schlappheit usw.) und zu hohem Cholesterin mit allen sonstige Begleiterscheinungen rächt.

ERNÄHRUNG

1. Morgens nur Kohlenhydrate (Brot, Müsli) – Mittags gemischte Kost – Abends viel Eiweiß (Fleisch, Fisch, Käse) + Gemüse

Wer sich so ernährt, hat genug Kraft und sorgt dafür, dass es zu keinem überhöhten Insulinausstoß kommt. Der Stoffwechsel funktioniert gut und der Körper bleibt (oder wird) schlank.  In der Nacht kann der Körper Fett verbrennen (daher „Schlank im Schlaf“). Das funktioniert jedoch nur, wenn er Abends keine Kohlenhydrate mehr bekommt (Kartoffeln, Brot, Reis, Nudeln, Zucker, Obst(zucker), Süßes), denn das blockiert die nächtliche Fettverbrennung für bis zu 5 Stunden!

Wichtig: Beim Frühstück auf tierische Eiweiße (Milch, Butter, Joghurt) verzichten oder durch Soja oder Sahne (ist auch ok) ersetzen.

2. Zwischen den Mahlzeiten 5 Stunden Pause

Damit die Nahrung gut verarbeitet werden kann und die Bauchspeicheldrüse sich gut erholen kann, braucht sie fünf Stunden Pause zwischen den Mahlzeiten. Also: Keine Zwischenmahlzeiten. Das ist Anfangs hart, aber nach 2 oder 3 Tagen verschwindet der Heißhunger auf Süßes vollkommen.

Wichtig: Zwischen den Mahlzeiten nur Wasser oder ungesüßte Tees. Keine Kalorien in Form von gesüßten Getränken, Milch im Tee oder Kaffee oder Fruchtsäften (Apfelsaftschorle etc.) Ein Glas Wein oder Bier Mittags oder am Abend ist ok, sollte aber nicht mehr sein.

3. „Böse“ Kombinationen meiden

Wenn man bestimmte Lebensmittel miteinander kombiniert, reagiert der Körper mit viel höherem Energieausstoß, als wenn man sie einzeln isst. Besonders böse: Kombination von tierischem Eiweiß (Butter, Milch, Fleisch) mit Kohlehydraten (Zucker, Nudeln, Reis, Kartoffeln). Die haben, wenn man sie kombiniert, bis zu 40 Mal (!!!) mehr Kalorien als bei Aufnahme zu verschiedenen Mahlzeiten.

4. Kalt vor warm

Beim Abkühlen wandeln sich 15% der Kohlehydrate in unverdauliche (= 0 Kalorien) Stärke um. Kartoffel- Nudel- oder Reissalat hat also 15% weniger Kalorien, als die gleiche Kombination von Lebensmitteln warm gegessen).

5. Naturbelassen vor weiterverarbeitet

Bei jedem Verarbeitungsschritt z. B. Braten, Kochen verlieren Lebensmittel Vitamine und erhalten im Gegenzug dazu meist zusätzliche, oft versteckte Kalorien zugeführt: Fette, Geschmacksverstärker. Lebensmittel also so roh, natürlich und unbehandelt wie möglich essen.

6. Süsskram meiden

Süßigkeiten sorgen dafür, dass der Blutzucker extrem schnell und extrem stark steigt – was dazu führt, dass der Körper viel Zucker in die Zellen packt – auch in die Fettzellen. Der Blutzucker sinkt aber auch eben so schnell wieder ab – wir werden schlapp und müde – und die nächste Heißhungerattacke kommt. Was kleines Süßes nach dem Mittagessen ist ok. Aber nicht zwischendurch oder gar Abends.

7. Vor dem Essen Wasser trinken

1 – 2 Gläser Wasser vor dem Essen dämpfen nicht nur den Heißhunger, sondern sorgen durch die „Pumpleistung“, die der Körper erbringen muss für Energieverbrauch – allein das führt das zu ca. 5 kg Gewichtsverlust pro Jahr.

BEWEGUNG

Gut: Die vielen Gelegenheit nutzen, die der Alltag für Bewegung bietet. Die Einkauf- oder Mülltüten so tragen oder schwingen, dass die Arme gestärkt werden.  In der Warteschlange Po- und Bauchmuskeln anspannen oder mit den Füssen wippen, an der roten Ampel Nacken lockern, Treppen steigen, beim Telefonieren oder Zähneputzen auf den Zehenspitzen stehen oder wippen…

Daneben recht regelmäßig gezielt intensivere Bewegung einplanen.

