Kerstin Hack: Im Rhythmus der Schöpfung leben

Die sieben Lebenselemente anhand der Schöpfungsgeschichte – die Basis für ein dynamisch und ausgewogenes Leben. Die „Kurzfassung“ von SWING.

Mein Leben ist nicht wohlgeordnet. Das liegt einerseits darin begründet, dass ich selbständig bin und eine Vielfalt verschiedener Aufgaben zu erledigen habe und niemand mir von „oben“ sagt, was ich tun soll. Andererseits liegt es wohl auch daran, dass ich ein „kreativer Typ“ bin. Weniger wohlwollende Menschen könnten mich auch als „etwas chaotisch“ bezeichnen. Seit Jahren versuche ich, mit ellenlangen To-do Listen, Wochen- Monats- und Gebetsplänen mein Leben in den Griff zu kriegen.
Zeitweise, wenn ich gerade einen Motivationsschub habe, es mit der Ordnung endlich zu schaffen, klappt es ganz gut. Aber irgendwann kommen mir alle Pläne, Tages- und Minutenlisten zu steif und zu einengend vor. Warum von 9 – 12 Uhr eine Sache machen, nur weil sie auf irgendeinem Zettel mit der respekteinflößenden Überschrift „Zeitplan“ steht? Auf Dauer funktionierten diese Listen nie, weil sie nur auf die Erledigung von Aufgaben konzentriert waren, aber die verschiedenen Bedürfnisse meiner Persönlichkeit nicht berücksichtigten. Deshalb sehnte ich mich nach einem neuen, dynamischen, aber auch beruhigenden Rhythmus.
Irgendwann, als mich meine Unfähigkeit, alle Aufgaben unter einen Hut zu bringen und dabei als Mensch nicht zu kurz zu kommen, wieder richtig nervte, betete ich (ebenfalls genervt): „Gott, Du hattest doch auch viel zu tun als Du die Welt geschaffen hast. Aber Du hast weder to-do Listen gehabt, noch bist Du im „kreativen Chaos“ erstickt. Wie hast Du Deine Woche geordnet?“
Es schien mir logisch, dass in Gottes kreativer Art, der Schöpfungswoche Gestalt zu geben, auch der Schlüssel für meinen eigene Frage nach einem guten Lebensrhythmus zu finden sein würde. Es war offensichtlich, dass er alle Aspekte, die das Leben ausmachen in guter Weise verbinden kann, ohne sie in rigide Raster zu stecken.
Einen dieser Schlüssel hatte ich schon vor Jahren entdeckt: Das Geheimnis: „Am siebten Tage ruhte Gott“ und das daraus abgeleitete Gebot für den Menschen: „Am siebten Tage sollst Du ruhen.“ Für mich ist der Ruhetag schon seit Jahren ein herrlicher Tag. Der Computer bleibt ausgeschaltet und meine Seele baumelt. Kopf und Körper kommt zur Ruhe. Es ist kein Tag der Gesetzlichkeit („Du darfst nicht rasen mähen oder Deine Steuererklärung machen“), sondern der Freiheit („Du kannst das Zeug ruhen lassen!“) Es ist der Tag, an dem meine Tanks wieder aufgefüllt werden.
Am siebten Tage ruhte Gott. Gut, das hatte ich verstanden. Aber was hat er an den anderen Tagen getan?. Wie hat er die Woche gestaltet? Gibt es in seinem „Wochenplan“ weitere Muster zu erkennen, die das Leben in seiner Vielfalt ähnlich befreiend und wohltuend ordnen, wie es der Ruhetag tut? Könnte es sein, dass Gott einen Rhythmus „auf Lager hat“, der nicht nur die Arbeit ordnet, sondern auch den menschlichen Bedürfnissen nach Kreativität, Struktur, Fruchtbarkeit, Freundschaft, Vision, Abenteuerlust und Ruhe Raum gibt? Mit diesen Fragen im Hinterkopf versuchte ich, in den „inneren Kern“ der Schöpfungsgeschichte vorzudringen.

