Kerstin Hack: Zehn Tipps für Singles, die Familien besuchen

Ich bin Single. Und liebe Kinder. Zumindest die meisten. Und Kinder lieben mich und sind gern mit mir zusammen. Zumindest die meisten. Dennoch habe ich Aufenthalte bei Familien nicht immer als entspannend und wohltuend erlebt. Es ist eine fremde Welt, deren Regeln ich nicht kenne. Als Besucher auf dem Familienplaneten droht mir ständig die Gefahr, auf Matchboxautos, Bagger, Legos und Pixibücher zu treten, in Klebefallen aus Essensresten hängen zu bleiben oder von einem Raumschiff oder Rennfahrer überrannt zu werden. Oder gar wütenden Protest zu ernten, weil ich, als ich eine Decke zusammelegen wollte, versehentlich eine Räuberhöhle zerstört habe.
Im Badezimmer fragt man sich verzweifelt, ob der warme Tonfall, mit dem die Mutter sagte: „Ach, du darfst es gerne mal halten und wickeln“ nicht doch einen grausam sarkastischen Unterton hatte. Falls es überhaupt zu Kommunikation in vollständigen Sätzen in der eigenen Sprache kommt. Die Bewohner des Familienplaneten pflegen gelegentlich in unvollständigen Sätzen und unverständlichen Lauten zu kommunizieren: „Dadada, eieieie, butzibutzi” usw.

Kurz: Als Single auf dem Familienplaneten einzufliegen, kann ausgesprochen anstrengend sein, wenn man die Regeln nicht kennt und nicht weiß, wie man sich richtig verhalten soll. Wer – durchaus verständlich – aus Unsicherheit auf Besuche auf Familienplaneten verzichtet, verpasst jedoch unendlich viele schöne, lebendige Momente. Ich habe im Laufe der letzten 20 Jahre mehrere Tausend Stunden bei ganz verschiedenen Familien verbracht und einige hilfreiche Überlebensstrategien entdeckt, die Aufenthalte bei Familien sogar zum Genuss werden lassen können. Ich schreibe aus Single-Perspektive, aber vieles könnte auch für kinderlose Paare hilfreich sein. Und vielleicht finden sogar die Planetenbewohner die eine oder andere Anregung, wie sie die Zeit mit Besuchern auf ihrem Planten für alle angenehmer gestalten könnten.

1. Zweckmäßige Kleidung

Bei Reisen in fremdes Territorium empfiehlt sich angepasste Kleidung. Es muss kein gepanzerter Schutzanzug sein – aber mit Stöckelschuhen lässt sich nun mal nicht gut Fangen spielen. Und mit enger Kleidung kann man nicht gut auf dem Boden sitzen. Edle Blusen und Sakkos ziehen Babyspucke magisch an. Dort bleibt sie besonders gut haften. Für immer. Es ist für alle Beteiligten entspannter, wenn man bequeme Kleidung anhat, die ruhig schmutzig werden darf. Auch die Eltern, die zumindest in der Kleinkindphase nur selten edle Kleidung tragen können, wird es entspannen, wenn der Besucher nicht wie aus dem Ei gepellt daher kommt.

2. Auf Augenhöhe gehen

Keiner liebt es, mit Riesen zu sprechen. Bei kleineren Kinder bedeutet „auf Augenhöhe gehen“, sich körperlich auf ihre Ebene zu begeben, indem man in die Knie geht oder sich zu ihnen auf den Boden setzt. Bei älteren Kindern bedeutet es eher, dass man Ratschläge nicht von oben herab gibt, sondern sie nach ihrer Meinung fragt und sich von ihnen Dinge erklären lässt. Und bei Teenagern darf offen und ehrlich diskutiert werden.
Auf Augenhöhe gehen bedeutet auch, dass man Kinder auch emotional nicht überrennt. Manche wohlmeinenden Singles wollen Kindern gleich zu Beginn des Besuchs zeigen, wie lieb sie sie doch haben – und überschütten sie mit zärtlichen Worten und Gesten: „Ach bist du süss. Bussi. Bussi. Bussi.“ Was meist dazu führt, dass Kinder die Flucht ergreifen. Besser ist, man lässt sich und den Kindern Zeit, warm zu werden. Die Kinder werden es einem – nach einer Weile – mit echter Nähe danken.

3. Aufmerksamkeit schenken

Kinder wollen und brauchen Aufmerksamkeit. Kürzlich war ich Übernachtungsgast bei einer Familie, die ich bislang nicht kannte. Beim Frühstück tauten die Kinder langsam auf. Der Kleinste prahlte: „Ich kann auf Englisch bis Zehn zählen.“ Und lispelte: „Won, tuuu, sriee…usw.“ „Wow!“ Ich lobte ihn. Sein Bruder wollte nicht zurückstehen: „Und ich bis Zwanzig: one, two, three…“ „Wow!“ Der Älteste trumpfte auf: „Und ich bis Hundert. One, two, three…“ Bei Zwanzig gelang es mir, ihn zu unterbrechen und ihn zu bitten, mir den Rest in Zehnerschritten zu sagen. Mittlerweile hatten die jüngeren Brüder ihre selbstgebaute Pappburg mit Klopapierturm angeschleppt und zerrten mich ungeachtet des Protestes ihrer Mutter „Lasst sie doch in Ruhe essen“ ins Kinderzimmer, damit ich sämtliche Bauwerke bewundern konnte.
Kinder spüren mit eingebautem Seismographen, ob unsere Bewunderung und Aufmerksamkeit für sie echt oder nur vorgetäuscht ist, um sie schnell wieder loszuwerden. Wenn sie keine echte Aufmerksamkeit bekommen, kämpfen sie anschließend – zunehmend nerviger – umso mehr darum. Kinder, die erleben, dass man ihnen – zeitweise – ungeteilte Aufmerksamkeit schenkt, können zu anderen Zeiten auch getrost darauf verzichten.

4. Kommunikationssprünge gelassen ertragen

Eines Morgens wurde ich von der Freundin, bei der ich zu Besuch war, gefragt „Kerstin, magst du nen Kaffee? Hast du auch eine frische Unterhose an?“ „Was?“ Ich habe einige Sekunden gebraucht, um zu realisieren, dass die erste Frage mir galt, die zweite meinem fünfjährigen Patenkind. In Familien gehört der fliegende, übergangslose Wechsel von einem zum nächsten Gesprächspartner zum Überlebensprogramm. Für Singles ist der Umgang damit eine riesige emotionale Herausforderung. Gerade hat man der Freundin noch von beruflichen und privaten Sorgen erzählt und sie hat mitfühlend genickt, doch plötzlich ist sie ganz wo anders: „Peter, neeeeeeeeeeeeeeein, nicht die Milch umschütten. Lisa, die Schere ist da, wo sie immer ist, in der Schublade. Ach, ja. Wo waren wir eben?“
Das ist hart. Sowohl für die Besucher, die dieses Verhalten fälschlicherweise auf sich beziehen: „Sie haben kein Interesse mehr an mir“ und dann mit dem Gefühl kämpfen, unerwünscht zu sein. Aber auch für die Eltern, die nirgends richtig sein können. Aber – zumindest in der Kleinkindphase – gehört das einfach dazu. Erlauben Sie sich, eine Weile den langen ruhigen Gesprächszeiten aus den Single-Tagen ihrer Freunde nachzutrauern. Und akzeptieren Sie dann, was gerade eben so ist: Dass Sie nicht mehr die ungeteilte Aufmerksamkeit Ihrer Freunde genießen, sondern diese mit einem / einigen kleinen Menschen teilen dürfen. Machen Sie das Beste daraus. Falls die Eltern das Wohnzimmer gerade fluchtartig zu einem Noteinsatz im Kinderzimmer verlassen haben, lesen Sie einfach entspannt in den Büchern, die Sie unter dem Couchtisch finden, falls Hilfe bei Blähungen, das große Stillbuch und Puh, der Bär Sie interessieren. Oder bauen Sie heimlich an der Legoburg weiter. Wo immer möglich, kann man darauf achten, dass gemeinsame Zeiten an Orten (z. B. Cafés mit Spielecke) oder zu Zeiten stattfinden, die ruhigere Gesprächsphasen ermöglichen. Das werden auch die Eltern genießen.

