Nur Tote bleiben liegen – Gedanken über ein lebendiges Buch

Letztes Jahr hatte ich Pech. Bei einer Veranstaltung bekam jeder Teilnehmer ein Buch als Geschenk. Etwa 20 verschiedene Titel standen zur Wahl. Ich wollte Alles, außer gewöhnlich von Förster und Kreuz unbedingt haben – schon wegen des sprachwitzigen Titels. Doch ich bin ja wohl erzogen und brav. Ich wartete bis der Geschenktisch offiziell freigegeben war. Zu lange. Ein dreister, dicker Typ hatte mir das Buch schon weggeschnappt.
Das Ergebnis: Alles außer gewöhnlich führt nun die Liste der Bücher an, aus denen ich das meiste gelernt habe, ohne sie je gelesen zu haben. Meine Lektion: “Zeige offen, was dir wichtig ist und was du möchtest. Warte nicht zu lang. ” Ich habe meine Lektion gelernt.

Das neue Buch Nur Tote bleiben liegen der beiden habe ich tatsächlich gelesen. Mit Gewinn. Jedes Mal wenn ich in den letzten Wochen nach getaner Verlagsarbeit ein Kapitel las, stellte sich ein wohlig warmes Gefühl ein. Das lag zuerst einmal daran, dass meine Füße sich auf einem Massagegerät entspannten. Zum anderen am Inhalt des Buches.

Förster und Kreuz beschreiben die Eigenschaften, die ein Unternehmen braucht, um im harten Wettbewerb nicht nur zu bestehen, sondern sogar zu glänzen. Sie loben die Fähigkeit kreativ und experimentierfreudig Chancen nutzen, auf Sicherheiten zu verzichten, Kunden und Mitarbeitern Freiheit zu gewähren. Sie fordern dazu auf, die Intelligenz der vielen zu nutzen und transparent zu agieren. So wie in der schönen weiten – angesichts von Wiki-Wars zu rosarot gezeichneten – demokratischen Welt des Internets, wo jeder beitragen kann.

Innovation, Offenheit, Transparentz all das leben wir in meiner Firma. Zugegebenermaßen sind wir beim Down to Earth Verlag mit einer handvoll von Mitarbeitern noch weit davon entfernt ein großer Konzern zu sein. Doch die von den Autoren gelobten Tugenden wie Freiräume zu geben, Impulse meiner Mitarbeiter aufzugreifen und offen und transparent zu kommunizieren sind für mich als Chefin selbstverständlich. Beim Lesen jeder Seite stellte sich bei mir das erwähnte warme und wohlige Gefühl ein: Wir machen das gut!

Ich fragte mich etwas überrascht: Kann man heute eine Firma überhaupt noch anders führen? Offensichtlich schon. Die Autoren beschreiben immer wieder, wie innovationshemmend und kontrollierend es in vielen Konzernen zugeht. Gegen diese Leichengräber-Haltungen treten sie mit Sprachwitz und frischen Perspektiven an.

Auf jeder Seite spürt man ihre Leidenschaft, Dinge in Bewegung zu bringen. Sie wollen verkrustete Strukturen aufbrechen und Verantwortliche motivieren mehr Freiräume zu geben. Natürlich ganz konkret. Sie führen sie viele erfrischenden Beispiele von Firmenchefs an, die zeigen, wie es anders geht. Davon kann sich jeder Verantwortliche, der seine Firma weiter entwickeln möchte, die Scheiben abschneiden, die ihm am meisten Appetit machen. Allen Weiterkommen-Wollenden wärmstens zu empfehlen.

Nach der inspirierenden Lektüre blieben nur zwei Fragen offen:

–         Als Bestsellerautoren brauchen Förster und Kreuz sich nicht über schlechte Verkaufzahlen zu beklagen. Doch mich interessiert: Wer liest eigentlich dieses Buch? Innovative Menschen wie ich, die es eigentlich nicht unbedingt nötig haben. Denn wir gehören ohnehin zu der Generation gehören, die ohnehin nicht anders arbeiten will und kann. Oder lesen es tatsächlich die Chefs der großen Konzerne? Wenn ja, was machen sie damit? Hier würde ich sehr gern mal einem Konzernchef nach dem Kauf verfolgen und ihm bei der Lektüre über die Schulter und ins Gehirn sehen.