TAG 1 – Tag der explosiven Kreativität

Die Erde war vollchaotisch und ohne Gestaltung. Eine nichtssagende Suppe, über der Gottes Geist schwebte. In dieses Nichts hinein hatte Gott die zündende Idee: „LICHT.“ Er nannte das Licht Tag und die Zeit ohne Licht Nacht.

(Persönliche Übertragung der Kerngedanken aus dem Schöpfungsbericht! Keine Übersetzung)

Gott wusste genau, was er schaffen wollte. In schöpferischer Kraft sieht er die Welt vor sich als wäre sie schon da: voll und bunt und voller Leben in seiner ganzen Vielfalt. In der Leere der ungeschaffenen Welt beginnt er mit dem ersten, kraftvollen Schöpfungsakt. Er spricht das eine Wort „Licht.“ Sicher sahen die Engel voller Aufregung und Spannung zu, als zum ersten Mal Lichtstrahlen auf finsteres Wasser trafen und sich in 1000 Farben brachen. Es war eine kreative Explosion.
Für mich ist Tag eins der Tag geworden, an dem ich Dinge tue, die einen „kreativen Aufbruch“ (manchmal auch eine Explosion) erfordern: Ich schreibe neue Texte wie diesen hier, entwickle Ideen, gestalte alles, was Innovation und Inspiration erfordert. Mein Kopf ist durch die Erholung des Ruhetages noch frisch und meine Gedanken sind klar. Es fällt mir leichter als sonst, Dinge zu schaffen und Neues ins Leben zu rufen. Ich sehe Dinge, als wären sie schon. Es ist wie ein Pool von Ideen, der in mir erwacht. An diesem Tag beginnt das Unsichtbare in mir sichtbar zu werden. Es ist für mich der Tag explosiver Kreativität.
Wenn ich an diesem Tab bete, bete ich gerne für Umstände, in denen ein Durchbruch von Licht dringend erforderlich ist. Ich spreche Gottes Schöpfungswort in Situationen, die irgendwo steckengeblieben sind und die Kraft Gottes brauchen. Es ist auch der Tag, an dem ich mich gerne mit Menschen treffe, deren Leben blockiert erscheint, die nie die Freiheit zugesprochen bekamen: „Du darfst Du sein!“ Ich liebe es, für sie zu beten, und Gottes Leben in ihr Leben hineinzurufen. Ich stelle mir vor, was passiert, wenn Gott das, was in ihnen brachliegt zum Leben erweckt und sie sein volles, übersprudelndes Leben erfahren: „Es werde Licht!“
Und am Ende des Tages ist erst einmal Ruhe angesagt. Gott drückt die „Pause-Taste“ und gönnt sich eine Unterbrechung, bevor er zum nächsten Akt übergeht.
Ein Bekannter hat mir einmal die „Ein-Minuten Regel“ erklärt: „Nimm Dir eine Minute Zeit zwischen den verschiedenen Dingen, die Du tust. Gehe nicht nahtlos von einer Arbeit oder Begegnung zur Nächsten über. Gönne Dir 60 Sekunden zum Durchatmen und Loslassen, bevor Du mit dem nächsten beginnst. Diese Pause befähigt dazu, mit offenem Herzen und klarem Kopf auf die nächste Aufgabe oder Begegnung zuzugehen.
Genau das tat Gott. Er hetzte nicht durchs Schöpfungsprogramm, um Zeit zu sparen (schon der Gedanke daran ist bei einem Gott, der eine Ewigkeit Zeit hat, eigentlich ein Witz). In göttlicher Weisheit teilt Er sich seine Kreativität in überschaubare Einheiten ein. Jeder Tag hat seine eigene Aufgabe – oder seine eigene Plage, wie wir manchmal sagen. Und am Ende eines jeden Tages, jeden Abend drückt er die „Pause-Taste“ und blickt zurück: „Ja, was ich gemacht habe, war sehr gut.“ Und dann tritt er in die Ruhe ein. Was vorbei ist, darf auch vorbei sein.

TAG 2 – Tag der dynamischen Ordnung

Gott sprach: Ordnung.
Das Wasser und der Himmel soll sich voneinander trennen. Wasser oben am Himmel – und Wasser unter dem Himmel. Für alles den richtigen Platz.