5. Mitmachen
Auch wenn „Piep. Piep. Piep. Wir haben uns alle lieb!“ – trotz Gildo Horn – nicht zum Alltagsvokabular moderner Großstadt-Singles gehört – machen Sie einfach mit. Und genießen Sie es. Bei Spielen und Ritualen einfach locker bleiben und so gut es geht mitmachen. Auch wenn wir, in Familienritualen ungeübte Menschen, uns im ersten Moment albern dabei vorkommen – letztlich ist es schön, wenn wir uns selbst erlauben können, ein bisschen Kind zu sein. Auch wenn wir weder Text noch Klatschrhythmus beherrschen. Und die Kinder natürlich über unsere Unkenntnis lachen. Und sich richtig groß dabei vorkommen.
Natürlich ist bei Zoobesuchen das Lauftempo zwischen den Käfigen unendlich langsam und es bleibt vollkommen unverständlich, warum Kinder im Zoo die meiste Zeit auf dem Spielplatz verbringen wollen, statt sich botanisch weiterzubilden. Was soll´s. Es ist eine gewaltige Umstellung, aber tut – gerade geschäftstüchtigen Menschen, die ihr Leben ständig selbst gestalten (müssen) – gut, Situationen und Dinge einfach so zu nehmen, wie sie kommen. Und mitzumachen.
Und wenn es mal tatsächlich nicht mehr geht, weil der Lärmpegel oder das Chaos zu heftig wird oder Unvorhergesehenes passiert – ruhig offen sagen: “Du ich glaube, heute ist nicht der beste aller Tage. Ich glaube die Kinder brauchen jetzt Euch. Ganz alleine. Ich komme einfach ein andermal wieder. Ok?“

6. Laufen lassen

Früher habe ich mich manchmal verpflichtet gefühlt, Kindern ein möglichst attraktives Programm zu bieten – nicht zuletzt, um zu zeigen und zu beweisen, wie cool ich bin. Mein Animationsprogramm kam nicht immer gut an. Mittlerweile habe ich entdeckt: Kinder brauchen keinen Unterhaltungskünstler, Clown und Animateur. Sie kommen schon selbst auf einen zu, wenn sie gemeinsame Zeit und Aufmerksamkeit wünschen. Dann kann man fragen: Was möchtest du jetzt gerne tun? Und gespannt auf die Vorschläge sein: So habe ich z.B. die Internet-Seite der lokalen Feuerwehr entdeckt, die mein Patenkind mir zeigen wollte. Und habe einfach schöne Kuschelzeiten mit Kindern erlebt, die nichts anderes wollten, als bei mir zu sein.

7. Rituale entwickeln und pflegen
Kinder lieben Rituale. Die müssen nicht feierlich sein. Rituale sind nichts anderes als wiederkehrende, Vertrauen schaffende, gleichbleibende Handlungen. Das können Begrüßungsformen sein, bestimmte Geschichten, Spiele, Sätze, Floskeln, die man nur mit diesem einen Menschen austauscht. Und mit diesem einen Menschen immer wieder. Ich erinnere mich bis heute an die Tante einer Schulfreundin, die uns immer die Geschichte vom aufblasbaren Gummipferd erzählte. Sonst weiß ich fast nichts mehr über sie. Aber das Ritual ist mir in Erinnerung geblieben. Zwischen meinem Patenkind Leonie und mir findet bei jeder Begegnung der immer gleichbleibende Dialog statt, der irgendwann einmal zufällig beim Kaffeetrinken entstanden ist. Sie: „Wie heiße ich?“ „Leonie. Und wenn du Tee trinkst, bist du die Teonie. Und wie heiße ich?“ Sie – mit triumphierendem Unterton in der Stimme: „Kaffeetin“. Und dann wieder: „Wie heiße ich?“ Bis zu fünf Wiederholungen pro Begegnung. Sie findet das unglaublich witzig und kann gar nicht genug davon kriegen.

8. Rat holen

Ganz ehrlich: Ich habe keine Ahnung davon, womit Fünfjährige am liebsten spielen, welche Bücher bei Achtjährigen „in“ sind (wahrscheinlich ist sogar das Wort „in“ längst „out”). Ich weiß auch nicht, welche Aktivitäten oder Videos sich für einen Pizzaabend mit älteren Kindern eignen. Bevor ich es riskiere, in entnervt verdrehte Augen von Kindern zu blicken und einen Kommentar wie: „Das ist doch Babykram“ zu hören, frage ich lieber Menschen, die sich auskennen, um Rat. Eltern, Verkäufer oder Kinder im gleichen Alter.
Gleiches gilt für Mitbringsel. Ich fragte einmal den Vater einer Familie, ob ich seinen Kindern Smarties mitbringen könnte oder ob es in ihrer Familie eine Anti-Süßigkeiten Politik gäbe. Er antwortete: „Das haben wir schon lange aufgegeben.“ Als ich die Smarties – wohlgemerkt nach dem Abendessen – verteilt hatte, rannten die vier Jungs weg und holten Stifte. Jeder schrieb seinen Namen auf die Packung oder ließ die Eltern schreiben: „Um Streit zu vermeiden!“ Wow!

9. Geschichten erzählen
Die meisten Kinder lieben Geschichten. Erfundene und echte. Oder auch nur Erzählungen aus dem Leben: „Als ich so alt war wie du, da gab es noch keine Handys. Und auch keine Kiwis. Und keine CD-Player!“ Spätestens dann merken die Kinder, dass man aus einem anderen Jahrhundert stammt und lassen sich fasziniert davon erzählen. Aber auch vorgelesene Geschichten und Erinnerungen an gemeinsam Erlebtes sind guter Gesprächsstoff und schaffen Verbindung: „Weißt du noch, wie wir zusammen mit den Rädern in den Graben gefallen sind?“ „Ja, klar!“

10. Auf Ratschläge verzichten
Mit Kindern zu leben ist ähnlich herausfordernd, wie den Regelkreis einer Anlage mit 3465 verschiedenen Variablen vernünftig zu steuern. Keiner kann das immer richtig machen. Und natürlich kommt es hin und wieder zu Übersteuerungen des Systems, die umso peinlicher sind, wenn sie von Außenstehenden miterlebt werden. Das ist dann schon schlimm genug. In so einer Situation Erziehungsratschläge zu geben, macht es noch schlimmer. Natürlich zucke ich – ebenso wie das Kind – zusammen, wenn ein Kind wegen einer Unachtsamkeit angeschrien wird. Aber ich muss es den Eltern nicht sagen. Oder wenn, dann in weichen Worten: „Du wirkst gerade etwas angespannt? Magst du darüber reden?“ oder „Was würde dir helfen, mit solchen stressigen Situationen besser klarzukommen? Wann ist es leichter für dich?“ Die meisten Eltern leiden ohnehin an chronisch schlechtem Gewissen, weil sie sich nicht gut, perfekt und liebevoll genug fühlen. Es tut ihnen gut, wenn sie mal von anderen hören: “Das war toll, wie du das gerade deinem Kind erklärt hast! Das hätte ich nie so gut gekonnt!“ Ach, noch was: Kinder mögen Ratschläge übrigens genauso wenig wie ihre Eltern.

Auch wenn ich am Anfang dieses Artikels alle in 20 Jahren selbst miterlebten Katastrophenszenarien in Kurzform beschrieben habe, stimmt es dennoch: Ich bin gerne mit Familien zusammen. Großen und kleinen. Ordentlichen und chaotischen. Es tut mir gut. Manches läuft anders als bei mir. Manches läuft gar nicht. Aber ohne das Wagnis, mich immer wieder auf die Wunderwelt der Familienplaneten einzulassen, hätte ich unendlich viele schöne, lohnende Momente verpasst. So setzte ich mich zum Beispiel am Ende eines langen Tages auf die Treppe zu Hanna, die damals vier Jahre alt war. Ich fragte sie: “Na, wie war dein Tag?” Sie sah mich mit großen Augen an und antwortete: „Ich hab dich vermisst!“
Einige Jahre später, als ich in einer schwierigen persönlichen Situation steckte, bat ich Hanna, mir ein Bild zu malen. Sie fragte, was sie denn malen sollte. Ich bat sie, ein Bild der Hoffnung zu malen. Ich war gespannt. Sie malte die vier Jahreszeiten, beginnend mit Winter, wo nichts wächst, aber wo man Lieder singen kann. Das Bild hängt bis heute an meinem Kühlschrank und erinnert mich daran, dass nach schweren Zeiten auch wieder schöne kommen. Es gehört zu den wertvollsten Geschenken, die mir je gemacht wurden. Geschenke, wie man sie nur auf dem Kinder- und Familienplaneten findet. Besuch erwünscht.

Kerstin Hack lebt in Berlin und arbeitet als Autorin und Referentin zu Glaubens- und Lebensfragen. In ihrer Beratunspraxis unterstützt sie Einzelpersonen und Paare dabei, für sich passende Lösungen zu finden. www.kerstinhack.de

Zuerst veröffentlicht unter dem Titel: „Singles im Anflug – 10 praktische Überlebensstrategien für kinderlose Besucher auf dem Familienplaneten“ im Magazin Family, Juni 2008, mit freundliche Genehmigung. www.bvzeitschriften.net

Kerstin Hack: Glück ist machbar

Gerade bin ich auf dem Balkon in der Sonne gesessen und habe frisch-cremige Pastinakensuppe mit feinen Lachbällchen gegessen, eine »ideale schnelle Mahlzeit im Rahmen moderner Ernährung«, die ich »mit Genuss und Verstand« genießen kann, wie mich die Packung der Fertignahrungslinie ›Viva und Vital‹ informiert und nicht versäumt, mich aufzufordern: »Lassen Sie es sich gut gehen!«
Habe ich glatt gemacht. Ich saß in der Sonne, genoss das Gefühl, die heiße Suppe in meinen Magen rutschen zu lassen und – war glücklich. Einige schöne Momente lang. Das Coole daran war, dass ich schon vorher wusste, dass ich in diesen Momenten glücklich sein würde. Ganz einfach, weil ich weiß, dass es bestimmte Dinge und Verhaltensweisen gibt, die quasi automatisch Glücksgefühle auslösen.

