Rebekka Tonne: Kerstin Hack im Porträt

KerstinEs gibt nicht viele Frauen in Deutschland, die es wagen, ihre eigene Firma aufzubauen. Erst recht nicht viele christliche. Eine große Portion Mut und Optimismus sind dazu gefragt. Eine, die diesen Mut aufgebracht hat, ist Kerstin Hack. Die schlanke, dunkelhaarige Frau mit den funkelnden grünen Augen gründete im Jahr 2000 Down to Earth, ein Dreiklang aus Verlag, Seminaren und Beratungsangebot mit Sitz in Berlin. Bekannt wurde sie durch die deutsche Ausgabe der „Transformation“-Videos und ihr Buch „Swing – lebe im Rhythmus der Schöpfung“. Mit ihrer lebensnahen und ungezwungen-quirligen Art ist sie gefragte Referentin – egal ob in Gemeinden, bei Frauengruppen oder Business-Events.

Es ist 20 Uhr an einem Freitagabend in Berlin-Friedenau. Das Abendlicht glänzt noch golden über den Dächern. Kerstin ist auf dem Weg zu einer Verabredung in einem ihrer Lieblingsrestaurants, einem mexikanischen. Einen roten Schal über die schlanken Schultern geschwungen läuft sie zügig die Gehwege entlang. Unterwegs und schnell, bezeichnend für Kerstin. Während sie bestimmten Schrittes geht, blicken ihre funkelnd grünen Augen ständig um sich und scheinen zu erwarten, dass die Häuser und Bäume oder der alte Mann mit der Einkaufstasche ihr eine Inspiration geben. Vielleicht für den Freund, der einen passenden Namen für sein Start-up-Unternehmen sucht? Das Notizbuch steckt jedenfalls griffbereit in der sportlich-schwarzen Handtasche.

Kreativ – dieses Wort ist zu klein, um Kerstin Hack zu beschreiben. Man müsste es mit 100 multiplizieren um dieser übersprudelnden Quelle von Ideen annähernd gerecht zu werden. Mit einer guten Portion Selbstbewusstsein, Optimismus und Gottvertrauen gesegnet, ist sie vor allem eins: eine starke und lebendige Frau.

1967 in Franken geboren, machte Kerstin Hack nach ihrem Abitur ein freiwilliges soziales Jahr in der Großküche einer internationalen Organisation in England.  Sie flachst: „Nach einem Jahr Töpfeschleppen und Suppe rühren hab ich problemlos zwanzig Liegestütze an einem Stück geschafft.“ Sie genoss das internationale Flair, die Begegnungen mit Menschen aus aller Welt und hat anschließend in Tübingen und Singapur Ethnologie (Völkerkunde) und Anglistik (englische Literatur) mit Schwerpunkt interkulturelle Kommunikation studiert. „Übersetzen fand ich schon immer spannend, und damit sich Menschen aus unterschiedlichen Welten begegnen können, braucht es Leute, die verschiedene Kulturen kennen und zwischen ihnen übersetzen und vermitteln können.“

Als Übersetzungsarbeit sieht sie deshalb auch die Tätigkeit ihrer Firma Down to Earth. Der englische Begriff bedeutet so viel wie „herunter zur Erde“ und „bodenständig“. Immer wieder ist sie begeistert darüber, wie Gott Prinzipien und Ideen gegeben hat, das Leben aktiv zu gestalten. Die will sie „aufschnappen“ und dann „vom Himmel auf die Erde“ holen und Menschen helfen, sie im Alltagsleben greifbar und handfest umzusetzen. Geistliche Luftblasen und theoretisches Geplänkel liegen ihr nicht – was sie schreibt ist lebensnah, praktisch und gewürzt mit einer guten Prise Humor.