Ich bin deutsch genug, um Tag zwei zu lieben. Ich brauche Ordnung. Schon deshalb, weil mein Leben der beste Beweis gegen die Evolutionstheorie ist. Bei mir verwandelt sich nie etwas von Chaos in Ordnung. Es ist immer umgekehrt: dort wo gerade noch Ordnung war, entsteht wie aus dem Nichts heraus plötzlich Chaos. Der eben noch leere Schreibtisch ist auf mir unerklärliche Weise plötzlich voller Zettel und Kaffeetassen. Chaos entsteht immer von selbst, Ordnung muss man aktiv schaffen.
Gott machte es von Anfang an richtig. Er sortiert alles Wesentliche an seinen Platz: Das Wasser oben und das Wasser unten. Er schafft eine gute Ordnung, die aber nicht in Starrheit erstickt, sondern Begegnung der Elemente zulässt. Alles hat seinen Platz, aber nur für eine bestimmte Zeit.
Vor kurzem erklärte ich der zehnjährigen Elizabeth, wie Wolken und Flüsse entstehen. Sie fand es cool. Es begeisterte sie, dass das Wasser von der Erde aufsteigen, „Hallo“ zu den Wolken sagen und mit ihnen reisen kann, bevor es wieder auf die Erde zurückkehrt, um den Pflanzen die nötige Feuchtigkeit zu geben.
Wir fanden es nett von Gott, dass er Wassertropfen nicht für immer an einem Ort einsperrt, sondern ihnen die Möglichkeit gibt, zu verreisen. Vielleicht tauschen sie gelegentlich ihre Erfahrungen aus: Wie es ist, ein Tautropfen im Morgenlicht zu sein oder heißer Dampf, der von einem köstlichen Essen aufsteigt. Oder Schnee, der von Snowboardfahrern in alle Richtungen gestoben wird. Oder als Eiskristall zarte Muster an eine Fensterscheibe zu zaubern, durch einen durstigen Menschen zu fließen oder jahrhundertelang in einem Gletscher festgefroren zu sein.
Das Eiskristall, das endlich der festgefrorenen Enge entflohen ist, hat wahrscheinlich ebenso erleichtert aufgeatmet, wie ich es getan hätte. Ich hasse preußisch–kontrollierende Ordnung, die alles für immer an einen Platz zwingt oder in eine Schublade packt, in der es für immer bleiben muss und wo es keine Ausnahme von der Regel gibt.
Gottes Ordnung ist anders. Sie gibt Schutz und Frieden: einen sicheren Platz für eine Zeit. Aber sie gibt auch Freiheit und die Möglichkeit der Weiterbewegung, wenn die Zeit für Neues gekommen ist.
Tag zwei ist der Tag, an dem ich aktiv Ordnung schaffe. Ich nehme mir Zeit zu überlegen, wie ich Dinge strukturieren und planen kann. Ich frage Gott, wie ich die Beziehungen und Aufgaben meines Lebens gestalten soll. Ich frage ihn, was bleiben soll wie es ist und was sich verändern muss.
An diesem Tag schreibe ich Pläne und Konzepte. Und manchmal räume ich auch auf: ich ordne Schubladen und Ablagen. Ich schmeiße Überflüssiges weg und genieße den Freiraum, den die neue Ordnung mir gibt….bis das Chaos wieder aus dem Nichts heraus auftaucht.

TAG 3 – Tag der Fruchtbarkeit

Gott sprach: “Frucht soll wachsen.”
Und er schuf eine bunte Vielfalt von Pflanzen und Bäumen, die Frucht bringen konnten. Jede Sorte von Pflanzen brachte ihre Sorte von Frucht hervor.