Was ist Glück?
Ganz vereinfacht gesagt, sind Glücksgefühle nichts anderes als eine biochemische Reaktion im Gehirn. Das Gehirn schüttet bestimmte Glückshormone aus und wir fühlen uns glücklich. Es gibt – vor allem zyklusbedingt bei Frauen – massive Schwankungen im Gefühlshaushalt. Aber dennoch kann man als Faustregel sagen, dass das Gehirn die Glückshormone nicht willkürlich ausschüttet, sondern in der Regel als Reaktion auf Verhalten und Denkmuster. Man kann die Ausschüttung der Glückshormone nicht bewusst steuern, aber man kann sehr stark beeinflussen, ob man Dinge tut und denkt, die glücklich machen.

Glücklich sein und Glück haben
Deutsch ist in Bezug auf Glück eine etwas verwirrende Sprache. Wir sprechen davon, dass man ›Glück hat‹ und meinen damit das, was die Engländer als ›luck‹ bezeichnen. Zufallstreffer in der Lotterie des Lebens, die natürlich dazu führen, dass wir uns eine Weile lang glücklicher fühlen. In der Regel sind Menschen nach einem echten Glückstreffer (Lottogewinn etc.) etwa drei Monate lang glücklicher als zuvor, dann pendelt sich ihr Glücksgefühl wieder auf ihrem vorherigen Niveau ein.
Glück kann man ›haben‹, das ist wunderbar, aber nicht steuerbar. Hingegen können wir sehr wohl beeinflussen, ob wir uns glücklich fühlen.

Was macht glücklich?
Essen zum Beispiel. Wenn wir gut gegessen haben, dann fühlen wir uns hinterher nicht nur gesättigt, sondern in der Regel auch glücklicher als mit knurrendem Magen. Noch eine Grundregel: Alle Dinge, die Leben spenden, machen glücklich. Das gilt sowohl in Bezug auf die Aktivitäten, die unser biologisches Leben erhalten und weitergeben (Sex, Essen und Bewegung) als auch in Bezug auf die Handlungen, die das soziale Miteinander stärken (Begegnung, Zusammenarbeit, Helfen).
Ich finde es genial, dass der Schöpfer es so angelegt hat, dass die Dinge, die Leben spenden, uns glücklich machen. Gott ist kein Mistkerl, der erwartet, dass wir brav unsere Pflicht tun. Er ist vielmehr ein Gott, der will, dass wir lebendig sind und es so genial eingerichtet hat, dass alles, was uns und anderen Menschen Leben spendet, mit den schönsten Gefühlen belohnt wird, die wir kennen.

Als ich das an einem Abend beim Lesen einiger Texte über ›Glück‹ zum ersten Mal verstanden habe, war ich stundenlang so glücklich und aufgekratzt, so begeistert und voller Anbetung, dass ich nicht schlafen konnte, obwohl es so spät war. Ich habe am Ende zu einer ›Notlösung‹ gegriffen und absichtlich ein ausgesprochen depressives und langatmiges Buch über Ermordung von psychisch Kranken im Dritten Reich gelesen, um meine Glücksgefühle so weit abzudämpfen, dass ich einschlafen konnte. Aber es begeistert mich noch immer, dass Glücksgefühle letztlich ein Gradmesser sind, der anzeigt, ob man richtig lebt. Wie genial.

Alle Dinge, die Leben spenden, machen glücklich: Sexuelle Begegnung und Nähe, Essen, Lernen, Bewegung – wenn man sie richtig macht. Natürlich kann man Sex kann auch nur als schnelle Nummer machen, das Falsche essen und es viel zu schnell in sich reinstopfen oder Stoff einfach pauken und sich wie ein Irrer bewegen – dabei wird man nur selten Glücksgefühle haben.
Glück empfindet man, wenn man Leben erlebt. Wenn man sich auf Leben und Begegnung einlässt – mit dem einen Menschen, der zu einem gehört und dem man immer tiefer, offener und echter begegnen möchte. Wenn man Essen nicht nur als Kalorienzufuhr begreift, sondern als Möglichkeit, den eigenen Körper und damit auch die Seele zu nähren. Wenn man das Leben als eine Möglichkeit versteht, Neues zu lernen und zu erfahren und nicht aufhört, zu lernen und zu staunen und wenn man schließlich Bewegung nicht als Programm absolviert, sondern sich an ihrer unendlichen Vielfalt freut.
Ich habe neulich in einem Tanzkurs Fallen geübt. Ich hatte keine Ahnung, wie unterschiedlich man fallen kann. Mal mit dem Oberkörper zuerst, mal mit dem Po, mal schwungvoll, mal langsam. Auch wenn zwei, drei kleine Schrammen noch davon zeugen, dass ich nicht immer gut gefallen bin – ich bin um einige Erfahrungen reicher und habe neue Bewegungsmöglichkeiten entdeckt. Überall da, wo wir unsere Möglichkeiten durch Lernen, Begegnung und Bewegung erweitern, belohnt unser Körper uns dafür mit Glücksgefühlen: »Das hast du gut gemacht. Das fühlt sich gut an!«

Glück und Drogen
Viele Drogen lösen biochemisch im Gehirn ähnliche Reaktionen aus wie die Handlungen und Denkmuster, die uns glücklich machen. Sie sind so gesehen nichts anderes als die Sehnsucht danach, sich glücklich zu fühlen, aber nicht bereit zu sein, selbst aktiv die Dinge zu tun, die dazu führen würden, dass man glücklich wird. Etwas Neues zu entdecken und zu erfahren macht zum Beispiel glücklich. Gras (Marihuana) sorgt dafür, dass man jede Menge Dinge neu ›erlebt‹ – ohne das Risiko sich auf das echte Leben und auf wirkliches Lernen einzulassen. Drogen sind aus dieser Perspektive nichts anderes als der Versuch, eine Abkürzung zu nehmen, um das gewünschte Glücksgefühl zu erreichen. Viele Menschen, die Drogen nehmen, sehnen sich zu Recht nach Glücksgefühlen. Sie können sich aber nicht vorstellen, wie sie im normalen Leben glücklich sein können, wissen einfach nicht, wie das geht. Und greifen deshalb zu Drogen.

Gestern habe ich mich mit einem Freund unterhalten, der zehn Jahre lang wie ein Schlot gekifft hat. Vor vier Monaten hat er damit aufgehört. Er sagte mir: »Ich leiste jetzt viel mehr, kriege mehr auf die Reihe, aber als ich noch gekifft habe, war ich glücklicher!« Er hat Recht. Er hat immer erwartet, dass Glück zu ihm kommt – durch Drogen, eine tolle Frau usw. Er hat es nie gelernt, wie er selbst dafür sorgen kann, dass er glücklich ist. Wir haben dann lange darüber geredet, wie er es wieder lernen kann, sich über Leistungen, Begegnungen, ja das Leben selbst zu freuen, wie er Momente der Achtsamkeit in seinen Alltag einbauen kann und in sich Raum schaffen kann, um kleine Glücksmomente, die er erlebt, intensiver wahrzunehmen. Er ist auf einem guten Weg stark zu werden und auf eigene, gesunde Art und Weise glücklich zu werden.

