Kerstin Hack: Wie man Freundschaften ruiniert – Kleines Lexikon der Gemeinschaftszerstörer

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Freundschaft und Vertrauen brauchen Zeit, um zu wachsen. Sie zu zerstören geht meist viel schneller. Einige der effektivsten Wege, um Freundschaften kaputt zu machen, zeigt dieses kleine, bissige Lexikon. Die Handlungsweisen sind allen empfohlen, die wollen, dass Freunde sie verlassen… und zwar möglichst schnell.

Anklage: Mache deinen Freund für alles verantwortlich, was in eurer Freundschaft nicht gut läuft. Wirf ihm seine Fehler und Schwächen möglichst bei jeder Begegnung vor und suche keinesfalls mit ihm gemeinsam nach konstruktiven Wegen der Veränderung.

Besserwissen: Wenn etwas nicht geklappt hat, dann sage dem anderen sofort , dass man ja vorher schon wusste, dass das so nichts werden konnte, und du selbst es natürlich besser gemacht hättest.

Citronengesicht: Sei sofort eingeschnappt, wenn ein Freund zu spät kommt, sich nicht genug um dich kümmert oder dir zu selten Geschenke macht. Sorge dafür, dass in ihm Unwohlsein aufkommt, sobald er nur an dich denkt.

Distanz: Gehe so oft es geht auf Distanz zum anderen – räumlich und innerlich. Bringe mit deiner Körpersprache zum Ausdruck, dass du ihn oder sie nicht an dich heranlassen willst.

Erwartungshaltung: Sage dem anderen ständig, was du von ihm erwartest und wie er sich zu verhalten hat, um dich zufriedenzustellen. Lass keinesfalls Freiraum für eigene Entfaltung.

Frust: Benutze deinen Freund als Mülltonne für jede noch so kleine Frustration, die du erlebst. Kippe ihm alles über.

Gegenleistung: Knüpfe alles, was du für deinen Freund tust, an eine Gegenleistung. Mache Dinge keinesfalls aus Freundlichkeit, sondern nur als Tauschhandel.

Heldentum: Zeige deinem Freund ständig, dass du der Stärkere bist, und lass ihn wissen, dass er ohne dich hilflos wäre. Sage ihm keinesfalls, dass du ihn auch brauchst.

Im Stich lassen: Wenn der andere deine Hilfe braucht, ignoriere ihn – gehe auf keinen Fall auf ihn ein, sondern zeige ihm, dass es dir egal ist, wie es ihm geht.

Ja sagen: Sage zu allem Ja, auch zu Dingen, die du nicht willst. Nimm dem anderen die Chance, zu entdecken, was du tatsächlich magst.

Krieg: Nutze jeden Anlass für Streit. Sei lange beleidigt und erst nach unzähligen Entschuldigungen wieder zum Gespräch bereit.

Launen: Sei oft schlecht gelaunt und lass den anderen nicht wissen, was deine Laune verbessern könnte.

Minderwertigkeit: Vergleiche dich mit deinem Freund und stelle dich dabei immer schlecht dar. Irgendwann wird er dich auch so sehen.

Nörgeln: Der Ort könnte attraktiver sein, das Brötchen frischer, das Wetter besser. Verdirb jede gemeinsame Unternehmung dadurch, dass du an allem etwas auszusetzen hast – besonders dann, wenn der andere sie vorbereitet hat.

Ohren zu: Verschließe deine Ohren vor den Problemen und Sorgen des anderen. Sei nicht bereit, ihm länger als ein paar Minuten konzentriert zuzuhören – vor allem dann nicht, wenn er echte Probleme hat.

Probleme wälzen: Sollte es in eurer Freundschaft wider Erwarten eine entspannte Phase geben, suche umgehend nach einem Problem. Wälze es hin und her und ersticke damit die aufkommende Leichtigkeit.

Querschießen: Ihr habt euch auf eine Lösung geeinigt? Fantastisch. Schieße, sobald es geht, wieder quer und mache einen Gegenvorschlag, um die ganze Diskussion von vorn zu beginnen.

Rivalität: Vergleiche dich ständig mit deinem Freund auf allen Ebenen: Kleidung, Erfolg, Beziehungen, Fitness und Aussehen. Achte darauf, dass hartes Wettbewerbsdenken jedes Entspanntsein zunichte macht.

Siegen: Stelle dich in jeder Gelegenheit, bei der du gut dastehen und ihn blamieren kannst, über ihn. Lass ihn wissen, dass du klüger und talentierter bist als er.

Telefonterror: Nerve deinen Freund, indem du ihn täglich anrufst und kein Ende findest – am besten, wenn er mitten in einer wichtigen Tätigkeit steckt.

Unzuverlässigkeit: Komme häufig zu spät und halte nicht ein, was du dem anderen versprochen hast, sodass dein Freund sich nur auf eins verlassen kann: deine Unzuverlässigkeit.

Vergleichen: Vergleiche deinen Freund mit anderen. Aber nur mit Menschen, die netter, klüger, hilfsbereiter und talentierter sind als er.

Warten lassen: Wenn deinem Freund etwas wichtig ist, dann lass ihn warten. Möglichst lange. Er soll ja nicht auf den Gedanken kommen, dass du bereit wärst, dich tatsächlich für ihn einzusetzen.

X-beliebig: Es wäre eine Katastrophe, wenn dein Freund denken könnte, dass er etwas Besonderes für dich ist. Lass ihn bei jeder Gelegenheit wissen, dass er x-beliebig ist und du jeden anderen zum Freund haben könntest.

Yeti: Sei unauffindbar. Sage dem anderen nicht, wo du dich aufhältst und wann du zurückkommst. Warum auch? Schließlich bist du ihm keine Rechenschaft schuldig.

Zaudern: Wenn dein Freund dich fragt, ob du etwas mit ihm erleben willst, dann zögere so lange, bis ihr die Möglichkeit mal wieder verpasst habt.

 

Bearbeiteter Auszug aus: »Freunde. schlicht + ergreifend« von Kerstin Hack, Down-to-Earth Verlag, ISBN 978-3862705467, 160 Seiten, 12,95 €

Direkt zu bestellen beim Down-to-Earth-Verlag.

Auch als E-Book erhältlich für 9,99€.

 

 

 

 

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Autor: kerstin

Kerstin Hack, Autorin, Verlegerin und Coach. Mehr über sie gibt es unter http://www.down-to-earth.de und auf ihrem Blog Kerstin pur: http://www.kerstin.down-to-earth.de