+klartext+ im Gespräch mit Kerstin Hack: Jahr der Stille – Stille will gelernt sein

+klartext+: „Autorin, VeBankrlegerin, Coach, Berlinerin, Anfang vierzig, Single, kreativ, extrovertiert, voller Ideen und Inspiration, sensibel, das Leben liebend“ – mit genau diesen Worten stellst du dich deinen Lesern in einem Buch vor. Das ist eine Beschreibung, in die ein Wort wie „Stille“ so gar nicht zu passen scheint …

Kerstin Hack: Doch, das passt trotzdem. Ich nehme mir eigentlich jeden Morgen – und manchmal auch abends – Zeit zur Stille, zum Gebet, zur Reflexion. Darüber hinaus halte ich den ersten Tag des Monats für Stille, Reflexion und Planung frei und gestalte in der Regel zwei mehrtägige Stille-Auszeiten pro Jahr. Diese Zeiten geben mir Kraft und Energie, die ich in meinem turbulenten Alltag brauche.

+klartext+: Inwiefern spielt Reflexion eine Rolle in Stille-Zeiten?

Kerstin Hack: Mich beeindruckt, dass Gott am Ende jedes Schöpfungstages und am Ende der Schöpfungswoche innehielt, um sein Werk zu betrachten. Für mich ist Reflexion ein ganz wesentlicher Bestandteil der Stille. Ich frage mich: „Was ist gewesen? Was hat mich bewegt? Was war gut? Was war schlecht?“ Wenn mir klar ist, was war, kann ich es leichter mit Gott teilen. Das Schöne feiern und das, was traurig war, seinen Händen anvertrauen … und dann still werden.

+klartext+: Stille ist also nicht erst seit der Aktion „Jahr der Stille*“ ein Thema für dich?

Kerstin Hack: Nein, ich habe es mir schon vor Jahren zur wohltuenden Gewohnheit gemacht, Stille Tage fest einzuplanen und die Termine in den Kalender zu schreiben – sonst füllen andere Dinge diese Tage. Aktuell ist für mich eine große Herausforderung, mit der Flut an Informationen umzugehen, die täglich auf mich einströmt. Hier zu filtern, unnötige Infos abzubestellen und so effizient wie möglich zu antworten, damit Freiraum für Wesentliches bleibt. Hier möchte ich im „Jahr der Stille“ konkret lernen, Angesichts der Infoflut ruhig und souverän zu bleiben.

+klartext+: Reicht es, sich einfach ein wenig Zeit freizuhalten für Stille, oder gehört da mehr dazu?

Kerstin Hack: Ich bin vom Temperament und Ideenreichtum ein Wirbelwind – und alles andere als still. Daher versuche ich, optische und akustische Unruhe sowie Infomüll so gut es geht zu reduzieren. Wenn Kopf und Herz übervoll sind, dann hilft mir Bewegung … erst mal rausgehen und laufen, denken, mit Gott reden. Darüber hinaus empfinde ich Rituale als hilfreich. Mit einer Tasse Tee oder Milchkaffee in der Hand oder an einem vertrauten Ort, an dem ich immer wieder die Stille suche, ist es leichter, zur Ruhe zu kommen als „einfach so irgendwo“.

+klartext+: Und wie sieht solch eine Zeit der Stille bei dir in etwa aus? Schweigst du die ganze Zeit?

Kerstin Hack: In den täglichen, kürzeren Zeiten der Stille lese ich einen Text, bete oder sitze einfach nur da und lasse die Gedanken kommen und richte sie an Gott und notiere Impulse. In längeren Zeiten habe ich oft mein Stille-Buch dabei, in dem ich mir wichtige Gedanken aus der täglichen Stille notiert habe. Die lese ich noch einmal durch, versuche, den roten Faden des Redens Gottes darin zu entdecken – oder mich auch einfach nur an das zu erinnern, was ich in der vorausgegangenen Zeit entdeckt habe.

+klartext+: Das klingt, als wären diese Zeiten immer richtig gut und gewinnbringend …

Kerstin Hack: Es gibt auch frustrierende Zeiten, z. B. wenn ich unruhig bin, weil ich Angst vor dem habe, was in mir zum Vorschein kommen könnte: alte Ängste oder was auch immer. Da hilft es mir – manchmal – einfach zu fragen: „Was bewegt dich gerade?“ Oder eben erst mal raus zu gehen und zu laufen.

+klartext+: Ganz lieben Dank, Kerstin, dass du dir die Zeit genommen hast für unsere Fragen!

 

*Jahr der Stille 2010 – eine Initiative verschiedener christlicher Kirchen, Werke und Einrichtungen  http://www.jahr-der-stille.de

 

Büchertipps zum Thema:

Kerworte_zur_stillestin Hack: Worte zur Stille. Zitate und Gedanken, die zur Ruhe führen. Down to Earth.

Impulsheft, 2,50 Euro. Bestellbar direkt beim Down to Earth Shop.

 

 

hack-kerstin_stille

Kerstin Hack: Stille. Impulse, im Alltag zur Ruhe zu finden. Down to Earth.

Impulsheft, 2,50 Euro. Bestellbar direkt beim Down to Earth Shop.