Glücklich sein üben
Glücksgefühle kannst du nicht machen. Aber du kannst sehr wohl die Voraussetzungen dafür schaffen, glücklicher zu werden, indem du dich dem Leben öffnest. Enge, Verschlossenheit, Hetze und Druck sind Glückskiller. Offenheit, Achtsamkeit, Behutsamkeit mit sich selbst und anderen, Wahrheit und Wahrnehmung öffnen unsere Herzen dem Glück. Glück kann man auch nicht in der Zukunft erleben, sondern immer nur im Jetzt. Viele Menschen denken: »Wenn ich dieses oder jenes geschafft habe, dann werde ich glücklich sein.« Sie sind es dann aber nicht. Und werden es wahrscheinlich nie sein, weil sie es gar nicht gelernt haben, im Moment glücklich zu sein. Es wird dir besser gehen, wenn du schon in der Gegenwart glücklich bist, statt nur auf ein Ziel fixiert zu sein. Wenn ich Bücher schreibe, muss ich mich immer wieder daran erinnern, dass ich den Moment des Schreibens bewusst genießen will, nicht nur den Moment, wenn ich das Buch fertig gedruckt in den Händen halte.
Wer glücklich sein will, kann es nur im Hier und Jetzt, indem er sich auf das einlässt, was ist: die Begegnung, in der er gerade ist. Die Umgebung, in der er sich befindet. Den Körper, den er gerade hat. Indem er wahrnimmt und bewusst genießt, was ist. Statt zu hoffen, dass etwas, was vielleicht einmal sein wird, ihn glücklich machen wird.
Und man kann fühlen üben. Wir denken oft wir fühlen etwas, aber in Wahrheit denken wir Gefühle, statt sie tatsächlich zu fühlen. Vor ein paar Jahren hatte ich ein für mich schockierendes Erlebnis. Ein Freund schenkte mir Blumen und ich dachte mir: »Das ist ja nett.« Das Schlimme war: Ich dachte es, aber ich fühlte es nicht. Ich dachte »es ist nett«, meine Gedanken registrierten es als positiv, aber in meinem Herzen bewegte sich nichts. Seit dieser Zeit habe ich intensiv und bewusst versucht, die verschütteten und versteckten Gefühle, die in mir schlummerten, aber kaum von mir registriert wurden, wahrzunehmen.
Wenn jemand etwas Nettes für mich tat, habe ich versucht, nicht nur zu denken: »Das ist nett!«, sondern zu fühlen: »Oh, das fühlt sich wirklich gut an!«. Freunde haben mir dabei geholfen, indem sie mir manchmal sagten, was sie empfanden: »Du siehst heute aber traurig aus, wie fühlst du dich?«. »Oh ja, ich glaube du hast recht. Ich fühle mich wirklich niedergeschlagen!«

Ich bin immer noch am Lernen, aber ich fühle viel mehr als früher und kann Empfindungen viel mehr genießen und wahrnehmen, bin lebendiger geworden. Ich denke Gefühle nicht mehr nur, ich fühle sie tatsächlich. Und genieße sie.
Gestern habe ich mich lange mit einer Freundin darüber unterhalten, was es bedeutet, sich dem Leben zu öffnen. Je mehr wir sprachen, umso mehr leuchtete ihr Gesicht. Sie wurde sichtbar schöner. Ich habe fasziniert auf ihre immer leuchtenderen Augen und ihre tanzenden Dreadlocks gesehen und mich an ihr und am Leben gefreut – glücklich und von Herzen.

Glücksrezepte für Anfänger
Meine ›Basics‹ für Anfänger im Glücklich werden:

1. Bewegung
Wenn du unglücklich bist – beweg dich. Beweg deinen Kopf. Denk an etwas anderes, etwas Schöneres. Und bewege deinen Körper. Geh raus, schnappe frische Luft. Oder tanze und singe wenigstens in deiner Wohnung. Essen hilft zwar auch gut gegen den ersten Frust, ist aber wegen ungewünschter Nebenerscheinungen zumindest nicht im Übermaß zu empfehlen.

2. Achtsamkeit – 20 Sekunden Regel
Wenn etwas von unserem Kurzzeitspeicher in unseren Langzeitspeicher übergeht, belohnt uns das Gehirn für die geleistete Speicherarbeit mit Glücksgefühlen. Das Speichern funktioniert jedoch nicht, wenn wir gehetzt durchs Leben rennen. Dann rennen wir nur durch und nehmen nichts wahr. Wahrnehmung setzt Achtsamkeit voraus, zum Beispiel wenn wir einem Menschen mit Achtung begegnen, indem wir durch Körpersprache und innere Achtsamkeit zum Ausdruck bringen: Dir gehört jetzt meine volle Konzentration. Oder indem wir eine Sache bewusst und wenigstens 20 Sekunden lang betrachten. Wenn wir etwas so lange achtsam und mit einer Haltung der staunenden Offenheit betrachten – egal ob es ein Bild, ein Gesicht, ein Bauwerk, die Struktur einer Rolltreppe oder die eigenen Hände sind, wird das abgespeichert. Wir werden doppelt belohnt: Mit einem schönen Bild im Speicher und mit Glücksgefühlen.
Tipp: Gleich üben. Schau dir einen schönen Gegenstand 20 Sekunden lang intensiv an. Freu dich daran. Und übe die 20-Sekunden Achtsamkeit immer wieder im Lauf des Tages.

3. Rückblick
Gewöhne dir an, am Ende des Tages über fünf Momente nachzudenken, an denen du glücklich warst. Das macht dich nicht nur doppelt glücklich (Erinnerung an erlebtes Glück fühlt sich (fast) so gut an wie das Glück selbst), sondern wird nach einer gewissen Zeit auch dazu führen, dass du im Alltag Glücksmomente intensiver und bewusster wahrnimmst.

Zuerst veröffentlicht in THE RACE. Die christliche Zeitschrift zum Weiterdenken. Mit freundlicher Genehmigung.

Kerstin Hack: Deine Berufung entdecken

Es gibt nichts Schöneres, als Menschen zu erleben, die genau das tun, was sie als ihre Berufung empfinden. Sie strahlen und leuchten und erleben Erfüllung. Menschen hingegen, die gar nicht richtig wissen, wozu sie auf dieser Welt sind, leben letztlich immer am Leben vorbei.
Deshalb ist die Frage „Wozu bin ich berufen?“ so entscheidend.

1. Berufen, Gottes Kind zu sein

In der Bibel steht: „Seine eigenen Kinder sollten wir werden durch seinen Sohn Jesus Christus. Das hat Gott schon damals aus Liebe zu uns beschlossen.“ Epheser 1, 5
Gottes Kinder werden wir, wenn wir an Jesus Christus glauben, unser Leben unter sein Management stellen und mit ihm leben (lies Johannes. 1, 12).
Wenn wir Gott unser Leben anvertrauen, ihn in uns aufgenommen haben, fließt seine Kraft in und durch unser Leben – wie die Kraft, die eine Weintraube hat, die ihre ganze Energie aus dem Weinstock bezieht, denn Jesus spricht: „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht.“ Johannes 15, 5

2. Berufen, zu Gottes Familie zu gehören

Die Bibel vergleicht die Gemeinde mit einem Körper (Leib), in dem die einzelnen Glieder sich gegenseitig ergänzen und fördern. Wenn Du Dein Leben Jesus gegeben hast, gehörst Du damit automatisch zu seiner Familie, der Gemeinde. Der Apostel Paulus, der im ersten Jahrhundert viele Gemeinden gründete, erklärt das so: „So wie unser Leib aus vielen Gliedern besteht, so besteht auch die Gemeinde Christi aus vielen Gliedern und ist doch ein einziger Leib.“
Und: „Unser Leib soll eine Einheit sein, in der jeder für den anderen da ist.“ 1. Korintherbrief 12, 12 und 25
Es ist Gottes Plan, dass wir mit anderen Menschen verbunden sind und unsere Gaben, Talente und unseren Persönlichkeitsstil nutzen, um die anderen zu stärken und zu fördern.
Wenn wir in Gottes Familie dienen, können wir unsere Gaben effektiv einsetzen und trainieren. Gleichzeitig empfangen wir von den anderen Mitgliedern Kraft und Input. Aber wir sind nicht nur füreinander da, sondern auch von Gott berufen, dazu beizutragen, dass noch andere Menschen, die bisher noch nicht zu ihm gehören, Teil seiner Familie werden.

3. Berufen zu konkreten Aufgaben

Gott hat ganz bestimmte Pläne und Absichten mit Deinem Leben. Er hat Aufgaben vorbereitet, die nur Du erfüllen kannst. Die Bibel sagt: „Wir sind sein Werk, durch Jesus Christus neu geschaffen, um Gutes zu tun. Damit erfüllen wir nur, was Gott schon immer mit uns vorhatte.“ Epheser 2, 10
Aber man kann den Gipfel eines Berges nicht erreichen, wenn man nicht die unteren Regionen durchwandert hat.
Genauso ist es unmöglich, die spezifische persönliche Berufung zur Entfaltung zu bringen, wenn die Basis nicht stabil ist. Darum ist es wichtig, in Deine Beziehung mit Jesus und in das Leben in seiner Gemeinde zu investieren, um zur vollen Entfaltung Deiner persönlichen Berufung zu finden.

Berufung leben

Menschen, die ihre Gaben und Talente einsetzen, sind glücklicher als Menschen, die sich nur um sich selber drehen. Mutter Theresa hat immer von innen her gestrahlt . Das kann man von vielen reichen Popstars, die vom Drehen um sich selbst schon schwindelig im Kopf sind, nicht behaupten.

Gott dienen und die eigenen Gaben und Talente einzusetzen hat positive Auswirkungen:

1. Gott freut sich

Gott hat Dich so geschaffen, wie Du bist und er freut sich wie ein Vater über sein Kind, wenn Du das Potenzial, das er in Dich hineingelegt hat, voll ausschöpfst. Er liebt uns so sehr, dass er alles für uns investiert hat, um uns zu retten. Und er freut sich, wenn wir alles investieren, um anderen Menschen seine Liebe zu vermitteln.