–         In kleinen Unternehmen wie meinen ist eine transparente und innovationsfördernde Unternehmenskultur oft eine Selbstverständlichkeit. Doch wie entwickelt man ein kleines Unternehmen zu einem großen, erfolgreichen Unternehemen, ohne die Lebendigkeit, Freiheit und Transparenz zu verlieren? Diese Frage, die die Lektüre in mir aufgeworfen hat, wird mich noch weiter beschäftigen. Vielleicht schreiben die beiden ja mal ein Buch darüber. Und wir sind dann drin. Ganz lebendig.

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Als Verlegerin macht mich die schöne Gestaltung des Buches fast grün vor Neid  – passend zum Cover. Der Campus Verlag macht das auf seine Art fast genauso schön wie wir. Dass mich das ein wenig wurmt, herausfordert und anspornt, unser Niveau zu halten und zu verbessern, muss ich ja nicht unbedingt zugeben. Oder vielleicht doch?

Kerstin Hack: 10 Zeitspartipps. Oder: Wie man Zeit sinnvoll verwendet

Zeit kann man nicht sparen. Man kann nur darauf achten, dass man sie für Dinge verwendet, die sinnvoll erscheinen, statt sie ungewollt für Dinge zu verwenden, die weniger Sinn machen.

1. Klare Prioritäten

Wer weiß, was ihm am wichtigsten ist, kann Unnötiges leichter ausfiltern. Man kann unterscheiden zwischen: Wichtig / Unwichtig und dringend / weniger dringend. Zuerst sollte erledigt werden, was wichtig und dringend ist. Dann wichtig und weniger dringend, anschließend die unwichtigen Sachen.

2. Vorher planen

Wer Abends die Ziele für den nächsten Tag und Freitags die Ziele für die nächste Woche aufschreibt, läuft weniger Gefahr, sich mit Unnötigem zu verzetteln. Wichtig dabei ist, Zeit 30 % bis 50% unverplante Zeit für Unvorhergesehenes einzuplanen.

3. Zeitbedarf einplanen

Die beste To-Do Liste nützt nichts, wenn man sie mit unrealistisch vielen Dingen füllt und am Ende frustriert ist, nicht alles geschafft zu haben, was drauf stand.
Besser: Beim Planen gleich den geschätzten Zeitbedarf dazu schreiben.

4. Die beste Zeit für das Wichtigste nutzen

Zu Beginn des Tages mit den Aufgaben beginnen, die am Wichtigsten sind. Keine Zeit mit der Beantwortung von Mails und längeren Gesprächen mit Kollegen vertrödeln, sondern diese Dinge für Zeiten aufheben, wenn die Energie und Konzentration etwas nachlässt.

5. Zeitkiller meiden

Wenn möglich, Besprechungen auf ein Mindestmaß reduzieren. Vieles kann auch anders geklärt werden, als durch langwierige und langweilige Sitzungen.

6. Energiekurve berücksichtigen

Die meisten Menschen haben Morgens, nach einer Anlaufphase ihre konzentrierteste und beste Phase des Tages. Die sollte für die anspruchsvollsten Aufgaben genutzt werden.

7. Multitasking vermeiden

Mehrere Dinge gleichzeitig zu tun, kostet erheblich mehr mentale und physische Energie, als wenn man eines nach dem anderen tut. Besser: Bei anspruchsvollen Aufgaben – so reizvoll es ist, sich ablenken zu lassen – Unterbrechungen durch Mail, Telefon, Radio etc. vermeiden.

8. Aufräumen

Wer Ordnung schafft und hält, braucht weniger Zeit als das Genie, das ständig im Chaos suchen muss. Ein guter Tipp um Ordnung zu halten ist, wann immer man eine Sache ablegt, an der gleichen Stelle zwei Dinge zu entsorgen: Unterlagen, Dateien. Wer darauf achtet, hält die Umgebung schlank und findet sich schnell zurecht.

9. Pausen machen

Nach 90 bis 120 Minuten Arbeit braucht der Körper eine Pause. Wer hier ein gutes Gefühl für die eigenen Körpersignale entwickelt und dem Körper gibt, was er braucht, sorgt dafür, dass die Energie erhalten bleibt.

10. Energiespender nutzen

Jeder Mensch kennt Dinge, die ihm neue Energie geben. Etwas Bewegung, eine Kleinigkeit zu essen, 5 Minuten die Augen zu, ein kurzes Gespräch…. Wer sich diese Energiespender gönnt, gewinnt Kraft und Konzentration – und dadurch Zeit.

www.down-to-earth.de 04/09