Tag drei ist cool: Viele neue Pflanzen entstehen und vermehren sich. Gott hat Multiplikation und Fruchtbarkeit in das Wesen der ganzen Natur und des Menschen gelegt. Neben den Fragen nach der Identität („Wer bin ich? Woher komme ich?“) und der Beziehung („Bin ich angenommen? Werde ich geliebt?“) ist die Frage nach der Fruchtbarkeit: „Kommt aus meinem Leben etwas Gutes hervor?“ eine der Grundfragen des Menschen.
Ich habe den gesunden Drang, Dinge zu tun, die im Leben anderer Menschen dauerhafte Veränderung (oder Frucht) hervorbringen. Zu den größten Schätzen in meinem Leben gehören Berichte darüber, dass etwas, was ich getan oder geschrieben habe, im Leben einer anderen Person Gutes bewirkt hat.
Ich bete auch, dass ich Frucht „nach meiner Art“ bringen kann: Frucht, die aus dem erwächst, wer ich bin. Keine künstliche Frucht, die dem albernen Versuch entspringt, etwas zu produzieren, was nicht meinem Wesen entspricht, sondern natürliche Frucht. Ich wünschte mir gesunde Frucht, die organisch aus meinem Leben in und mit Gott wächst. Das sind Dinge, wie Geduld, Freundlichkeit, Güte, Liebe, die Dinge, die Gottes Geist durch die Widrigkeit meines „alten Holzes“ hindurch in mir wachsen lässt und die sich auf meine Art ausdrücken.
Es ist schön, zu wissen, dass ich als „Kerstin-Baum“ nach meiner Art Frucht bringen kann. Freundlichkeit oder Sanftmut sieht entsprechend meines Temperamentes sicherlich anders aus als bei einem eher phlegmatischen Menschen. Und das ist auch gut so. Jeder kann und darf das Leben Gottes, das er in uns hineingelegt hat, auf die Art und Weise zum Ausdruck bringen, die dem jeweiligen Menschen entspricht. Da gibt es kein „Schema F“, sondern nur den Auftrag, zu sein, was man ist und Frucht nach der eigenen Art zu bringen.
Ich bete, dass Menschen in der Begegnung mit mir auch Jesus begegnen. Ich wünsche mir, dass Menschen von mir Ideen, Inspiration und Anregungen empfangen können und in der Lage sind, diesen „Samen“ so in ihr Leben zu integrieren, dass er sich mit dem, was in ihrem Leben schon vorhanden ist, verbindet, in ihnen Wurzeln schlägt und anfängt, sich wieder für andere zu multiplizieren.
Ganz praktisch mache ich an diesem Tag viele Dinge, die direkt Menschen dienen. Ich arbeite viel an unserer Homepage (www.down-to-earth.de), um anderen Menschen Information und Inspiration zur Verfügung zu stellen. Und ich koche, wenn ich genug Zeit habe, für Freunde, die an dem Tag zu mir kommen, um gemeinsam Jesus zu begegnen.

TAG 4 – Tag der Lebensrhythmen

Gott sprach: „Der Rhythmus des Lebens entfalte sich!“
Er schuf Jahreszeiten. Tag und Nacht. Gab der Natur und dem Leben Rhythmus und Takt. Und die Gestirne am Himmel, die mit einem Blick nach oben entdecken lassen, in welcher Zeit man lebt.