2. Du freust Dich
Du blühst auf, wenn Du merkst, was in Dir steckt. Du spürst: „Wow – dafür bin ich geschaffen! Ich kann etwas einbringen!“
Vieles von Gottes ursprünglichem, perfekten Plan mit Deinem Leben konnte sich nicht entfalten, solange Du ohne ihn gelebt hast.
Durch Jesus wird Dein Leben in seiner ganzen Fülle wieder hergestellt. Gottes Leben lebt in uns – wir leben unser Leben mit ihm. Gott, der Vater freut sich unendlich, wenn Du das ganze Potenzial dessen, was er in Dich hineingelegt hat, voll ausschöpfst. Durch Dich soll Gottes Liebe in einzigartiger Weise sichtbar werden. Je mehr Du Deine Gaben einsetzt, umso mehr erkennst Du, wie einzigartig Du bist und wie Du damit Gott und Menschen dienen kannst.


3. Andere Menschen freuen sich

Christen, die ihre Talente einsetzen, um anderen zu helfen, zeigen Menschen, wie Gott ist. Sie sind ein Zeugnis für Jesus, der sagt: „Daran wird jedermann erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt.“ Joh. 13, 15.
Wenn Du das gibst, was nur Du geben kannst, werden alle davon profitieren. Wenn Du Deine Gaben und Talente nicht einsetzt, werden sie – und Du mit ihnen – verkümmern und anderen Menschen wird etwas Einmaliges fehlen, was nur Du geben kannst.

© Auszug aus „Nr. 1: Entdecke, wer Du bist, finde Deinen Platz“ von Leo Bigger und Kerstin Hack
Nr. 1 ist als Buch im shop von Down to Earth erhältlich.

Die Autorin freut sich über Rückmeldungen und Kommentare.

Hinweis: Down to Earth, 2002 (www.down-to-earth.de). Nur zum persönlichen Gebrauch. Veröffentlichungen in Printmedien oder im Internet nur nach schriftlicher Genehmigung von Down to Earth.

Kerstin Hack: Tipps für den Klimaschutz

Jeder kann etwas für den Klimaschutz tun. Such dir einfach die Dinge aus, die für dich gut umsetzbar sind und fange an, eines nach dem anderen in deinem Alltag einzuüben.

Auftauen
Gefriergut im Kühlschrank aufzutauen ist schonender. Es spart Energie, weil beim Auftauen dem Kühlschrank Kälte zugeführt wird. Wichtig: Genug Zeit einplanen.

Rohkost-Tag
Um ein Kilo Fleisch zu produzieren sind mehrere Kilo Getreide nötig. Die Fleischindustrie stößt bei Produktion und Transport viel CO2 aus. Deshalb: Öfter mal auf Fleisch verzichten. Ein Rohkosttag pro Woche ist darüber hinaus super für die Figur und Gesundheit.

Stand-by ausschalten

Stand-by Leuchten an elektrischen Geräten verbrauchen Energie. Wer abends einen kleinen Spaziergang durch die Wohnung macht und alle Geräte vollständig ausschaltet senkt unnötigen Energieverbrauch. Auch die meisten Ladegeräte für Handys, Kameras etc. verbrauchen Energie, sobald sie auch nur eingesteckt sind. Also: Nach dem Aufladen den Stecker gleich wieder ziehen.

Restwärme nutzen
Viele Speisen brauchen beim Zubereiten nicht bis zum Ende die volle Hitze. Beim Kochen also deshalb schon kurz, bevor das Essen gar ist, die Herdplatte ausschalten und mit der Restwärme zu Ende kochen.

Kompostieren

Bei eigenem Garten: Lebensmittel kompostieren. In der Stadt: Die meisten Dinge in die Bio-Tonne tun. Kaffee separat sammeln und direkt in Blumenbeete streuen.

Die gute alte Thermoskanne
Viel Trinken ist gut. Wer sich morgens eine große Kanne seines Lieblingsgetränks macht und das Heißgetränk in eine Thermoskanne füllt, verbraucht weit weniger Energie als diejenige, die für jede neue Tasse den Wasserkocher neu anschaltet.

Warm einpacken
Warme Wäsche, ein kuscheliger Pulli und warme Socken wärmen im Winter genauso wie eine voll aufgedrehte Heizung. Ein Grad Raumtemperatur weniger spart 20 % Energie und Kosten. Also: Besser warm einpacken als voll aufdrehen.

Wiederverwenden
Die Produktion von Gegenständen verbraucht viel Energie. Viele Gegenstände lassen sich ein zweites Mal verwenden oder eignen sich, um neue Dinge daraus zu basteln: Tüten, Papier, Korken, Kronkorken, Stoffe. Viele Kindergärten freuen sich über Materialspenden zum Basteln.

Ausmisten
Bücher, CDs, Schmuck, Kleidung und andere Gegenstände, die man nicht mehr braucht, zu verkaufen füllt nicht nur den Geldbeutel, sondern schont auch die Umwelt, weil sie nicht neu produziert werden müssen. Natürlich kann man sie auch verschenken. Das füllt dann das Herz.

Klug einkaufen
Wir transportieren Lebensmittel oft über den halben Globus, obwohl sie auch hier angebaut werden (z. B. Äpfel). Deshalb beim Einkauf bewusst darauf achten, dass Lebensmittel und anderes möglichst lokal und umweltfreundlich produziert und umweltfreundlich verpackt wurde.

Mund auf
Die Industrie hört auf die Verbraucher. Je häufiger man beim Einkauf oder am Arbeitsplatz auf umweltschädigende Materialien, Verpackung, Beleuchtung etc. hinweist, desto höher ist die Chance, dass die Botschaft auch bei der Industrie ankommt.

Werbung abbestellen
Werbung nervt. Und kostet Energie. Wenn du unerwünschte Werbung erhältst, wirf sie nicht einfach weg. Das löst das Problem zwar für den Moment – aber wahrscheinlich wird dir der Anbieter demnächst wieder Werbung schicken. Besser: Nimm dir eine Minute Zeit, um an den Absender zu schreiben und ihn zu bitten, die Sendungen an dich einzustellen. Spart langfristig Zeit – und schont das Klima.

Impulsheft Umweltfreundlich.
Impulsheft Umweltfreundlich.

Tipps und praktische Anregungen zum Klimaschutz im Alltag bietet das Impulsheft von Kerstin Hack: Umweltfreundlich. Impulse, unsere Welt zu erhalten. Nur zwei Euro. Erhältlich im Buchhandel [978-3-935992-44-2] oder direkt beim Verlag: www.down-to-earth.de

Zusammenstellung: Kerstin Hack, www.kerstinhack.de
Zuerst veröffentlicht in der Zeitschrift Joyce

Hack, Schilling, Duval: Drei Frauen mit SWING – gesunde Lebensrhythmen finden

Drei Frauen in ganz unterschiedlichen Lebenssituationen stellen sich der herausfordernden Aufgabe, ihren Alltag so zu gestalten, dass alles geschafft wird, was zu schaffen ist, dabei aber das Leben nicht zu kurz kommt.

Birgit Schilling (Jahrg. `60) ist Mutter von drei Teenagern und freiberuflich als Supervisorin und Beraterin tätig. Gemeinsam mit Bianka Bleier schrieb sie das Buch: „Besser einfach – einfach besser. Das Haushalts – Survival Buch“, das sich mit der Frage beschäftigt, wie man den Haushalt so effektiv und praktisch gestalten kann, dass noch Zeit für anderes bleibt. Sie lebt mit ihrer Familie in Hürth bei Köln. (Im Internet: www.Birgitschilling.de)

Birgit-Cathrin Duval (Jahrg. `67) arbeitet als Journalistin und Fotografin für Tageszeitungen und Magazine. Ihre Reportagen führen sie rund um den Globus. Sie lebt in der Grenzecke D/F/CH und hat im April 2005 geheiratet. (Im Internet-Seite: www.bcmpress.de)

Kerstin Hack (Jahrg. `67) ist Single. Sie hat den Down to Earth Verlag (www.down-to-earth.de) in Berlin aufgebaut, engagiert sich im Netzwerk „Gemeinsam für Berlin“ für ihre Stadt und ist als Referentin zu Themen wie Gebet, Städte verändern, Gott erfahren und in Balance Leben tätig. In ihrem Internet-Tagebuch „Kerstinpur“ (www.kerstinpur.down-to-earth.de) erzählt sie frisch und offen von ihrem Leben.