 

 

Stille-finden

Birgit Schilling, Kerstin Hack: Stille finden. Aus der Ruhe leben lernen. Down to Earth.

Quadro, 5,00 Euro. Bestellbar direkt beim Down to Earth Shop.

 

 

 

Autor: kerstin

Kerstin Hack, Autorin, Verlegerin und Coach. Mehr über sie gibt es unter http://www.down-to-earth.de und auf ihrem Blog Kerstin pur: http://www.kerstin.down-to-earth.de

15 Gedanken zu „+klartext+ im Gespräch mit Kerstin Hack: Jahr der Stille – Stille will gelernt sein“

  1. danke fuer diesen link..und wirklich beeindruckend, wie du es schaffst, dir konsequent zeit fuers stillwerden zu nehmen. mir fällt es schwer, still zu werden/sein..wie schaffst du es, dass deine gedanken nicht zu ganz anderen themen wandern? (heut muss ich ja noch…)… ist das sozusagen übungssache? oder hast du bestimmte rituale, mit deren hilfe du ruhig u konzentriert wirst/bleibst?

  2. Hallo, Petra
    Danke für das warme Feedback. Wandernde Gedanken sind auch für mich das größte Problem für die Qualität der Stille. Dass ich mir Zeit für Stille nehme, heißt noch lange nicht, dass sie immer gut ist. Manchmal ist sie auch frustrierend schlecht.
    War mir hilft:
    – Bewegung. Beim Spazierengehen oder auch laufen in der Wohnung oder sanftem Trampolinspringen finde ich es leichter, bei der Sache zu bleiben.
    – Visuelle Reize ausblenden: Ich bin ein sehr visueller Mensch und reagiere stark auf das, was ich sehe. Wenn es dunkel ist und nur eine Kerze brennt oder ich auf dem Balkon sitze und nur Pflanzen sehe, fällt mir das leichter.
    – Zettel: ich habe immer Zettel neben meiner Bibel liegen. Auf die notiere ich, was mir durch den Kopf geht, was ich noch erledigen muss usw. Heute Morgen waren es sieben Zettel! Das ist schon Rekord, aber zwei oder drei sind es oft. Was auf dem Zettel ist, ist erst mal raus aus dem Kopf. Das tut gut.

  3. hallo kerstin,

    danke für deine tipps.
    Gerade, wenn es dir nicht immer leicht fällt, ist es umso schöner, dass du dranbleibst und dir jeden tag dafür zeit nimmst..Ich finde ja die tollsten ausreden vor mir selbst, was jetzt grade „dringender“ ist

    Ich musste schmunzeln, dass du manchmal „stille“ beim zb trampolin-springen suchst…echt fantasievoll:)

    Danke auch für deinen tipp mit den zetteln – was schriftlich festgehalten ist, muss ich nicht mehr krampfhaft „speichern“…super!

    Weil ich auch ein sehr visueller mensch bin, half mir manchmal auch, mir manche textinhalte oder auch nur einzelne worte (oder sogar auch nur den namen „Jesus“) bildlich vorzustellen, um fokussiert zu bleiben..so können sich manchmal andere bilder und gedanken nicht so leicht dazwischendrängen…Aber es fällt mir immer noch schwer…

    danke auf jeden fall für deine gedanken dazu:)

  4. PS Ich habe gerade Deinen Artikel „“Weniger reden..mehr sagen..Gebetszeiten reduzieren“ und finde ihn grossartig !! (wie konnte ich den verpassen?:) Vor allem Punkt 10 („Auf Gott hören“) spricht mich sehr an, denn immer wieder ertappe ich mich dabei, Gott nur „co-pilotieren“ zu lassen (mein Wille geschehe..), anstatt komplett das Ruder zu übergeben..Danke !

  5. Gerne…Dein Artikel war jetzt grade wie ein Schubser von „oben“ für mich, wie ich mit Gott klarer kommunizieren und Ihm dadurch näher kommen kann..Clever:)

  6. Danke…und deine Kommentare ermutigen mich, auch mit Sachen, die eher Fleißarbeit und nicht sonderlich kreativ und aufregend sind, wie Artikel online stellen, weiterzumachen. DANKE!

  7. Ja, bitte ! Auch wenn Deine Leser nicht immer darunter kommentieren, bewirken Deine Artikel sicherlich beim einen oder anderen immer wieder Aha-Erlebnisse.

    Man sieht Dinge aus einer anderen Perspektive, lernt von anderen Erfahrungen (zB Deine Stille-Tipps heute) etc. (Und nicht zuletzt bin ich überzeugt, daß auch Gott durch Bücher, Artikel zu uns sprechen kann…)

  8. 😉 ja…das ist sicher so. Man sagt, dass auf EINEN der Rückmeldung gibt, 100 kommen, die das gleiche denken. Ich gehe jetzt raus und mache Pause…vielleicht bete ich sogar ein bisschen!

  9. Mach ruhig weiter mit online-stellen von Artikeln!! Ich lese sie auch meistens und nehme immer gute Gedankenanstöße mit, will aber nicht immer einen persönlichen Kommentar in die weite, öffentliche online-Welt hinausposaunen

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