8. Morgens Ausdauer – Nachmittags Krafttraining

Sport ist immer gut. Aber wer abnehmen möchte, sollte Sport mit möglichst großem Abstand zur letzten Mahlzeit machen. Dann sind keine Zuckerreserven mehr im Blut und der Körper holt sich die Energie von den Stellen, von denen man es sich wünscht: den kleinen oder größeren Fettdepots.  Ideal: Leichter Ausdauersport am Morgen vor dem Frühstück (Joggen, Radeln, Nordic Walking, Tanzen, Trampolin-Springen). Und Krafttraining vor dem Abendessen.

Wichtig: Nichts vor dem Sport essen (oder nur dann, wenn man Leistungssportler ist und kein Gramm Fett am Körper hat und beim Sport die Gefahr besteht, Muskelmasse zu verlieren).

Extratipp: Der Körper braucht zum Fettabbau Vitamin C.  Orangensaft oder eine Vitamin C Brausetablette vor dem Sport verstärkt das Schmelzen der Polster.

9. Muskeln aufbauen

Jedes Kilo Muskeln, das man hat oder neu aufbaut, führt zum Verbrauch Kalorien – selbst im Ruhezustand (ca. 1 – 2 Kilo im Jahr). Es lohnt sich schon dafür, einige schwache Körperpartien zu stärken – neben allen gesundheitlichen Aspekten, die ein starker Rücken und Körper mit sich bringt.

ZUSATZSTOFFE

10. Dem Körper Spurenelemente, Mineralien und Vitamine schenken

90% aller Deutschen haben zu wenig Chrom, der Stoff, der für guten Stoffwechsel und effektive Verbrennung sorgt. Das führt zu Übergewicht und kann auch zu Stress in der Bauchspeicheldrüse (Cholesterin, Insulin) bis hin zu Insulinresistenz (Alterszucker) führen. Ausreichend Chrom sorgt auch dafür, dass man bis zu einem Drittel länger lebt – zumindest wenn man eine Ratte ist. (Bei Menschen gibt es noch keine Testergebnisse.)

Den meisten Menschen fehlen auch weitere Spurenelemente, sowie Vitamine für Immunabwehr, Fettverbrennung, Denken, Abwehr und Haut.  Obst verliert schon nach 2 Tagen Lagerung 50% der enthaltenen Vitamine. Es sei denn, man ist Biobauer und holt sich alle Lebensmittel direkt aus dem eigenen Garten, kann man sich in unserer heutigen Ernährungsweise nicht ausreichend mit Vitaminen versorgen. Es macht Sinn, den Bedarf mit einem sehr guten Vitamin-Spurenelemente Kombi-Präparat aus der Apotheke zu ergänzen. Wichtig für alle, die schlank werden wollen: Auf hohen Chrom-, Selen- und Zinkanteil achten!

Soweit die Tipps.
Der Wichtigste zum Schluss: Das Leben genießen!

Buchtipps

Detlef Pape und andere: Schlank im Schlaf . Eine sehr gute Einführung in die Insulin-Trennkost, die sinnvoll auf Biorhythmus und Stoffwechsel abgestimmt ist – und für die es wollen, dabei hilft,  zügig, gesund und ohne Hungergefühle und Mangelernährung abzunehmen.

Dr. Med. Ulrich Strunz: Frohmedizin. Ein mit seinen 500 Seiten etwas erschlagendes „Monsterbuch“, aber ideal für alle, die wissen und verstehen wollen, was dem Körper tut, welche Vitalstoffe (Vitamine, Spurenelemente, Mineralien) er wofür braucht usw.

Vitalstoffe-Übersicht- was braucht der Körper, um gut zu funktionieren?