Alle drei Frauen haben das Buch von Kerstin Hack „Swing. Lebe im Rhythmus der Schöpfung“ gelesen. Die Grundidee des Buches ist, das Leben so zu gestalten wie Gott es in der Schöpfungswoche tat. Er versuchte nicht, alles auf einmal zu schaffen, sondern gab jedem Tag seinen eigenen Schwerpunkt und schuf beispielsweise am ersten Tag „nur“ das Licht, ruhte am siebten Tag usw. Im Lebensalltag kann das – so das SWING-Konzept – so aussehen, dass man jedem der sieben Wochentage einen eigenen Schwerpunkt gibt (z.B. am 1. Tag der Woche Kreativität, am 7. Tag Ruhe) und so sicherstellt, dass die verschiedenen Elemente, die man für ein ausgewogenes Leben braucht, ihren Raum finden. In diesem Artikel erzählen die drei Frauen, ob und wie dieses Konzept in ihren unterschiedlichen Lebensformen umgesetzt werden kann.

Wie sieht bei dir eine normale Woche aus?

Kerstin Hack: Als Verlegerin und Autorin habe ich eigentlich einen sehr geregelten Wochenablauf: normale Bürozeiten hinter dem Computer von Montag bis Freitag und dann ein freies Wochenende. Allerdings sind die Aufgaben, mit denen ich mich innerhalb einer Woche beschäftige, sehr verschieden. Ich habe für jeden Wochentag einen anderen Schwerpunkt und genieße es, wenn ich die Woche so gestalten kann, dass z. B. der Montag schwerpunktmäßig für Kreatives, der Dienstag für Planen, der Mittwoch vor allem für Kommunikation etc. verwendet wird. Dieser Wochenrhythmus wird in der Regel nur dann gesprengt, wenn ich zu Vorträgen, Beratungsterminen oder Konferenzen unterwegs bin – dann kommt das Leben manchmal ganz schön durcheinander.

Birgit Schilling: Da ich erst vor einigen Monaten meine Weiterbildung zur Supervisorin beendet habe, für die ich viel unterwegs war, bin ich zur Zeit noch dabei, meinen zu mir passenden Wochenrhythmus zu finden. In der Regel arbeite ich morgens zwischen 8 und 14 Uhr in meinem Beruf. An den meisten Nachmittagen bin ich für die Kinder da und erledige Hausarbeit. Da wir an manchen Wochenenden in der Gemeinde aktiv sind, halte ich mir den Freitagmorgen so ganz für mich persönlich frei. Das gelingt mir nicht immer, aber doch immer öfter. Da kann es vorkommen, dass ich morgens, nachdem die Familie aus dem Haus gegangen ist, noch mal ins Bett gehe und schlafe, mich mit einer Freundin zum Einkaufsbummel treffe und einfach das mache, wozu ich gerade Lust habe. Im Blick auf die Hausarbeit habe ich nur für die Wäsche und den Wocheneinkauf feste Wochentage.

Birgit-Cathrin Duval: Selbstständig sein heißt, dass man selbst ständig etwas zu tun hat. Normale Bürozeiten und freie Wochenenden gibt es bei mir nicht. Es gibt Tage, an denen sich stündlich etwas ändert. Ein Anruf von der Redaktion, man muss zu einem Unfall oder einem Termin ausrücken, den die Tageszeitungen oftmals sehr kurzfristig vergeben. Wer in diesem Geschäft arbeiten will, braucht ein hohes Maß an Flexibilität und Disziplin. Das geht natürlich sehr zu Lasten des Privatlebens. Mir fällt es schwer, Ruhezeiten einzuplanen und sie einzuhalten. Seit vergangenem Sommer laufe ich jeden Montagmorgen mit einer Laufgruppe. Für mich ist das ein optimaler Start in die Woche. Das schafft Ausgleich und macht unheimlich Spaß.

Wie sieht bei dir eine ideale Woche aus?

Birgit Schilling: Wenn ich am Ende einer Woche zurückschaue und feststelle, dass ich in dieser Woche heiter und gelassen war ( mein WachstumszielJ) und dass alle wichtigen Aspekte meines Lebens Raum hatten, dann war das für mich eine ideale Woche. Dann habe ich mit Begeisterung in meinem Beruf/in der Gemeinde gearbeitet, war ich mit meinen Mädchen einige Male „eine Runde“ im Wald spazieren, hatte Qualitätszeiten mit Johannes. Wolfgang und ich verbrachten einen Abend in unserer Haussauna oder waren beim Italiener eine Kleinigkeit essen. Ich habe mich mit einer Freundin getroffen oder zumindest mit ihr länger telefoniert, war mehrmals joggen, hatte Zeit zur Stille und die Haushaltsarbeit ist getan.

Kerstin Hack: Eine Woche ist für mich dann perfekt, wenn es mir gelungen ist, den verschiedenen Aspekten des Lebens, die ich in SWING beschrieben habe, Raum zu geben: Kreativität, Ordnung, Produktivität, Rhythmus, Lebensfreude, Beziehungen und Ruhe. Wenn einer oder mehrere dieser Lebensbereiche zu kurz kommt, kann eine Woche immer noch gut sein. Aber wenn ich einen oder mehrere Aspekte auf Dauer vernachlässige, tut mir das überhaupt nicht gut. Ich wünsche mir, gedanklich nicht stehen zu bleiben, sondern beständig zu lernen. Deshalb finde ich es genial, wenn ich in der Woche etwas Neues lernen oder erfahren konnte.

Birgit-Cathrin Duval: Die perfekte Woche gibt es nicht. Wenn ich mir eine ideale Woche vorstellen würde und müsste am Wochenende erkennen, dass ich es nicht geschafft habe, wäre ich nur frustriert. Mir ist wichtig, täglich eine Balance zu finden zwischen Arbeit und Freizeit, da bei meiner beruflichen Tätigkeit die Grenzen sehr fließend sind. Umso mehr genieße ich die Lauftreffen am Montag mit anschließendem Frühstück oder freie Wochenenden.

Welche Dinge hast du gut im Griff?

Birgit Schilling: Mein Haushalt läuft dank der aktiven Mithilfe meiner Familie und einer Putzhilfe einmal die Woche wirklich gut. Damit meine ich nicht perfekt, aber halt sehr zeitsparend. Erst dadurch habe ich Freiraum für meinen Beruf und für Beziehungen, die mir wichtig sind.

Birgit-Cathrin Duval: Früh aufzustehen. Denn als Freiberufler ist man leicht versucht, einfach so in den Tag hinein zu leben. Ich liebe die Stunden vor Sonnenaufgang. Für mich sind es die kreativsten Momente des Tages. Und da ich diese einfach nicht missen möchte, klingelt bei mir der Wecker sehr früh.

Kerstin Hack: Es fällt mir relativ leicht, mein Leben zu planen und zu ordnen, ich schreibe gern und ich weiß, wie wichtig es ist, auch ausgedehnte Ruhephasen zu haben. Es gelingt mir fast immer, die Tage, die ich für diese Dinge reserviert habe, auch von anderen Aktivitäten freizuhalten.

Was sind deine persönlichen Herausforderungen in Bezug auf augewogene Lebensgestaltung? Wie umgehst du sie?

Birgit Schilling: Mein Haupt-Stolperstein: Ich bin immer wieder in Gefahr, zu viel zu machen. Wenn ich beispielsweise eine berufliche Anfrage habe, die mich reizt oder wenn mich eine Idee überfällt, was man in unserer Gemeinde noch alles so machen könnte, dann bin ich schnell Feuer und Flamme und meine in diesem Moment: „Na super! Klar, das mache ich. Irgendwie schaffe ich das schon noch!“ Aber dieser erste Eindruck ist oft falsch.

Ich übe mich darin, nie spontan zu entscheiden, sondern in Ruhe zu überdenken, ob diese Anfrage oder Idee hier und jetzt für mich wirklich dran ist. Wichtige Projekte spreche ich mit meinem Mann durch, dessen Rat mir sehr hilfreich ist.

Birgit-Cathrin Duval: Ich bevorzuge Chaos gegenüber Ordnung – das erlaubt maximale Flexibilität und Kreativität, ist aber gleichzeitig ein Stolperstein. Mir schwirren zu viele Gedanken und Projekte gleichzeitig im Kopf herum und ich verzettele mich anstatt eines dann konkret anzugehen und auszuführen. Mein Verlobter rückt in solchen Situationen meinen Fokus zurecht. Er bringt Ordnung in das Chaos, wofür ich ihm unendlich dankbar bin, denn er ergänzt mich in diesem Bereich und sorgt auch dafür, dass ich konkrete Entscheidungen treffe.

Kerstin Hack: Ich mag Orga-Kram und Aufgaben, die Liebe zum Detail erfordern, nicht sonderlich. Ich erwische mich immer wieder dabei, dass ich mich an dem Tag, den ich für diese Aufgaben reserviert habe, doch mit anderen Dingen beschäftige, die ich lieber tue, und die ungeliebten Aufgaben verschiebe. Und obwohl ich ein lebensfroher Mensch bin, fällt es mir manchmal schwer, mich von der Arbeit, die nie aufhört, loszureißen, und Dinge zu machen oder zu unternehmen, die für mich Leben pur sind: Konzerte, Caféhaus – Besuche, Ausstellungen, kurz: etwas Neues zu entdecken und zu erleben. Ich musste es regelrecht lernen, Dinge wahrzunehmen und zu genießen und mir Gutes zu gönnen. Da übe ich immernoch.