Während ich schreibe, stolpern noch ein paar Schneeflocken vom Himmel und tanzen im Frühlingswind, der trockene Äste von den Bäumen löst, um Raum für neue Triebe zu schaffen. Die Tier- und Pflanzenwelt erwacht. Tulpen strecken ihre ersten Blätter vorsichtig tastend durch die Erde. Die Krähen suchen in den Vorgärten nach Samen, die der Winter verschont hat. Das Frühjahr ist eine verrückte Zeit. Weiches Grün kämpft sich durch gefrorenen Boden. Es ist eine Zeit des Kampfes. Das Leben überwindet mit der Energie des Neuen die alten Hindernisse.
Das war Gottes gute Idee: Alles hat seine Zeit: Der Kampf und die Ruhe, das Pflanzen und Ausreißen, das Festhalten und Loslassen. Er schuf Zeiten und Rhythmen, damit wir mit einer Welt klarkommen, wo sich Landesgrenzen schneller verschieben als Schaufensterdekorationen und das auf und ab der Geschäftswelt und der Börsen mehr dem Bungee-Jumping gleicht, als gesunder Logik. In dieser Welt haben Jahreszeiten, der Wechsel von Tag und Nacht, Sonnen- und Mondlicht, Saat und Ernte, in denen Vertrautes zurückkehrt, etwas erfreulich Beruhigendes.
Gottes rhythmische Lebensmuster werden bestehen bleiben, bis die Zeit auf dieser Erde vorüber ist.
Ich wünsche mir, diesen Wechsel der Zeiten besser zu verstehen und zu lernen, im natürlichen Rhythmus des Lebens zu fließen, statt mich dagegen zu stemmen. Je nachdem, in welcher Zeit man sich befindet, muss man das Leben anders leben. Wenn die Zeit der Geburt gekommen ist, muss man mit aller Kraft pressen und alle Energie aufbringen, um das Leben hervorzubringen, das hervorkommen will.
Aber es hat keinen Sinn, Druck zu machen, wenn es noch Winter ist und der harte, gefrorene Boden noch keinen Lebensraum für das Neue bietet. In diesen Zeiten ist es besser zu warten, selbst zur Ruhe zu kommen und Dinge einfach geschehen zu lassen. Abwarten und Tee trinken. Der neuen Zeit mit Gelassenheit und Spannung entgegensehen. Und dann losgehen, wenn der Frühling kommt und sich zur Fülle des Lebens im Sommer entfaltet.
Am vierten Tag versuche ich bewusst zu hören: ich will von Gott her spüren, was jetzt zum Leben kommen will und was besser noch warten muss. Das können Projekte, aber auch Beziehungen sein. Ich versuche sensibel zu sein für die Stimme meines Körpers, der besser als mein Kopf weiß, wie viele Energiereserven noch zur Verfügung stehen. Und für die leise Stimme des Heiligen Geistes, der den besseren Überblick darüber hat, wie die „Großwetterlage“ ist. Es ist ein Tag des Fragens, des Hörens und des Spürens. Ein schöner Tag.

Tag 5 – Tag des sprudelnden Lebens

Gott sprach: „Das Leben soll überfließen!“
Und er schuf Vögel, die überall durch den Himmel zischten und der Ozean blubberte und vibrierte von einer Vielzahl von Fischen, die sich ihr neues Element zu eigen machten.

An diesem Schöpfungstag sprudelt das Leben über. Es blubbert und plantscht, flattert und fliegt. Tausende von Vögeln und Meerestiere erkunden voller Neugierde den neuen Lebensraum. Sie lernen zu fliegen und zu zwitschern, zu schwimmen und zu tauchen. Die Fülle des Lebens sprengt fast den Behälter, in dem es sich befindet. Explosives, freudvolles Leben. Das Lied der Schöpfung aus 1000 Kehlen. Walfische sprühen den Takt in Fontänen dazu.
Tag fünf ist ein Tag der Entdeckungen. In meiner Beziehung mit Gott brauche ich nicht im Gewohnten steckenbleiben, sondern kann immer wieder neue Facetten seines Lebens entdecken. Ich habe einen Kalender, auf dem für jeden Tag, 365 Tage im Jahr, ein anderer biblischer Name steht, der Gott beschreibt. Wenn ich mir täglich fünf Minuten Zeit nehme, um über einen dieser Namen und die Wesenszüge Gottes, die er beschreibt, nachzudenken, werde ich in 12 Jahren gerade mal eine Stunde über jeden seiner Namen nachgedacht haben. Es gibt so viel an und mit ihm zu entdecken!
Am Tag fünf freue ich mich auch, dass ich in meiner Welt Neues entdecken kann. Diese wunderbare, bunte Welt wurde für uns geschaffen. Wir können im Wind stehen und das Leben genießen, auf Gipfel klettern und das Panorama bestaunen oder die Tiefen des Meeres erkunden und die Farben von Meeresfischen, Riffen und Korallen bewundern.
Meistens reicht das Geld nicht, um die „großen“ Wunder zu entdecken. Aber auch in meiner „kleinen“ Welt gibt es viel zu erkunden. Am Tag fünf erlaube ich mir mehr als sonst, zu leben und Dinge zu tun, die ich besonders gerne mag.
Es kann sein, dass ich Orte erkunde, an denen ich noch nie war: neue Coffee-Shops, Kneipen oder Museen. Oder ich nehme mir vielleicht Zeit, eine Ecke meiner Stadt zu erforschen, die mir noch nicht vertraut ist. Ich tue die Dinge, die für mich bedeuten, das Leben in der Fülle zu genießen.
Gelegentlich bin ich an diesem Tag verschwenderisch. Ich gönne mir Dinge, die ich mir sonst nicht so leicht gönnen würde. Etwas Besonderes zu essen, eine neue CD oder ein tolles, verrücktes Kleidungsstück. Fülle des Lebens. Ein Tag voll Jubel für den Schöpfer. Manchmal gesprochener Lobpreis oder gesungen oder getanzt. Aber häufig einfach nur gelebt. Weil es Gott als Schöpfer ehrt und freut, wenn ich die Fülle der Schöpfung genieße.

