Kerstin Hack: Leben in Grün. Meine Geschichte.

Kerstin Hack ist Multi-Talent, Mentorin und innovative Pionierin in einem. Die 39-jährige* Wahl-Berlinerin entdeckt Hoffnungsschimmer am Horizont, wenn viele nur dunkle Wolken sehen. Immer wieder gründet sie neue Projekte, selbst wenn die Umstände nicht ideal scheinen – von interkulturellen Brückenvereinen bis hin zu einem Verlag. Die Verlegerin von „Down-To-Earth“ sprüht vor Ideen und hat schon die halbe Welt bereist.

Doch sie tritt nicht als forsche, dominante Leiterin auf. Stattdessen überrascht sie durch ihre weiche, gewinnende Natur. Sie lacht gern und hat eine warme Stimme.

Menschen sind ihre Leidenschaft. Ihr Wunsch ist es, andere zu fördern und mit Gott in Berührung zu bringen. Kerstin sucht die Begegnung. Immer wieder. Und wenn sie ins Gespräch kommt, redet sie gern über den Motor ihres Lebens: Jesus. Ihr größtes Glück ist, für ihn zu leben, ihm viel zuzutrauen und zu sehen, wie er wirkt.

Dass sie Single ist, bringt sie selten ins Grübeln. Stattdessen möchte sie im Heute leben und nutzen, was in ihr steckt.

Morgens, wenn ich in den Spiegel schaue, lachen mir zwei grüne Augen entgegen. Helles, leuchtendes Grün ist meine Lieblingsfarbe – auch weil es mich an die grünen Hügel meiner Heimat erinnert. Ich bin in Franken in einem kleinen Dorf aufgewachsen, in dem es mehr Kühe als Menschen gab. Ein Paradies für Kinder! Mein älterer Bruder und ich rutschten von riesigen Heuhaufen, kletterten auf Bäume, pflückten Blumen im Wald, planschten im Dorfbach und spielten Völkerball – Heimkommen mussten wir erst, wenn es dunkel war.

Dann gab es noch die Plätzchen backende Oma, die, wenn mein Bruder und ich bei ihr übernachteten, abends vor dem Einschlafen mit uns betete. Ihre Gebete habe ich kaum verstanden, aber ich fühlte mich geborgen, wenn ihre rauen Hände meine zarten Kinderhände hielten und Gott um seinen Schutz für mich baten.

Als ich zehn war, wurde der Glaube, den sie mir vorgelebt hatte, mein eigener. In einem Kinderferienlager verstand ich die Botschaft von Jesus: „Er ist gekommen, um meine Schuld zu tragen – und er möchte die Herrschaft über mein Leben haben!“ Mit zitternden Knien ging ich zu einer der Leiterinnen und kniete mich mit ihr hin. Ich bekannte Jesus die Schuld, die mir bewusst war und die mich belastet hatte, und bat ihn um Vergebung. Ich spürte, wie eine Last von meinen Schultern genommen wurde und entschied mich, von nun an mit ihm zu leben. Es war ein – genauer der – Wendepunkt meines Lebens!

Von da an wollte ich Gott besser kennen lernen, begann meine Tage mit Gebet und habe in meinen Teenagerjahren die Bibel wohl ein Dutzend Mal von vorne bis hinten durchgelesen. Meine Eltern und Geschwister konnten meine innere Entwicklung kaum nachvollziehen. Das war für mich (und wohl auch für sie) nicht immer einfach.

Nach dem für mich schwierigen Umzug in einen anderen Ort schloss ich mich einer Jugendgruppe an und engagierte mich bei der Kinderarbeit der Gemeinde. Im Sommer lief ich immer vier Kilometer weit über die Felder und erzählte schon mal den Vögeln und Kaninchen die Andachten, die ich später den Kindern halten würde. Rückblickend sehe ich, dass das eine phantastische Vorbereitung auf meine heutige Vortragstätigkeit war!