Woran würde deine Freundin/würden deine Kinder bemerken, dass du eine gute Balance lebst?

Birgit Schilling: Wenn ich in einer guten Balance lebe, können mich meine Kinder bei einer Tätigkeit unterbrechen und ich reagiere freundlich darauf. Während sie mir von ihren Freuden und Sorgen erzählen, höre ich ihnen aufmerksam zu.

Birgit-Cathrin Duval: Wenn die Balance stimmt, dann strahlt das nach außen und ist für alle deutlich sichtbar. Mein Wesen ist durchtränkt von einer tiefen Leidenschaft – für das Leben, Freunde, Gott und die Welt. Nur ist das leider nur zu selten der Fall.

Kerstin Hack: Wenn ich in Balance bin, bin ich in der Regel spritzig, inspirierend und offen für neue Impulse von anderen Menschen. Ich sprudele über vor Ideen und fühle mich „weich“, gelassen und im Fluss. Andere spüren das, manchmal sehen das gute Freunde sogar schon an meinem Äußeren.

Kann das Konzept von Swing auch hilfreich für Frauen sein, die fest in einen Job oder die Familie eingebunden sind oder funktioniert es nur für Freiberufler?

Kerstin Hack: Das Konzept der Schöpfungswoche sagt ja letztlich nichts anderes, als dass zum Menschsein eine Ausgewogenheit von Kreativität, Ordnung, Lebensfreude, Beziehung, Ruhe usw. gehört. Das ist bei Familien nicht anders als bei Singles. Man kann als ganze Familie darüber reden, welche Aspekte im Leben miteinander zu kurz kommen (z.B. Lebensfreude) und Strategien überlegen, wie man das ändern kann. Sicher wird das z. T. anders aussehen als im Leben eines selbstständigen Singles wie ich es bin. Aber Konzepte soll man ja nicht kopieren, sondern kapieren und dann auf das eigene Leben übertragen und fruchtbar machen.

Birgit Schilling: Das hat auch viel mit Selbstwahrnehmung zu tun. Einfach zu wissen: Wie bin ich persönlich eigentlich gestrickt? Was brauche ich, um in einer guten Balance zu leben? Welche Lebensaspekte baue ich automatisch mit ein, welche Aspekte kommen bei mir zu kurz? Wie könnte ich diese in meine persönliche Situation einbauen? Es geht darum, ideenreich und kreativ das eigene Leben zu gestalten.

Birgit-Cathrin Duval: Swing bringt viele neue Ideen und inspiriert, über die eigene Zeitplanung nachzudenken. Letztendlich muss jede Frau für sich selbst entscheiden, welche Aspekte sie in ihren persönlichen Tagesablauf einbaut. Ich habe, wie auch Kerstin Hack in ihrem Buch festgestellt, dass die Montage eine wirklich erfrischende Kreativität in sich bergen. Als Journalistin und Autorin freue ich mich auf jeden Montag, denen ein gewisser Zauber inne wohnt.

Wenn du einen einzigen Tipp zum Thema Zeitplanung weitergeben könntest, welchen würdest du geben?

Birgit-Cathrin Duval: Ich gebe jedem Jahr ein bestimmtes Motto. Dann schreibe ich mir auf, welche Ziele ich in diesem Jahr erreichen möchte, welche Wünsche und Träume ich habe. Das schriftliche Formulieren signalisiert meinem Unterbewusstsein, was in diesem Jahr wichtig ist. Daraus ergeben sich dann die kurzfristigen Ziele. Ich bin kein Planungs-Typ, aber ich liebe es zu schreiben und male oft entsprechende Skizzen zu meinen Zielen.

Kerstin Hack: Es ist gut, Erfolge bewusst zu registrieren, z . B. mit einem Danke-Erfolgsbuch. Wir hetzen häufig von einem Punkt zum anderen, ohne es uns selbst gegönnt zu haben, die Leistung zu würdigen und ohne Gott „Danke“ für das gesagt zu haben, was wir leisten konnten. Es kommt viel Ruhe ins Leben, wenn man es lernt, die Pause – Taste zu drücken, wie Gott zu sagen „Das war sehr gut“ und erst nach einer Pause weiter zu machen.

Birgit Schilling: Gönnen Sie sich Weiterbildungskurse zum Thema: Zeit– und Lebensplanung. Immer wieder beobachte ich, dass manche Familien ganz selbstverständlich Geld für die Förderung ihrer Kinder ausgeben, aber nicht auf die Idee kommen, Geld für die Förderung der Mutter zu investieren.

Ein 2. Tipp: Wenn Sie so gestrickt sind wie ich, planen Sie für sich immer wieder freie Zeitfenster in Ihr Leben mit ein. Und dann – egal ob die „to-do-Liste“ abgearbeitet ist oder nicht: Gönnen Sie sich Auszeiten, in denen Ihre Seele aufamten und auftanken kann.

Kerstin Hack, die Autorin des Buches „Swing. Lebe im Rhythmus der Schöpfung“ (http://swing.down-to-earth.de) hat mit SWING ein fröhlich – inspirierendes Buch geschrieben, das noch viele weitere Tipps zum Thema „Leben in Balance“ enthält. Sie ist ist Verlegerin (http://www.down-to-earth.de) und gefragte Referentin zu Themen wie Lebensbalance und kreative Spiritualität. Persönliches von ihr findet man unter http://www.kerstin.down-to-earth.de

Buchtipp:

Kerstin Hack: Swing. Lebe im Rhythmus der Schöpfung. 12,80 Eur

LINK http://www.down-to-earth.de/product_info.php?cPath=28&products_id=116

Geschrieben: 2005

Günter J. Matthia: Rezension zu »Gut kommunizieren«

»Warst du schon auf der Bank?«, fragt er sie. Eine scheinbar harmlose Frage, die bei ihr Unerwartetes auslöst: »Glaubst du, ich hätte gar nichts zu tun?!«
Wir haben den Tonfall des Mannes nicht gehört und können somit nicht entscheiden, ob die Frage sachlich oder vorwurfsvoll klang. Sie bewertete es auf jeden Fall als Angriff und geht in die Defensive.

Vieles, was im Zusammenleben von Menschen, sei es nun im privaten oder beruflichen Umfeld, schief gehen kann, hat eine Menge mit Kommunikation zu tun. Es gibt daher nicht ohne Grund zahlreiche Ratgeber, Kurse, Seminare, Bücher und andere Medien, die dabei helfen sollen, Kommunikationsfehler zu vermeiden.
Das obige Zitat stammt aus einem solchen Werk, das einen sehr gelungenen Ansatz bringt: Mit nachvollziehbaren Beispielen aus dem Alltag gelingt der Einstieg in die 28 Einzelthemen leicht, da wohl die meisten Leser sich an ähnliche Erlebnisse erinnern können.
Dadurch gelingt es der Autorin, die sich übrigens durch einen ausgesprochen lebendigen und daher gut lesbaren Stil auszeichnet, das Sachthema geradezu unterhaltsam zu machen, ohne dass es dabei verflachen würde.

Als ich meiner Schwiegermutter Urlaubsbilder zeigte, meinte sie bei einem Foto: »Der Rock ist dir aber zu eng!« Erst stritt ich das ab, doch dann schaute ich genauer hin:
Das Wickelband meiner Bluse hing seitlich über dem Rock und es sah so aus, als wäre der Reißverschluss aufgeplatzt!

So beginnt beispielsweise ein Beitrag über die Selbstwahrnehmung – und die ist in der Tat sehr prägend für die Art und Weise, wie wir mit anderen Menschen kommunizieren. Es schadet überhaupt nichts, sich selbst in Frage zu stellen – auf die richtige Weise natürlich. Selbstüberschätzung macht lächerlich:

Neulich erzählte ein Mann im Fernsehen, er hätte geweint, als er feststellte, dass er wie Elvis singen könne. Als er eine Kostprobe seines Könnens gab, waren die Zuschauer den Tränen nahe – vor Lachen.

Mangelndes Selbstwertgefühl dagegen ist nicht weniger schädlich:

Francis Galton lebte vor etwa 100 Jahren in London und machte einmal folgenden Versuch: Er redete sich bewusst ein, er sei der meistgehasste Mann Englands.
Danach machte er seinen gewohnten Spaziergang. Aber an diesem Tag war alles anders: Passanten riefen ihm Schimpfworte zu oder wandten sich voll Abscheu von ihm ab. Er wurde angerempelt und fiel hin. Ein Pferd schlug aus und traf ihn. Wieder ging er zu Boden und die Schaulustigen ergriffen Partei für das Pferd.