Immunsystem: Vitamin E, C, A, Beta-Carotin, Selen, Zink

Nerven (Gelassenheit, Freude): Vitamin B1, B6, B12, Niacin, Biotin, Calcium, Magnesium, Phosphor

Knochen: Vitamin C, D, Calcium, Magnesium, Kupfer, Phosphor

Haut, Haare, Nägel, Zähne: Vitamin A, B2, C, E, Zink, Beta-Carotin, Biotin,  Niacin, Calcium, Phosphor (Zähne)

Augen: Vitamin A, B2, Beta-Carotin, Luetin

Blut (Blutbildung): Vitamin B1, B12, K, Folsäure, Eisen, Kupfer

Herz: Vitamin B1, B6, B12, E, Folsäure, Magnesium

Hormonproduktion:Vitamin D

Schilddrüse: Jod

Muskeln, Gewebe:Vitamin B1, E, Phantothenat, Magnesium, Calcium

Zellschutz: Vitamin C, E

Energiehaushalt: Vitamin B1, B2, B12, Pantothensäure, Niacin, Magnesium, Phosphor

Stoffwechsel, Verbrennung: Vitamin B1, B3, B6, C, Chrom, Jod, Selen, Kalzium, Magnesium, Pantothenat

Kerstin Hack: 10 Zeitspartipps. Oder: Wie man Zeit sinnvoll verwendet

Zeit kann man nicht sparen. Man kann nur darauf achten, dass man sie für Dinge verwendet, die sinnvoll erscheinen, statt sie ungewollt für Dinge zu verwenden, die weniger Sinn machen.

1. Klare Prioritäten

Wer weiß, was ihm am wichtigsten ist, kann Unnötiges leichter ausfiltern. Man kann unterscheiden zwischen: Wichtig / Unwichtig und dringend / weniger dringend. Zuerst sollte erledigt werden, was wichtig und dringend ist. Dann wichtig und weniger dringend, anschließend die unwichtigen Sachen.

2. Vorher planen

Wer Abends die Ziele für den nächsten Tag und Freitags die Ziele für die nächste Woche aufschreibt, läuft weniger Gefahr, sich mit Unnötigem zu verzetteln. Wichtig dabei ist, Zeit 30 % bis 50% unverplante Zeit für Unvorhergesehenes einzuplanen.

3. Zeitbedarf einplanen

Die beste To-Do Liste nützt nichts, wenn man sie mit unrealistisch vielen Dingen füllt und am Ende frustriert ist, nicht alles geschafft zu haben, was drauf stand.
Besser: Beim Planen gleich den geschätzten Zeitbedarf dazu schreiben.

4. Die beste Zeit für das Wichtigste nutzen

Zu Beginn des Tages mit den Aufgaben beginnen, die am Wichtigsten sind. Keine Zeit mit der Beantwortung von Mails und längeren Gesprächen mit Kollegen vertrödeln, sondern diese Dinge für Zeiten aufheben, wenn die Energie und Konzentration etwas nachlässt.

5. Zeitkiller meiden

Wenn möglich, Besprechungen auf ein Mindestmaß reduzieren. Vieles kann auch anders geklärt werden, als durch langwierige und langweilige Sitzungen.

6. Energiekurve berücksichtigen

Die meisten Menschen haben Morgens, nach einer Anlaufphase ihre konzentrierteste und beste Phase des Tages. Die sollte für die anspruchsvollsten Aufgaben genutzt werden.

7. Multitasking vermeiden

Mehrere Dinge gleichzeitig zu tun, kostet erheblich mehr mentale und physische Energie, als wenn man eines nach dem anderen tut. Besser: Bei anspruchsvollen Aufgaben – so reizvoll es ist, sich ablenken zu lassen – Unterbrechungen durch Mail, Telefon, Radio etc. vermeiden.

8. Aufräumen

Wer Ordnung schafft und hält, braucht weniger Zeit als das Genie, das ständig im Chaos suchen muss. Ein guter Tipp um Ordnung zu halten ist, wann immer man eine Sache ablegt, an der gleichen Stelle zwei Dinge zu entsorgen: Unterlagen, Dateien. Wer darauf achtet, hält die Umgebung schlank und findet sich schnell zurecht.

9. Pausen machen

Nach 90 bis 120 Minuten Arbeit braucht der Körper eine Pause. Wer hier ein gutes Gefühl für die eigenen Körpersignale entwickelt und dem Körper gibt, was er braucht, sorgt dafür, dass die Energie erhalten bleibt.

10. Energiespender nutzen

Jeder Mensch kennt Dinge, die ihm neue Energie geben. Etwas Bewegung, eine Kleinigkeit zu essen, 5 Minuten die Augen zu, ein kurzes Gespräch…. Wer sich diese Energiespender gönnt, gewinnt Kraft und Konzentration – und dadurch Zeit.

www.down-to-earth.de 04/09

Kerstin Hack. Unerträglich passiv. Was kann und will ich nicht ertragen?