Ich ahnte auch nicht, dass aus den Hunderten von Büchern, die ich las, und meinen ersten eigenen zaghaften Schreibversuchen einmal mein Beruf werden sollte: Mein erster „Roman“ umfasste ganze 1,5 Seiten! Ich wusste noch nicht, dass aus den Experimenten mit meiner ersten richtigen Kamera eines Tages Bilder werden würden, die Buchcover, Kalender und Wände zieren. Dass aus der Faszination, die Missionsberichte auf mich ausübten, eines Tages Engagement für viele Länder der Erde erwachsen würde, wusste ich eben so wenig wie, dass unser jahrelanges Gebet für unsere Schule zu zweit oder zu dritt dazu führen würde, dass sich in einem Schuljahr plötzlich zwei Dutzend Schüler dafür entscheiden würden, Jesus zu folgen. Meine Freunde und ich waren plötzlich gut damit beschäftigt waren, ihnen auf dem Weg mit Jesus zu helfen. Eine phantastische Zeit!

Nebenbei gründete ich im Alter von 16 Jahren eine Bibelstudiengruppe – ganz einfach deshalb, weil es so etwas in meiner Heimatstadt noch nicht gab – und erlebte, wie die Teilnehmer einer nach dem anderen eine persönliche Beziehung zu Jesus entwickelten. Zum Glück hat mir damals niemand gesagt, dass ich das nicht kann, weil ich zu jung bin oder eine Frau oder … Ich hätte es auch nicht geglaubt. Warum auch? Was ich gemacht habe, habe ich gemacht, weil ich es richtig und wichtig fand. Und ich erlebe, wie Gott mein Handeln segnet.

So ist es bis heute: Ich träume selten davon, irgendwann einmal etwas Großes zu tun, sondern fange meist an, das Kleine zu tun, was ich tun kann – und bin manchmal selbst am meisten überrascht, wenn sich etwas Großes daraus entwickelt.

 

Grün wie die Welt: Mit offenen Armen die Weite erleben

Nach dem Abitur zog es mich hinaus in die Welt. Ich wollte Lebenserfahrung sammeln und machte ein freiwilliges soziales Jahr in England, bei den Wycliffe-Bibelübersetzern. Dort erlebte ich, wie Menschen aus einem Dutzend unterschiedlicher Nationen und Denominationen sich gegenseitig bereichern, beschenken und trotz ihrer unterschiedlichen Prägungen zusammen arbeiten können. Das hat mich tief geprägt und inspiriert, in Tübingen Englische Literatur und Völkerkunde, mit Schwerpunkt interkulturelle Kommunikation zu studieren. Auch meine Studienzeit war von vielen christlichen Aktivitäten geprägt. Im Rückblick würde ich sagen: von zu vielen. Ich habe manches von dem verpasst, was das normale Studentenleben ausmacht – aber natürlich auch viel mit Gott erlebt. Und von der Welt erfahren.

In Albanien renovierten wir nach der Wende Schulen, die weder Fenster noch feste Wände hatten. Von Kreide, Schulheften und anderen Dingen ganz zu schweigen. Bis heute geht mir die Bitte des Dorflehrers nach, ob wir ihm ein (!) Blatt Papier geben könnten, damit er einen Brief schreiben könne.

In Lübeck und Lesotho (südliches Afrika) unterstützten wir die Gemeindearbeit einheimischer Christen. Und so hielt ich in einem afrikanischen Dorf die erste Beerdigungspredigt meines Lebens und erzählte in einer kleinen verrauchten Hütte von einem Gott, der trösten kann und will. Das habe ich selbst immer wieder erlebt. Nicht zuletzt nach der schmerzhaften Trennung von einem Freund, der mit einer indischen Sekte in Berührung gekommen war, einem schweren Krankheitsfall in meiner Familie und dem Selbstmord von zwei Freundinnen innerhalb von nur wenigen Monaten. Ich habe geweint. Wohl literweise. Aber auch erlebt, dass Gott mir immer wieder Trost sandte. Mal dadurch, dass in Gebetszeiten nach Klagen und Weinen Frieden in mein Herz kam. Oder durch ganz leibhaftig Hilfe. Als ich einmal wegen akut-extremer Rückenschmerzen Gott um Hilfe bat, kam kurz darauf „zufällig“ eine Bekannte vorbei, ausgebildete Physiotherapeutin, und behandelte mich zwei Stunden lang!