Zu jedem Kapitel gibt es ein prägnantes Zitat, einen anregenden Denkanstoß, eine provokante Frage und einen praktischen Handlungsimpuls. So wird dieses Quadro, wie der Verlag das Format nennt, zu einem im wahrsten Wortsinn praktischen Begleiter, den man immer wieder zur Hand nehmen möchte und wird. Es sei denn, man ist nicht daran interessiert, sich mit seiner Umgebung so gut wie möglich auszutauschen.

Die Autorin Damaris Graf ist Diplom-Pädagogin und als freiberufliche Seminarleiterin in unterschiedlichen Organisationen tätig. Man merkt beim Lesen, dass sie mit Herz und Seele bei der Sache ist: Anderen dabei helfen, Kommunikationsprobleme aufzuspüren, zu beseitigen und dadurch zu einem sehr vielversprechenden neuen Ansatz im Zusammenleben und -arbeiten zu gelangen.

Mein Fazit: Unterhaltsam und praktisch, lebendig geschrieben und auch graphisch liebevoll gestaltet. Mir hat das Buch an einigen Punkten die Augen geöffnet – man lernt eben nie aus. Und das ist auch gut so. Vieles ist sofort umsetzbar, der Erfolg zeigt sich häufig schon bei der nächsten Begegnung mit einem Mitmenschen. Die 4 Euro sind eine Investition, die ganz erheblichen Gewinn bringen wird.

ISBN 978-3-935992-62-6
40 Seiten, 4 Euro.
Zum Beispiel direkt beim Verlag: Gut kommunizieren. Training für bessere Beziehungen

(Rezension zuerst erschienen am 18.04.2009 auf dem Blog von G.J.Matthia)

Kerstin Hack: 10 Zeitspartipps. Oder: Wie man Zeit sinnvoll verwendet

Zeit kann man nicht sparen. Man kann nur darauf achten, dass man sie für Dinge verwendet, die sinnvoll erscheinen, statt sie ungewollt für Dinge zu verwenden, die weniger Sinn machen.

1. Klare Prioritäten

Wer weiß, was ihm am wichtigsten ist, kann Unnötiges leichter ausfiltern. Man kann unterscheiden zwischen: Wichtig / Unwichtig und dringend / weniger dringend. Zuerst sollte erledigt werden, was wichtig und dringend ist. Dann wichtig und weniger dringend, anschließend die unwichtigen Sachen.

2. Vorher planen

Wer Abends die Ziele für den nächsten Tag und Freitags die Ziele für die nächste Woche aufschreibt, läuft weniger Gefahr, sich mit Unnötigem zu verzetteln. Wichtig dabei ist, Zeit 30 % bis 50% unverplante Zeit für Unvorhergesehenes einzuplanen.

3. Zeitbedarf einplanen

Die beste To-Do Liste nützt nichts, wenn man sie mit unrealistisch vielen Dingen füllt und am Ende frustriert ist, nicht alles geschafft zu haben, was drauf stand.
Besser: Beim Planen gleich den geschätzten Zeitbedarf dazu schreiben.

4. Die beste Zeit für das Wichtigste nutzen

Zu Beginn des Tages mit den Aufgaben beginnen, die am Wichtigsten sind. Keine Zeit mit der Beantwortung von Mails und längeren Gesprächen mit Kollegen vertrödeln, sondern diese Dinge für Zeiten aufheben, wenn die Energie und Konzentration etwas nachlässt.

5. Zeitkiller meiden

Wenn möglich, Besprechungen auf ein Mindestmaß reduzieren. Vieles kann auch anders geklärt werden, als durch langwierige und langweilige Sitzungen.

6. Energiekurve berücksichtigen

Die meisten Menschen haben Morgens, nach einer Anlaufphase ihre konzentrierteste und beste Phase des Tages. Die sollte für die anspruchsvollsten Aufgaben genutzt werden.

7. Multitasking vermeiden

Mehrere Dinge gleichzeitig zu tun, kostet erheblich mehr mentale und physische Energie, als wenn man eines nach dem anderen tut. Besser: Bei anspruchsvollen Aufgaben – so reizvoll es ist, sich ablenken zu lassen – Unterbrechungen durch Mail, Telefon, Radio etc. vermeiden.

8. Aufräumen

Wer Ordnung schafft und hält, braucht weniger Zeit als das Genie, das ständig im Chaos suchen muss. Ein guter Tipp um Ordnung zu halten ist, wann immer man eine Sache ablegt, an der gleichen Stelle zwei Dinge zu entsorgen: Unterlagen, Dateien. Wer darauf achtet, hält die Umgebung schlank und findet sich schnell zurecht.

9. Pausen machen

Nach 90 bis 120 Minuten Arbeit braucht der Körper eine Pause. Wer hier ein gutes Gefühl für die eigenen Körpersignale entwickelt und dem Körper gibt, was er braucht, sorgt dafür, dass die Energie erhalten bleibt.

10. Energiespender nutzen

Jeder Mensch kennt Dinge, die ihm neue Energie geben. Etwas Bewegung, eine Kleinigkeit zu essen, 5 Minuten die Augen zu, ein kurzes Gespräch…. Wer sich diese Energiespender gönnt, gewinnt Kraft und Konzentration – und dadurch Zeit.

www.down-to-earth.de 04/09

Antje Rein: Rezension zu Spring hinein ins volle Leben

Kerstin Hack ist eine Meisterin der Worte. Mit vielen einprägsamen Beispielen und Geschichten nimmt sie den Leser mit auf eine Reise ins „volle Leben“. Dabei werden Themen wie Sehen, Entscheidungen treffen, Aktiv gestalten, Offen für Neues, Bewegen, Sich selbst begegnen und viele andere angesprochen.
Die Herausforderung des Buches ist es, das Leben mit all seinen Facetten zu lieben und es zu gestalten. Mit vielen Beispielen aus dem Leben der Autorin bekommt das Buch die nötige Würze und Aktualität.

Kerstin Hack lädt den Leser ein, das eigene Leben auf den Prüfstand zu stellen. Dazu regen besonders die Fragen am Ende der Kapitel an, die helfen sollen, eigenes Denken und Verhalten noch einmal zu hinterfragen.
„Sie entdecken, wie sie Haltungen und Denkmuster, die das Lebendigsein blockieren, erkennen und ablegen können“, so schreibt die Autorin selbst über ihr Buch. „Spring lädt dazu ein, sich neu auf das Leben einzulassen.“

Ein Buch, das man immer wieder zur Hand nehmen und in kleinen Häppchen am besten bearbeiten und verdauen kann.

Spring...ins Wasser
Spring...ins Wasser

Antje Rein, Dipl.Soz.arb, www.lebens-nah.de

Zuerst veröffentlicht im Magazin „Family“, Feb. 2009

Kerstin Hack: Ein bisschen Urlaub im Alltag

Urlaub macht glücklich. Das liegt nicht zuletzt daran, dass wir im Urlaub Dinge tun, die uns gut tun.

  • Wir rennen nicht durch die Gegend, sondern schlendern gemütlich.
  • Wir betrachten Dinge und die Natur aufmerksamer.
  • Wir nehmen uns Zeit für den einen oder anderen Cappuccino oder Drink
  • Wir bewegen uns mehr und strengen uns vielleicht sogar ein bisschen an
  • Wir entdecken Neues
  • Wir tun auch ab und zu einmal  NICHTS.

All diese wohltuenden Aktivitäten führen dazu,  dass ein Bündel biochemischer und psychologischer Faktoren Hochgefühle auslöst und unter anderem Dopamin ausschüttet, das zu den eben genannten Hochgefühlen führt.

Wer auch zu Hause  ab und zu von diesem Glückscocktail nippen möchte, der tut gut daran ein paar dieser Urlaubsaktivitäten einzubauen:

  • Ab und an Pausen machen
  • Schöne Dinge bewusst betrachten
  • Sich mehr bewegen
  • Mit einer Haltung der Neugierde und Entdeckungsfreude durchs Leben gehen.

Viel Freude beim Urlaub im Alltag!

Kerstin Hack: Unverschämt glücklich

Zwei Menschen, die sich lange nicht gesehen haben, treffen sich.
»Wie geht es dir?«
»Naja, ganz gut, aber auf Arbeit gibt es Probleme, die Kinder sind gerade in einer stressigen Phase, na ja, ich kann nicht klagen, aber … und wie geht es dir?«
»Danke, mir geht es blendend.«
Schweigen. Sprachlosigkeit. Keine Rückfragen.

Unsere Gesellschaft befindet sich in einem merkwürdigen Zustand. Alle streben nach Glück. Sie kämpfen in ihren Jobs, arbeiten hart an ihren Beziehungen, besuchen Erziehungsseminare, Weiterbildungen, Workshops für ausgeglichenes Leben und mehr Gelassenheit, aber keiner scheint tatsächlich zu glauben, dass ein fröhliches und zufriedenes Leben tatsächlich phasenweise möglich ist. „Kerstin Hack: Unverschämt glücklich“ weiterlesen