Zum Beispiel ihr neues Buch „Spring. Hinein ins volle Leben“, das in diesem Herbst (2007) erschienen ist: „Ich kenne zu viele Menschen, die nur existieren, sich aber lange nicht mehr wirklich lebendig gefühlt haben. Für sie habe ich das Buch geschrieben.“ Es erzählt ehrlich von eigenen Erfahrungen und gibt – typisch für Kerstin – jede Menge praktischer Tipps zur Umsetzung. Eben Down to Earth.

Erst nachdem sie Spring fertig geschrieben hatte, erfuhr Kerstin, dass die Aussage Jesu „Ich lebe und ihr sollt auch leben“ aus Johannes 14, 19, die sie zum Schreiben inspiriert hatte, die Jahreslosung für 2008 sein wird. Zufall. Vielleicht. Sie hält es für denkbar, dass Gott sie bei der Auswahl des Themas geführt hat – ganz unspektakulär. Und doch lebendig.

Neben den „großen“ Büchern hat Kerstin auch eine Reihe kleiner Mini-Bücher geschrieben und herausgegeben. Auch das ist eher zufällig entstanden. Der Leiter des stadtweiten Netzwerks „Gemeinsam für Berlin“ bat sie Anfang 2006, zwei Mini-Bücher über Gebet für die eigene Umgebung zu publizieren. Und weil diese „Pixihefte für Erwachsene“ bei den Lesern so gut ankamen, schrieb sie gleich noch ein Dutzend weitere: über kreativ beten, Vaterliebe Gottes, Glück, Lieben, umweltfreundliches Leben im Alltag. Also Glaubens- und Lebensthemen in einer bunten Mischung.

Der Grund, warum Kerstin Hack so viel zu geben hat, ist sicherlich auch der, dass sie aus ihren eigenen Erfahrungen gelernt hat. Es klingt so, als ob ihr alles leichtfällt und zufällt und es ist zweifelsohne eine Stärke von Kerstin Hack, Chancen, die sich ihr bieten, zu ergreifen. „Zufall ist, was mir zufällt – und es ist mein Job, das, was mir zufällt, festzuhalten und etwas daraus zu machen.“ Aber sie kennt auch schwere Zeiten. Ihr Mut in die unternehmerische Selbstständigkeit zu gehen, schützte sie leider nicht davor, schlechte Entscheidungen zu treffen und von unzuverlässigen Partnern betrogen zu werden. Auch das gehört zum Geschäft. Sie spricht offen darüber und man merkt ihr an, dass es nicht leicht für sie war, mit zwischenmenschlichen Enttäuschungen und ihren finanziellen Folgen klarzukommen. Es war sogar ziemlich hart. Aber sie schaffte es – unterstützt von guten Freunden – und sie lernte daraus. Zur Unternehmensführung gehört eben nicht nur Kreativität, sondern auch Wissen um Geschäftsabläufe, Marketing und Sales ebenso wie Menschenkenntnis, die sie sich mühsam „nebenbei“ aneignen musste: „Ich versuche im Meer des Nichtwissens ein paar Brücken zwischen den Inseln des Wissens zu bauen!“, lacht sie. Ehrlich. Und auch ein wenig ernst. Leicht ist es nicht immer.

Wenngleich Kerstin eine Frau voller Ideen ist, träumt sie selten davon, etwas Großes zu vollbringen. Sagt sie jedenfalls. Stattdessen fängt sie meistens damit an, das Naheliegende zu tun. Sie ist selbst oft am meisten überrascht ist, wenn Gott etwas Großes aus ihren eher pragmatischen Anfängen macht. Und so war es eigentlich schon immer: Kurz nachdem Kerstin sich im Alter von 10 Jahren bekehrt hatte, fing sie an, bei der Jungschar im Nachbarort und bei Mädchenfreizeiten zu helfen: „Ich war mit 13 Jahren jünger als einige der Teilnehmerinnen und musste den Leitern versprechen, niemandem zu verraten, wie jung ich bin. Das hat geklappt.“

