Kerstin Hack: Ein sattes, überzeugtes Ja zu sich selbst

Lilie»Ich bin gerne ich!« – Mit diesem Satz bin ich kürzlich aufgewacht. Und er ist wahr. Zumindest in den meisten Zeiten. Natürlich gibt es Momente, in denen ich nicht gut drauf bin und mich selbst nicht leiden kann. Doch meistens bin ich tatsächlich gern ich selbst. Das war nicht immer so. Ich kenne auch Zeiten, in denen ich mich mit mir selbst und mit meinen Begrenzungen und Erfahrungen schwergetan habe. Auch mit dem Mangel, den ich empfand: Ich habe nicht alles bekommen, nach dem ich mich gesehnt habe. Es mangelte mir. Es war ein langer Weg mit vielen Umwegen, bis ich zu dem Punkt gekommen bin, an dem ich heute stehe: Ich bin gern ich – mit all dem Schönen, was mich ausmacht, aber auch mit meinen Schwächen und Grenzen.

 

 

 

Ja zu dir selbst

Es gibt für dieses »Ja zu mir« unterschiedliche Begriffe. Manche sprechen von Wertgefühl, Selbstwertschätzung, Selbstannahme. Jeder Begriff betont einen anderen Aspekt der Selbstbejahung. Egal wie man es nennt – es geht im Kern immer darum, ein warmes, entspanntes und wertschätzendes Verhältnis zu sich selbst zu entwickeln und sich als Folge davon auch gut zu behandeln. Menschen, die sich selbst gut kennen, erkennen auch ihre Bedürfnisse. Dann können sie gut für sich sorgen, werden innerlich stark und können auch anderen gegenüber klar und offen sein. Aus dieser Stärke heraus sind sie in der Lage, auch andere Menschen in den Blick zu nehmen, sie anzunehmen und ihnen ein »Ja zu dir« zu schenken.

 

Wer bist du nicht?

Das Ja zu sich selbst beinhaltet auch das Akzeptieren der Begrenzungen. Wer alles sein will – Popstar, Tiefgänger, Weltveränderer, Held, Familienvater, Fürsorgerin – wird nie Frieden finden. Unser Leben ist begrenzt. Frieden – und tiefe Annahme unserer selbst – werden wir nur finden, wenn wir unsere Grenzen erkennen: »Das kann ich, das kann ich nicht. Das bin ich, das bin ich nicht.« Und sie annehmen: »Ich nehme an, was ist.« Klare Definitionen sind hilfreich. Mich etwa beeindruckt in der Bibel wie klar Jesus definiert, wie er sich und seine Aufgabe sieht und wie nicht. Er definiert auch klar, was er nicht ist oder wozu er nicht gekommen ist. »Mein Job ist es nicht, für die Gesunden da zu sein, sondern für die Kranken.« Es kann hilfreich sein, dich zu fragen, welche Motivation dahinter steckt. Warum du gern etwas anderes sein oder tun möchtest als das, was du tust und bist. Mancher wünscht sich mehr Anerkennung und denkt, er bekäme sie, wenn er begabter, sportlicher, kommunikativer wäre – oder mehr für die anderen tun würde. Vielleicht gibt es auch Erwartungen von Eltern oder anderen prägenden Personen, die du verinnerlicht hast. Sie melden sich jetzt als »Stimmen«: »Du solltest eher so sein … oder so …!« Diese Erwartungen kannst du überprüfen und dich fragen: Will ich diesen Ansprüchen weiter genügen? Wenn nein: Was ist mir stattdessen wichtig? Im Gespräch mit anderen erkennen wir, wo unsere Grenzen sind. Das hilft uns, unsere blinden Flecken zu beseitigen.

 

Es ist gut – für jetzt

In der biblischen Sammlung von Liebesgedichten  besingt ein Paar die Schönheit  des Partners – auch als Bild für die Liebe  Gottes zu den Menschen. Da sagt der  Mann zu der Frau: »Du bist schön, kein Makel ist an dir!« (Hohelied 4,7). Mir war es lange ein Rätsel, wie ein Mensch  das über einen anderen sagen kann: »Du  bist makellos!«. Und ein noch größeres Rätsel war mir, wie Gott das über Menschen sagen könnte. Er sieht doch alle Schwächen. Das, was nicht  gut geht. Wie kann er da sagen: »Kein Makel  ist an dir!«? Beim Verstehen dieses Geheimnisses hat mir die Liebe zu Babys geholfen. Die können noch ziemlich wenig. Die machen in  die Windeln, schreien, haben keinen Blick für die Bedürfnisse anderer, sehen nur ihre eigenen. Wir finden sie wunderbar. Wir schauen diese schreienden, nur auf sich selbst zentrierten kleinen Menschen  an – und sagen voller Überzeugung: »Kein  Makel ist an dir.«  Ich glaube, dass Gott uns so sieht. Er sieht, wo wir jetzt stehen. Wo wir jetzt sind. Wie wir uns bis jetzt entwickelt haben. Und sagt: »Kein Makel ist an dir!« Natürlich ist da noch Raum für Wachstum. Veränderung. Reife. Aber für jetzt ist es gut, wie du augenblicklich bist. Bei guten Freunden ist es ähnlich. Sie schätzen unsere Stärken und nehmen unsere Schwächen an – als Teil dessen, was jetzt eben noch so ist. Wenn schon Gott und wohlwollende Menschen uns so akzeptierend sehen – wie wäre es, wenn wir uns diese Perspektive  auch selbst erlauben würden?

 

 

Dieser Text ist ein Auszug aus Kerstin Hacks Quadro »Ja zu mir. Mich selbst annehmen und gut behandeln.«

 

Q-38_Ja-zu-mirKerstin Hack: Ja zu mir. Mich selbst annehmen und gut behandeln. Quadro, 5,00€. Direkt erhältlich beim Down-to-Earth-Verlag.

 

 

 

 

 

Autor: kerstin

Kerstin Hack, Autorin, Verlegerin und Coach. Mehr über sie gibt es unter
http://www.down-to-earth.de und auf ihrem Blog Kerstin pur: http://www.kerstin.down-to-earth.de