Kerstin Hack: SoloLeben

 

An meinen schlechten Tagen als Selbständige und Single passiert es schon mal, dass ich denke: “Keiner hilft mir. Alles muss ich allein machen.” Schwupps kommen auch schon die entsprechenden Gefühle von Selbstmitleid, Einsamkeit und Traurigkeit im Schlepptau der Gedanken hinterher. Hilfreich? Nicht wirklich.

 

Zum Glück gibt es Wege, wie man konstruktiv mit diesen Gefühlen umgehen kann. Ein erster Schritt kann darin bestehen, wahrzunehmen, wo man überall schon Hilfe erfährt. Das entlastet emotional. Wir leben in einem Land, in dem es viele unterstützende Strukturen gibt. Der Staat fördert (mit unseren Steuergeldern) Straßenbau, Kunst, Bildung. Jeden Tag machen Dienstleister wie Bäcker, Friseur oder Postbotin unser Leben leichter. Im Alltag begegnen uns unzählige Menschen, die uns unterstützen: eine Kollegin, die uns Informationen gibt, ein Pförtner, der uns den Weg zeigt, jemand, der auf der Straße zurücklächelt.

Wenn ich mal wieder das Gefühl habe, dass niemand mir hilft, greife ich bewusst zu einer Gegenmaßnahme: Ich erinnere mich an Situationen in der letzten Zeit, in denen ich Unterstützung erhalten habe.

Einige meiner Favoriten der letzten Zeit waren:

1. Schminke.
Als ich – kurz vor einem wichtigen, offiziellen Termin – feststellte, dass ich vergessen hatte, mich zu schminken, habe ich bei Karstadt schnell Schminke auftragen wollen. Eine Verkäuferin sah das, ich erzählte ihr, warum ich das tat. Sie bot mir an, mich zu schminken. So professionell hätte ich das nie hinbekommen.

2. Kletterhilfe
Als ich mich auf dem Weg zum Termin verfuhr, half mir ein Mann, mitsamt meinem Fahrrad über einen Zaun zu klettern – was mir einen langen Umweg erspart hat.

3. Zufallstreffer
Auf dem Ku´damm traf ich zufällig eine Frau, die ich kannte und dir mir wichtige Hintergrundinformationen zu einer Situation gab, die ich erlebt hatte und nicht einordnen konnte. Hat mich da jemand unterstützt, dass ich sie gerade heute zufällig traf?

4. Beratung
Ich erhielt sehr gute Beratung für eine geschäftliche Situation. Nicht ganz billig. Aber gute Berater sind ihr Geld langfristig wert.

Es tut mir richtig gut, wahrzunehmen, wie viel Unterstützung ich erhalte.

Dennoch gibt es natürlich Situationen, in denen ich wirklich noch Hilfe brauche. Vielleicht praktische Unterstützung beim Einrichten meines Computers. Oder emotionale Unterstützung in Form von Trost und Anteilnahme in schwierigen Situationen. In manchen Lagen wünsche ich mir beratende Unterstützung bei Entscheidungen oder ich benötige Hilfe durch Ressourcen anderer, z.B. Kenntnisse, Finanzen, Kontakte oder Gegenstände.

Für all diese Situationen gilt: Hilfe erhalte ich am ehesten, wenn ich darum bitte. Und je klarer und für den anderen nachvollziehbarer ich meine Bitte formuliere, desto größer ist meine Chance, Unterstützung zu bekommen. Immer wieder stelle ich dann fest: „Auch als Single muss ich nicht alles allein machen.“

 

Bearbeitete und leicht gekürzte Fassung eines Artikels, der 2011 zuerst in der Zeitschrift Joyce erschien. Mit freundlicher Genehmigung.

Buchtipp:

 

Kerstin Hack: Unterstützung. Impulse, Hilfe zu erfahren. Down to Earth, 2011. Impulsheft.

2,50€. Direkt erhältlich beim Down-to-Earth-Shop.

 

 

 

 

 

Autor: kerstin

Kerstin Hack, Autorin, Verlegerin und Coach. Mehr über sie gibt es unter http://www.down-to-earth.de und auf ihrem Blog Kerstin pur: http://www.kerstin.down-to-earth.de