Tag 6 – Tag der Vollendung und Gemeinschaft

Gott sprach: “Ich habe alles gut gemacht!!“
Gott vollendete alles, was er durch sein Wort gemacht hatte. Licht, Ordnung, Pflanzen, Zeiten, Tiere. Er gestaltete den Menschen. Danach sah er sich alles noch einmal in Ruhe an. Und kam zu dem Ergebnis, dass es sehr gut war.

Nun machte Gott alles fertig: Er vollendete die restlichen Säugetiere und den wunderbaren Lebensraum, den er einer neuen Kreatur zum Genießen und Bewahren anvertrauen wollte. Als letztes schuf Gott den Menschen. Bei der Erschaffung aller anderen Dinge hatte er nur sein kreatives Wort gebraucht, aber nun formte er den Menschen in seinen kräftig-zarten Händen.
Ich töpfere gerne und kenne das Gefühl liebevoller Verbundenheit mit den Dingen, die ich mit meinen Händen schaffe. Zärtliche Liebe muss Gott erfüllt haben, als er all die Details des menschlichen Körpers modellierte: Augenbrauen, Ohrmuscheln, Hände, Füße, Geschlechtsorgane, Fingernägel und die Härchen in den Ohren.
Anschließend blies er sein göttliches Leben in den Menschen hinein. Tag sechs erinnert mich daran, dass ich Leben aus der übernatürlichen Dimension empfangen habe. Ich gehöre gleichzeitig zu einer irdischen Welt, mit menschlichen Problemen, Herausforderungen und Chancen und zu einer himmlischen Welt, in der andere Werte und Regeln gelten und wo Gott, das Leben, selbst der Maßstab ist.
Als Mensch brauchen wir sowohl die „himmlische“ als auch die „irdische“ und zwischenmenschliche Dimension, um gesund zu leben. Erst als der Mensch Zugang zu diesen beiden Dimensionen hatte, versiegelte Gott den Akt der Schöpfung mit seinem zufriedenen „sehr gut.“
Das war sein Urteil, als er auf sechs kreative Tage zurückblickte. Er lächelte, als er sich die Stadien der Schöpfung in Erinnerung rief: Die Erschaffung der Stinktiere und Schmetterlinge, Kängurus, Elefanten, Walfische, Wanzen und Rosen. Er beurteilte sein Werk.
Ich vergesse oft zurückzusehen und hetze von einer Aktivität zur nächsten. Das Ergebnis davon ist innere Unruhe und das Pech, aus Fehlern nicht klug zu werden. Das beste Gegenmittel: beurteilender Rückblick.
Der sechste Tag eignet sich für Reflektion: Morgens auf dem Sofa, mit einer großen Tasse Milchkaffee in der Hand, komme ich zur Besinnung. Ich betrachte meine Erfolge und kann sie lächelnd zurück in Gottes Hand legen: „Danke, Vater“. Ebenso blicke ich auf Sünde, Enttäuschungen und zwischenmenschliches Versagen zurück. Ich sehe die unerledigten Aufgaben, die geplatzten Träume und unerfüllten Erwartungen. Und ich kann das alles in Hände legen, die größer sind als meine. Gottes Hände, die Negatives verwandeln können. Zärtliche und starke Hände, die mich halten, so wie ich meine Tasse halte. Ich kann erleichtert aufatmen und sagen: „Ja, jetzt ist es gut!“
Der Rest des Tages gehört Freunden, weil es nicht gut ist, dass der Mensch alleine ist. Das Leben ist schöner, wenn man mit anderen genießt. Ich kaufe ein und habe Zeit für Gemeinschaft, Radtouren, Partys und Feiern, Zeit um mit anderen Menschen, Mensch zu sein.