Als sie 16 Jahre alt war, bewegte es sie, dass es an ihrem eigenen Wohnort keine einzige Bibelgruppe oder ähnliches gab. Sie betete, dass sie Christen kennen lernen würde, falls es denn welche gäbe. Bei einem Preisausschreiben gewann sie einen Platz auf einer Winterfreizeit und lernte dort eine gläubige Frau aus ihrer Stadt kennen. Gemeinsam gründeten sie einen Hauskreis zu dem sie interessierte Nicht-Christen einlud. „Zum Glück hat mir damals niemand gesagt, dass man so etwas als Teenie nicht machen darf. Ich hab es einfach getan“, kommentiert sie heute diese bewegende Zeit. Auch an ihrem Gymnasium erlebte sie, dass durch die Gebete von ihr und ihren Freunden viele Mitschüler zum Glauben kamen, darunter eine Mitschülerin, die sich in okkulte Praktiken verstrickt hatte und deren Vater nach dem Gebet durch andere Christen schlagartig von Gesichtskrebs geheilt wurde. Kerstin konnte nur staunen und mithelfen, die Fragen der vielen neuen Christen in ihrer Jahrgangsstufe zu beantworten.

Das Naheliegende tun – darin besteht nun auch ihre Arbeit bei „Down to Earth“. Zum Beispiel mit ihrem Benefizkalender für obdachlose Familien in Afghanistan, von dessen Erlös mehrere Häuser gebaut werden konnten. Sie wollte 2003 eigentlich nur die Arbeit einer Hilfsorganisation kennen lernen und über sie schreiben. Also bereiste sie das Land, lernte Menschen und Projekte kennen. Als sie anschließend ihre eigenen ausdrucksstarken Fotografien sah, entschloss sie sich, einen Benefizkalender zu publizieren von dessen Erlös Baumaterialien gestiftet wurden – mit dem Ergebnis, dass einige Familien mehr ein Dach über dem Kopf haben.

Kerstin Hack ist eine absolute Pionierfrau. Am Liebsten schubst sie mit ihrem gesammelten Schwung Dinge an. Und sieht das auch primär als ihre Aufgabe. „Wenn etwas gut läuft, empfinde ich: Nun braucht man mich nicht mehr. Das können andere genauso gut oder besser weiterführen.“

Dem ein oder anderen mag so viel Schwung zu viel und so viel Kreativität zu anstrengend sein – vor allem, weil die meisten Menschen Kerstin nur in den „dynamischen“ Momenten erleben. Aber zu ihr gehören genauso die stillen Reflexionsstunden zum Auftanken auf dem Balkon oder ihrem roten Sofa und längere „Stille Tage“ ein oder zwei Mal im Jahr, zu denen sie sich in das Gästehaus eines nahe gelegenen Klosters zurück zieht. Diese Zeiten braucht sie. Und irgendwie sieht man Kerstin auch an, dass vieles von dem, was sie sagt, selbst erlebt, durchlebt und manchmal auch durchlitten ist. Diese Zeiten geben ihr zu all der Kreativität eine glaubwürdige Tiefe.

Fakt ist, dass von der Energie dieses Wirbelwindes eine Menge Menschen profitieren. Und nicht nur ihr großer Freundeskreis, ihre Hausgemeinde und die Leser ihrer Bücher, Impulshefte oder ihres Internet-Tagebuchs (Blog) „Kerstin pur“. Seit 2006 arbeitet sie verstärkt als Coach und Beraterin. Ein Funkeln umspielt ihre Augen als sie sagt: „Ich liebe es, wenn der Knoten platzt und ein Mensch motiviert sein Leben wieder in die Hand nimmt. Das begeistert mich!“ Dabei präsentiert sie den Menschen, die sie berät, keine fertigen Antworten, sondern unterstützt ihre Klienten vielmehr durch gezielte  Fragen  dabei, ihren eigenen Weg aus dem Problem zu finden. „Woher soll ich denn auch wissen, was Jemand am besten tun sollte? So sehr kann ich mich gar nicht in das Problem hinein denken. Ich kann aber den Personen durch gute Fragen und Reflexionen helfen, ihre für sie passende Lösungen zu entdecken und Schritte zu unternehmen, um ihre Situation zu verbessern.“ In diesem Sinne ist der Beratungs- und Coachingbereich ihrer Tätigkeit auch Übersetzungsarbeit: Zwischen dem Menschen und sich selbst.