 

Grün wie Down to Earth: die eigene Firma starten

Ich bin eine Pionierfrau, starte gerne Neues, Projekte, Gruppen, Organisationen. Meine erste Arbeitsstelle war bei einem Verein, der Gemeinden bei Auslandsprojekten unterstütze – und den ich in den Jahren 1994 -99 von Grund auf aufbaute. Wenn das gut läuft, empfinde ich: Nun braucht man mich nicht mehr. Das können andere gut weitermachen. Sogar besser. Denn ich bin eine Person, die mit einem Wirbelwind voll neuer Ideen manchmal in Gefahr steht, Gutes, was sie schon aufgebaut hat, wieder umzuwehen. So empfand ich 1999 in einer Gebetszeit, ich sollte – trotz meiner Liebe für andere Nationen – den Verein verlassen und mein Engagement für eine Weile auf Berlin und Deutschland konzentrieren. Ich wollte Menschen hierzulande motivieren, für ihre Städte und ihr Land zu beten und sich ganz praktisch zu engagieren. Ich übergab den Verein an eine Mitarbeiterin und machte mich im Jahr 2000 selbständig.

Mit dem Verlag „Down to Earth“, was wörtlich übersetzt: „runter auf die Erde“ aber auch „bodenständig, praktisch“ heißt. Das ist meine Vision: Ich will Inspiration vom Himmel auf die Erde holen – und hier auf der Erde ganz konkret umsetzen.

Der Verlag begann damit, dass ich die deutsche Fassung von „Transformation“ publizierte, einer Video-Dokumentation über die dramatischen Veränderungen, die geschahen, als Christen an verschiedenen Orten zusammenkamen und begannen, für ihre Städte zu beten und zu handeln.

In Berlin versuche ich seitdem, das praktisch umzusetzen – gemeinsam mit Männern und Frauen, die den Wunsch haben, dass wir als Christen positiven Einfluss auf die Stadt nehmen. Ich engagiere mich im Netzwerk „Gemeinsam für Berlin“, das zum Ziel hat, jeden Bereich der Stadt mit der guten Nachricht von Jesus in Berührung zu bringen. Pastoren engagieren sich hier ebenso wie Juristen, Sozialarbeiter, Gebetsleiter usw. Schritt für Schritt arbeiten wir daran, Menschen miteinander in Kontakt zu bringen, Gemeinden und Organisationen zu mehr Zusammenarbeit zu bewegen und vor allem, die Christen aus ihren „Gemeindeburgen“ herauszulocken.

Und wir beten für unsere Stadt. Ganz allgemein und sehr konkret. Berlin war dafür bekannt, dass es am 1. Mai auf den Straßen zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Linksradikalen und der Polizei kam. Vor ein paar Jahren haben wir uns gedacht: Das ist nicht gut. Es kann Gott nicht gefallen, dass jedes Jahr Dutzende von Menschen z. T. schwer verletzt werden und Sachschäden in Millionenhöhe entstehen. Wir begannen zu beten. Zuerst in Gemeindehäusern. Aber dann zunehmend in Teams draußen auf der Straße. Ich habe es selbst erlebt: Man kann eine ganze (illegale) Demo ausbremsen, wenn man langsam vor dem vordersten Transparent herläuft. Vermummte Anarchisten klettern lammfromm von Lastern, die mit Steinen beladen sind, und gehen friedlich weiter, wenn man auf der anderen Straßenseite für sie betet.

Seit wir konkret dafür beten, ist die Gewalt so weit zurückgegangen, dass die Presse 2006 titelte: „Der friedlichste 1. Mai seit fast 20 Jahren!“.

Es lohnt sich, da zu sein, mitzumischen, sich zu engagieren. Und man kann was bewegen. Alleine und noch mehr gemeinsam. Wir stehen noch ganz am Anfang, können nicht alles tun, was wir gerne wollen, aber tun das, was wir können. Und unser Gott segnet es.