Tag 7 Tag der Ruhe

Gott sprach: „Ruhe.“
Alles Geschaffene ist vollendet. Jetzt ist Zeit, einfach nur zu sein.

Gott hielt den siebten Tag von den Anforderungen und Aufgaben der irdischen Welt frei, um Raum für die andere Dimension zu schaffen. Diesen Tag reservierte sich Gott, um nichts zu tun, sondern um nur Gott zu sein.
Er lädt den Menschen ein, daran Anteil zu haben. Der siebte Tag, der Tag der Ruhe, war der erste Tag, den der frisch geschaffene Mensch auf der Erde erlebte. Gott hatte die Schöpfung beendet und ruhte. Er ruhte sich nicht aus, denn er war nicht erschöpft. Er ruhte nicht aus, er ruhte nur in sich selbst.
Der Mensch hatte auch noch nichts getan, was Erholung erfordert oder „verdient“ hätte: Weder Gartenarbeit noch geistliche Übung, gar nichts, was eine Ruhepause gerechtfertigt hätte. Gott hatte überschäumende Freude an der Gemeinschaft mit dem Menschen und beschenkte ihn mit diesem „in der Ruhe mit Gott sein“.
Er gab dem Menschen das Geschenk der Ruhe nicht nach der Arbeit, sondern als Ausgangsbasis für alle Aktivität. Sein Plan war, dass wir die Gemeinschaft mit Gott genießen und aus dieser Ruhe heraus unseren Auftrag angehen sollten. Unser Tun sollte aus dem Sein bei und mit ihm geschehen. Der Mensch sollte sich nicht durch gute Arbeit Gottes Anerkennung und Wohlwollen verdienen, sondern er sollte mit der gelassenen Gewissheit arbeiten, dass ihm diese Liebe und Anerkennung bereits geschenkt wurde.
Gott lädt uns ein, in seine Ruhe einzutreten, wie in einen ummauerten Garten. Er will, dass wir uns in seiner Gegenwart aufhalten und bei ihm sind. Dazu hat er uns geschaffen. Er sehnt sich danach, dass wir Zeit mit ihm verbringen und ihn erfahren. Es genügt nicht, vom Baum der Erkenntnis immer neue Früchte des rein intellektuellen Wissens zu pflücken. Was wir brauchen ist die persönliche Erfahrung, die aus der Begegnung mit dem Schöpfer kommt.
Das bedeutet, zur Ruhe zu kommen und Abstand zu nehmen von unseren albernen Versuchen, Gott durch unsere Arbeit und Leistung gefallen zu wollen. Wir gefallen ihm ohnehin. Er betrachtet uns mit den Augen der Liebe des Schöpfers und des Erlösers, der alles schon getan hat. Deshalb ist der siebte Tag auch Zeichen des Bundes mit uns. In dieser Bundes-Liebe können wir zur Ruhe kommen. Wir können ruhen in dem Wissen, dass er unser Leben lenkt und zur Entfaltung bringt: mit all den verschiedenen Aspekten von Kreativität bis Ordnung, die er in unser Menschsein hineingelegt hat. Und wir können ruhen in dem Wissen, dass seine Absichten mit dem Universum, der Menschheit und unserem persönlichen Leben in ihm bereits zur Erfüllung gekommen sind: Im Garten der Schöpfung und am Kreuz.

Kerstin Hack, Juli 2002 Zuerst publiziert in der Zeitschrift Aufatmen. Die positive Resonanz auf diesen Artikel veranlasste Kerstin Hack dazu, ein ganzes Buch zu dem Thema zu schreiben: Swing. Lebe im Rhythmus der Schöpfung.

Autor: kerstin

Kerstin Hack, Autorin, Verlegerin und Coach. Mehr über sie gibt es unter http://www.down-to-earth.de und auf ihrem Blog Kerstin pur: http://www.kerstin.down-to-earth.de