»Toleranz kommt von tolerare, das bedeutet ertragen.« Das hat mir mein Vater immer wieder eingebläut. Er liebte Latein und kann selbst nach zwei Saunagängen lateinische Texte noch besser übersetzen als ich in meinen besten Zeiten: »Kerstin, wo ist das Substantiv? Und das Hauptverb? Nein. Subito ist kein Verb, sondern ein Adjektiv.« »Ähm. Schwitz.«

Es ist nicht viel übrig geblieben von meinem Schullatein: »Claudia hodie in collosseo est.« »Claudia ist heute im Kollosseum.« Erste Lektion. Das weiß ich noch. Und: »mortem« heißt »gestorben«. Das kann man auf alten Grabsteinen lesen. Aber schon bei den römischen Zahlen, die die Lebensdaten der dort Liegenden beziffern, bin ich mit meinem Latein am Ende. Ziemlich magere Ausbeute für ein paar Tausend Stunden Schulunterricht und Büffeln zu Hause.

Aber »tolerare heißt ertragen« – das ist hängen geblieben. Daran denke ich immer wieder, wenn ich Diskussionen über mehr oder weniger Toleranz höre, über Mulit-Kulti und Toleranz für unterschiedliche Lebensstile.
Letztlich geht es immer um die Frage: Was können, was wollen wir ertragen? Oder ganz persönlich: Was kann ich, was will ich ertragen?

Manches ist einfach zu ertragen. Ich bin relativ gerne bereit, andere zu unterstützen und etwas für sie zu tragen oder zu ertragen, wenn eine Person es offensichtlich nicht selbst schafft.

Wenn Menschen jedoch handeln könnten und es nicht tun, dann finde ich das unerträglich. Ich hasse Passivität. Nicht die gesunde Form von Passivität, die in guter Weise mit Energiereserven umgeht. So wie Passivhäuser es tun. Passivhäuser sind so konzipiert, dass sie nicht an unnötigen Stellen Energie verschwenden, sondern vorhandene Energien optimal nutzen.

Es gibt Menschen, die sind wie Passivhäuser. Sie gestalten ihr Leben in Reduzierung auf die vorhandene Kraft, die sie bewusst für bestimmte Zwecke einsetzen. Sie powern sich nicht aus, sondern haushalten gut mit der vorhandenen Energie, Zeit und Kraft. Sie wissen klar – und bringen es auch anderen gegenüber zum Ausdruck: »Das kann ich und will ich tun. Nicht mehr und nicht weniger.« Sie mischen nicht überall mit, gehen nicht über ihre eigenen Grenzen und bleiben in manchen Dingen bewusst und entschieden passiv.

Das finde ich gut. Ich tue das auch. Ich habe mich bewusst entschieden, mich für einige wenige Organisationen, die in Berlin und Afghanistan tätig sind, einzusetzen. Die bekommen meine Energie in Form von Engagement und Geld. Anderen gegenüber bleibe ich passiv. Weil es in Berlin passieren kann, dass man an einem einzigen Nachmittag von mehr als zehn Personen gefragt wird »Haste mal n Euro«, habe ich mich entschieden, der ersten Person, die mich an einem Tag um eine Spende bittet, gerne, lächelnd und aus ganzem Herzen etwas zu geben. Den anderen nicht.

Mit meinem ehrenamtlichen Engagement mache ich es genauso: Ich entscheide mich für einige, wenige Aufgaben, die im Rahmen meiner Fähigkeiten und Kapazitäten liegen – und sage konsequent nein zu vielen anderen Möglichkeiten. Es tut mir gut, meine Zeit und Kräfte zu beschränken, nicht auf allen Hochzeiten gleichzeitig zu tanzen. Auf Anfragen kann ich so gelassen reagieren: »Danke, nein, ich engagiere mich schon an anderer Stelle!«

Das ist gesunde Passivität, die vorhandene Kraft bewusst einsetzt und Lebensenergie nicht an tausend Stellen verschwendet. Menschen, die in dieser Weise passive Stärke leben und mit Blick auf ihre Energiereserven gelassen und souverän »nein« sagen können, bewundere ich.