 

 Grün wie SWING – zu Ausgeglichenheit finden

Auf den dynamischen Start meines Verlages folgten einige schwere Jahre. Es war mühsam, eine eigene Firma aufzubauen, mir fehlte in fast allen Bereichen die Erfahrung – von Buchführung bis Management. Ich machte viele, viele Fehler und litt an den Fehlern anderer (z. B. Firmen, die

pleite gingen und hohe Rechnungen nicht mehr zahlen konnten). Die Fehler haben mich Tausende von Euro gekostet und an den Rand des Ruins gebracht. Als ich im Gebet mit Jesus darüber sprach, empfand ich, dass er das alles schon gewusst und mit einkalkuliert hat. Er vertraut mir Dinge nicht an, weil ich sie vollkommen richtig mache, sondern weil ich es wage, sie überhaupt zu machen. Irgendwie – auch durch die Hilfe von Freunden – habe ich diese schwierige Phase finanziell überlebt. Aber emotional wurde ich immer müder, innerlich mürbe und traurig. In dieser Aufbauphase las ich viel über Zeitmanagement und darüber, wie man sein Leben effektiv in den Griff bekommt. Das half, Dinge besser zu managen. Aber es hat mich nicht lebensfroher gemacht. Irgendwann bat ich Gott, mir zu zeigen wie ich ausgeglichener leben könnte. Dabei habe ich die Schöpfungsgeschichte neu entdeckt. Der Ruhetag ist eine gute Erfindung Gottes. Das hatte ich schon viel früher festgestellt. Regelmäßige Ruhephasen sind eine große Kraftquelle für mich.

Aber nun entdeckte ich, dass auch die Tage innerhalb der Schöpfungswoche ganz unterschiedliche Charakteristika hatten: Am ersten Tag ging es um Kreativität, am zweiten um Ordnung; der dritte war von Produktivität geprägt, der vierte von Rhythmus, der fünfte von Lebensfreude und der sechste von Beziehung. Ich integrierte diese sieben Lebenselemente in mein Leben und achtete darauf, dass jedes davon pro Woche mindestens einmal zum Zuge kam.

Das Ergebnis war klasse. Mein Leben war auf einmal nicht mehr so sehr von „To-do“ (alles, was du tun musst) geprägt, sondern auch „To-Be“ (alles, was zu deinem Sein gehört) kam zum Zug. Dieser Rhythmus tut mir gut. Ich habe ihn in meinem Buch „Swing. Lebe im Rhythmus der Schöpfung“ beschrieben.

Ich erlebe immer wieder, dass Menschen durch das Buch oder die Vorträge, die ich darüber bei Frauenfrühstückstreffen oder Business-Veranstaltungen halte, Inspiration, aber auch praktische Hilfe für ein dynamisch-ausgewogenes Leben finden. Für mich ist es schön, zu wissen, dass ich etwas gelernt habe: Anders als bei den Transformation-Videos, vermittle ich nicht „nur“ Inspiration, sondern gebe Unterstützung bei der Umsetzung in den eigenen Alltag, z. T. auch durch direktes persönliches Coaching.

 

Grün wie Ruhe, Hoffnung und Zukunft

2007 feiere ich meinen 40. Geburtstag. Für mich ist das ein Meilenstein, aber auch eine Zeit, um Rückblick zu halten und nach vorne zu schauen. Ich habe in diesen Jahren viel Wunderbares erlebt. Auch manches Schwere, was dadurch wunderbar wurde, dass ich erlebt habe, wie Jesus für mich da war, mich in der Konfrontation mit meinem Schmerz nicht alleine ließ, sondern mir beistand, mitten in Krisen. Ich möchte dem gerne auf die Spur kommen, was die Zukunft für mich hat und habe mir für die zehn Monate um meinen Geburtstag eine Pausezeit verordnet.

In dieser „grünen Zeit der Ruhe“ will ich mir selbst mehr auf die Spur kommen. Welche Träume habe ich noch nicht gelebt, welche Ziele noch nicht verwirklicht? Vielleicht werde ich gar keine großen Träume entdecken. Sondern weiter so leben wie bisher: Wahrnehmen, was mir wichtig ist. Tun, was ich tun kann, und mit meinem Gott Abenteuer erleben.

 

*Dieser Artikel erschien zuerst 2007 in der Zeitschrift Lydia. Mit freundlicher Genehmigung.

 

Büchertipp zum Thema:

 

Kerstin Hack: Swing. Dein Leben in Balance. Down to Earth.

12,80€ Direkt zu bestellen beim Down-to-Earth-Shop.

 

 

 

 

Autor: kerstin

Kerstin Hack, Autorin, Verlegerin und Coach. Mehr über sie gibt es unter http://www.down-to-earth.de und auf ihrem Blog Kerstin pur: http://www.kerstin.down-to-earth.de