Beziehungen zwischen Menschen stärken – auch dafür steht sie. Freunde sind ihr wichtig. Fast die wichtigste Zutat im Cocktail-Leben der Single-Frau. Sehr dankbar und glücklich ist sie für diese Wegbegleiter. Für die Freundin mit der sie betet und träumt und die für sie da ist, wenn sie mal durchhängt und mit der sie gemeinsam Projekte für ihre Stadt Berlin ausheckt. Für die Inspirations-Freundin, mit der sie sich über persönliche und inhaltliche Fragen austauscht, fast täglich Emails schreibt oder auch mal einen gemeinsamen Schreib-Urlaub macht. Oder für den sensiblen Künstler-Freund, der sie immer wieder dazu aufgefordert hat, ihren eigenen Gefühlen auf die Spur zu kommen und so wesentlich zu ihrer persönlichen Entwicklung beigetragen hat. „Als Single hat man niemanden, der (zumindest theoretisch) ständig für einen verfügbar ist, wenn man jemanden zum Reden, Trösten oder für Unternehmungen braucht. Es ist sicher anstrengender als in einer Ehe, die Partner für Unternehmungen immer wieder neu suchen zu müssen. Aber es hält das Leben auch lebendig.“

Eins wird Kerstin Hack mit Sicherheit nicht tun, und das ist stehen bleiben. 2007 ist sie 40 geworden. Motto ihrer Geburtstagsfeier war „Mit 40 hat man noch Träume – und weiß, sie sich zu erfüllen.“.

Unterwegs und schnell – weiterhin also der Rhythmus dieses Paradiesvogels.

Und während sie die Tür zum Restaurant mit Schwung öffnet, bleibt sie plötzlich stehen, kramt ihr kleines Notizbuch hervor und notiert sich eilig eine Idee für den Freund mit dem Start-up-Unternehmen. Kreativ eben.

 

Dieses Porträt erschien zuerst in der Zeitschrift Joyce 2008. www.joycenet.de Mit freundlicher Genehmigung.

 

Autor: kerstin

Kerstin Hack, Autorin, Verlegerin und Coach. Mehr über sie gibt es unter http://www.down-to-earth.de und auf ihrem Blog Kerstin pur: http://www.kerstin.down-to-earth.de

2 Gedanken zu „Rebekka Tonne: Kerstin Hack im Porträt“

  1. Hallo Frau Tonne,
    ist das beabsichtigt oder ein Versehen – in 2013 einen Artikel von 2007 zu veröffentlichen?
    Bin etwas verwundert beim Lesen, dass die aktuellen Entwicklungen (Projektschiff u.ä.) hier nicht auftauchen…
    Aber ansonsten: Ja, Frau Hack ist eine unwahrscheinlich kreative und andere inspirierende Frau. Gottes Segen weiter für sie.
    LG, A. Meissner

  2. Hallo, lieber Andreas Meissner, der „alte“ Artikel war Absicht. Wir sind in den letzten Monaten mal unser Archiv durchgegangenund haben überlegt, welche Artikel, die dort noch lagen, vielleicht für andere Menschen interessant sein könnten. Den Artikel von Rabekka Tonne, die übrigens mittlerweile Cuhls heißt, fanden wir so schön – und von der Grundbeschreibung her immer noch passend – dass wir ihn mit zur Verfügung gestellt haben.
    Sie haben natürlich recht – die neueren Entwicklungen sind da nicht drin – aber die kann man ja im Blog von Kerstin Hack nachlesen.

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