Die Passivität, die ich hasse, ist, wenn Menschen einfach nicht reagieren. Da tritt eine Anfrage an sie heran und sie reagieren innerlich und häufig auch verbal mit einem unverbindlichen »mal sehen«. Wer »mal sehen« sagt, sieht meist nicht wirklich hin. Echtes Hinsehen bewegt zur Entscheidung und zum klaren Handeln. Häufig bedeutet »mal sehen« aber nichts anderes als: »Ich will das nicht sehen«. Die Anfrage wird damit mental weggeschoben. Aus den Augen aus dem Sinn. Das ist so ähnlich wie mit den Papierstapeln, die sich unweigerlich in jedem Büro ansammeln, wenn man nicht gleich entscheidet, wohin man dies oder jenes tun will und es auch gleich dorthin tut.

Wenn Menschen mit etwas konfrontiert werden, das sie zum Entscheiden und Handeln auffordert und sie nicht reagieren, dann könnte ich die Wände hochgehen. Das kann ich kaum ertragen. Da komme ich mit meiner Toleranz für ihr Verhalten schnell an meine Grenzen.

Es kann sich um Mitarbeiter handeln, die mir gegenüber eine schwammige Zusage gemacht haben, etwas bis zu einem bestimmten Zeitpunkt zu tun. Die »ja« gesagt haben, aber »ich will mich nicht wirklich festlegen!« meinten. Und die dann in Funkstille versinken. Oder Menschen, die unendlich lange über etwas reden, was sie belastet, ohne je zum Punkt oder zu einer Entscheidung zu kommen. Ja, die nervigen Kollegen, die unerzogenen Kinder, die schwierige Situation im Leitungsteam. Sie reden und reden. Grübeln und denken nach. Aber bleiben passiv. Sie denken und hoffen, denken lediglich: »Irgend etwas sollte geschehen.« Aber überlegen nicht konkret, welche Anfrage die Situation an sie stellt, und sie entscheiden sich nicht: »Was will ich jetzt tun?«

Es nervt mich nicht nur, weil es meine Zeit raubt – zumindest dann, wenn ich meinen Handlungsspielraum nicht rechtzeitig nutze, um klar »Nein, das will ich mir jetzt nicht länger anhören« zu sagen. Es nervt mich vor allem deshalb, weil ich sehe, dass ein solches Verdrängungsverhalten ihre Lebenskraft immer mehr einschränkt. Letztlich führt es dazu, dass der »Mal sehen« Stapel in ihrem Leben immer größer wird. Weil sie ihn nur selten wirklich ansehen und noch seltener angehen, kaum je entscheiden: »Was mache ich jetzt damit?«

Sie geben auf die Fragen und Anfragen, vor die das Leben sie stellt, keine Antwort. Damit sind sie im wahrsten Sinne des Wortes ver-Antwortungs-los. Das Problem dabei ist: Je mehr man verdrängt, nicht beantwortet, umso schwieriger wird es, Dinge wieder ganz klar anzusehen und anzugehen. So wie mit der Ablage, die zur Qual wird, wenn der Stapel so unübersichtlich geworden ist, dass man nicht mehr weiß, was da alles liegt. Und schon der Gedanke daran, sich damit zu beschäftigen, den Blutdruck nach oben treibt und Fluchttendenzen aktiviert. Bloß weg.

Im Grunde sind die Anfragen, die das Leben an uns stellt, nichts anderes als Nahrung. Jede praktische oder emotionale Herausforderung unseres Lebens ist ein kleines Kalorienpaket, das uns vermittelt: »So, hier bin ich. Ich stell mich dir zur Verfügung, um deine grauen Zellen und dein Handeln zu aktivieren. Du kannst mich benutzen, um etwas daraus zu gestalten und durch mich stärker zu werden.«

Wenn wir auf die Anfragen des Lebens bewusst und aktiv reagieren, werden unsere »Handlungsmuskeln« immer stärker. Im Lauf der Zeit werden wir in der Lage sein, auf Dinge konstruktiv zu reagieren, die uns früher vor Angst hätten flüchten lassen.

Aber leider ist auch das Gegenteil der Fall. Wenn wir den Anfragen des Lebens immer wieder ausweichen, nicht reagieren und nicht entscheiden, sondern die offenen Fragen zur Seite schieben, auf den Stapel, den wir »irgendwann« mal erledigen wollen, dann haben sie die gleiche Auswirkung auf unser Inneres, wie unverbrauchte Kalorien auf unseren Körper: Sie sammeln sich an. Erst unmerklich. Dann immer mehr. Bis wir am Ende dick und fett und handlungsunfähig sind.

