Kerstin Hack: Konzentriere dich auf das Gute in deiner Beziehung zu Gott

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Es ist paradox, aber wenn ich mich so akzeptiere, wie ich bin, dann kann ich mich verändern. – Carl Rogers

„Sag mal, wie ist eigentlich deine Beziehung zu Gott?“ Wenn man mich das vor einem Jahr gefragt hätte, hätte ich vermutlich alle Schwachstellen aufgezählt, die ich in meinem Glaubensleben sehe: Dass ich mich beim Beten oft nicht konzentrieren kann. Dass ich Gottesdienste nur selten mag. Dass ich manchmal nicht weiß, wie ich ihn bitten und ihm vertrauen kann. Und dass mir manchmal schlichtweg die Begeisterung fehlt.

Vor einem Jahr fiel mir auf, dass die Konzentration auf meine Schwächen die Beziehung zu Gott eher schwächt als stärkt. Es ist eine goldene Regel, dass man von dem, worauf man sich konzentriert, unweigerlich mehr bekommt. Konzentriere dich auf deinen Frust und du kannst zusehen, wie er wächst. Konzentriert man sich hingegen auf das, was schon an Stärken vorhanden ist, werden sie vermutlich zunehmen.

Ich arbeite unter anderem als Coach und frage Menschen in Coachinggesprächen oft, was denn gut an ihrer Situation ist. Nicht, um verkrampft das Gute in einer miesen Situation zu sehen, sondern weil Menschen nur noch das Schlechte sehen. Sie verlieren dabei den Blick für das tatsächlich vorhandene Gute. Wenn ich frage: „Was an der Situation soll denn so bleiben wie es ist, weil es gut ist?“, entdecken sie plötzlich Dutzende von Dingen, die ihnen wertvoll und wichtig sind.

Ich bat einmal ein Paar, das in einer Ehekrise steckte, mir zuerst zu sagen, was an ihrer Ehe noch gut war. Ihnen fielen viele Dinge ein: tiefes Vertrauen zueinander, Offenheit, gemeinsames Lachen, Unternehmungen, und vieles mehr. Als sie erkannten, wie viele Schätze in ihrer Beziehung noch vorhanden waren, fiel es ihnen anschließend leichter, die Schwächen im Bereich emotionaler Nähe anzugehen. Vorher hatten sie nur die Schwächen gesehen und dabei das Gute fast völlig aus dem Blick verloren.

Als ich mich in einer Gebetszeit an diese Begebenheit erinnerte, beschloss ich, mich das gleiche zu fragen: Was an meiner Beziehung zu Gott soll so bleiben wie es ist, weil es gut ist?

Ich fand unter anderem folgende Antworten:

Gut ist, dass ich meistens glauben kann, dass Gott gut ist.

Gut ist, dass ich mir immer wieder Zeit nehme, um Gott zu begegnen.

Gut ist, dass ich Freunde habe, mit denen ich offen über meine Zweifel und Fragen reden kann.

Gut ist, dass ich Gott manchmal erlebe. Nicht dramatisch. Keine großen Wunder. Aber immer wieder mal kleine, wundersame Führungen.

Gut ist, dass ich Gottes Buch kenne und mag und ab und zu erlebe, dass mich Texte daraus ansprechen und berühren.

Gut ist, dass Gott mir oft hilft, die Bücher zu entdecken, die für meine aktuellen Entwicklungsschritte hilfreich und wichtig sind.

Gut ist, dass ich ehrlich mit Gott bin und ihm nichts vormache.

Gut ist, dass ich Gott an den unterschiedlichsten Orten entdecken kann – weit über traditionell religiöse Orte hinaus.

Als ich die Liste sah, war ich platt. Ich realisierte: Ja, es gibt die Schwachstellen in meiner Beziehung zu Gott; Bereiche, in denen ich mich weiterentwickeln will, um mehr Nähe und Begeisterung in unsere Beziehung zu bringen. Aber es gibt auch sehr, sehr vieles, was gar nicht so schlecht ist. Sondern sogar richtig gut.

Was du machen kannst:

  • Nimm einen Zettel und einen Stift
  • Frage dich: „Was soll in meiner Beziehung zu Gott so bleiben, wie es ist, weil es gut ist?“
  • Mache eine Liste mit mindestens 10 kleinen oder großen Dingen, wenn du magst, auch gerne 20 oder 30. [Es hilft, wenn du dir eine bestimmte Zahl vornimmst, weil das Hirn in der Regel etwas faul ist. Die Zahlenvorgabe hilft dir, weiterzufragen, und so viel mehr Dinge zu entdecken.]

 

Büchertipps zum Thema:

Manfred und Esther Lanz: Gottes Vaterliebe. Die Liebe des Vaters erleben. Down to Earth-Verlag.

Quadro, 4,00€. Direkt zu bestellen beim Down-to-Earth-Shop.

 

 

Christoph Schalk: Selbstcoaching. Überlegt handeln, konsequent umsetzen. Down to Earth-Verlag.

Quadro, 4,00€. Direkt zu bestellen beim Down-to-Earth-Shop.

Autor: kerstin

Kerstin Hack, Autorin, Verlegerin und Coach. Mehr über sie gibt es unter http://www.down-to-earth.de und auf ihrem Blog Kerstin pur: http://www.kerstin.down-to-earth.de

Ein Gedanke zu „Kerstin Hack: Konzentriere dich auf das Gute in deiner Beziehung zu Gott“

  1. Danke Kerstin, fuer die Inspiration.
    Ich denke, ich kann damit auch andere „Probleme“ im Leben angehen, die mich gerade beschaeftigen.

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