Je länger wir Dinge ungeklärt liegen lassen – egal, ob es sich um nicht getroffene Entscheidungen oder ungeklärte Anfragen oder Beziehungen handelt, umso schwerer wird es, in dem ›Wust‹ überhaupt noch durchzublicken. Unser Innerstes gleicht dann nicht mehr einem ›wohlgeordneten Garten‹, ein Bild, mit dem die Bibel das Seelenleben eines innerlich aufgeräumten Menschen beschreibt, sondern eher einem undurchdringlichen Dschungel, in dem allerlei Gefahren lauern und den man besser überhaupt nicht betritt.

Um das Dickicht aus Passivität und nicht getroffenen Entscheidungen zu roden und den Ballast, der sich auf unsere Seelen gelegt hat, loszuwerden, kann man nur eins tun: Erst einmal, so gut es geht, dafür sorgen, dass nicht noch mehr an Anfragen an uns herangetragen werden, als wir bewältigen können. Und dann Schritt für Schritt den Ballast der ungeklärten Fragen, den wir schon angesammelt haben, wieder loswerden.

Für mich geht das am einfachsten, wenn ich mir regelmäßig (täglich kurz und ab und zu länger) Zeit nehme und mich ehrlich frage. »Was belastet mich? Was schleppe ich mit mir herum? Wo habe ich nicht klar reagiert? Was habe ich verdrängt? Was will ich jetzt klar entscheiden?« Und wenn ich gespürt habe, was in mir an ungeklärten Fragen rumort, ganz konkret überlege: »Was werde ich nun tun? Was muss ich entscheiden? Wie will ich damit umgehen?«

Wenn man erstmals so eine Entschlackungskur macht, kann das eine ganze Weile dauern, bis man am Boden des passiven Ballasts angekommen sind. Das ist ein ganzes Stück Arbeit. Befreiende Arbeit.

Jede nicht getroffene Entscheidung, jedes Wegschieben hat Ballast verursacht. Und jede klare Entscheidung, die ich treffe, verwandelt diesen Ballast in Kraft. Es ist mühsam, Ballast loszuwerden und fühlt sich an, wie wenn man nach jahrelangem körperlichen Stillstand erstmals wieder joggen geht: träge und schwer, jeder Schritt eine Überwindung. Aber mit der Zeit wird das Laufen leichter, man freut sich an der neuen Energie und spürt: Ich habe Kraft.

Neben den bewussten Entschlackungszeiten versuche ich mein Leben aktiv zu gestalten und im Alltag darauf zu achten, dass es gar nicht dazu kommt, dass sich Ballast ansammelt. Ich versuche auf Anfragen, die an mich herankommen, möglichst zeitnah zu reagieren: egal ob es sich um praktische Anfragen handelt oder ob ich spüre, dass mich etwas emotional bewegt und ich innerlich eine Entscheidung treffen muss.

Ich übe mich darin, mich gleich zu entscheiden, was ich mit Dingen tun will. Das verhindert ein gutes Stück weit, dass sich emotional ›Fett‹ ansammelt und mich im Inneren immer unbeweglicher macht. Weil es so viel Leben und Lebenskraft raubt, hasse ich Passivität und Verdrängen bei mir und anderen. Und bekämpfe es bei mir und anderen so gut es geht. Am effektivsten mit der Frage: »Was willst du jetzt tun?«

Fragen zum Weiterdenken

Was belastet mich derzeit am meisten? Was will ich damit tun?

Was aus der Vergangenheit belastet mich noch? Wie will ich damit umgehen?

Will ich regelmäßige »Entschlackungszeiten« in mein Leben einbauen? Wenn ja: Wie werde ich das ganz konkret tun?

Dieser Artikel ist ein Auszug dem Buch von Kerstin Hack: »Spring. Hinein ins volle Leben« Erhältlich im Down to Earth Verlag: http://www.down-to-earth.de

Kerstin Hack: Glück – Impulse für ein reiches Leben

Möchtest du glücklich sein?
Zufrieden, lebendig, leidenschaftlich – einfach glücklich?
Dein Glück musst du nicht dem Zufall überlassen. Es wächst immer dann, wenn wir unser Leben gut gestalten. Dieses Heft gibt Anregungen für Haltungen und Handlungen, die dich glücklicher machen werden.

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