Kerstin Hack: Die Facetten der Liebe

Gottes-Vaterliebe.leadEs gibt alle Arten von Liebe auf der Welt, aber niemals die gleiche Liebe zweimal. —Francis Scott Fitzgerald

Mutterliebe, romantische Liebe, liebevolle Verbundenheit, aufopfernde Liebe, »Ich liebe Schokolade«. Ein Wort für alles, was die Liebe umfasst – das ist herausfordernd. Im Griechischen gibt es drei Worte für all das, was wir mit »Liebe« beschreiben. Ich finde diese Begriffe hilfreich, weil sie helfen, ein klareres Bild von dem zu bekommen, was Liebe umfasst.

Eros: Dieser Begriff ist uns durch Fremdworte wie Erotik bekannt, welche die körperliche Anziehungskraft der Liebe beschreiben. Eros wird nach Platon, der diesen Begriff geprägt hat, durch die Schönheit ausgelöst. Zuerst durch die Schönheit des Körpers, dann das Schöne in den Seelen, das Schöne in der Gemeinschaft und in der Wissenschaft und schließlich durch die Idee des Schönen schlechthin. Die körperliche Anziehungskraft und Erotik wird als Helfer auf dem Weg der Erkenntnis gesehen – auch weil der verliebte Mensch freier ist. In gewisser Weise wird die körperliche Anziehung abgewertet. Hier unterscheidet sich die griechische Philosophie von der jüdisch-christlichen Tradition – wo etwa im Hohelied Salomos der Genuss der körperlichen Liebe in starken Bildern beschrieben und gefeiert wird.

Philia: Mit diesem Begriff, aus dem sich zum Beispiel  das Fremdwort Philantrop – Menschenfreund – ableitet,  bezeichnen die Griechen das wechselseitige  Interesse an einem anderen Menschen. Sie ist in gewisser  Weise abhängig von der Reaktion des anderen  und von dem, was von ihm zurückkommt. Sie ist von  Bedingungen abhängig: »Ich liebe dich, wenn …« oder  »Ich liebe dich, weil…«  Eng damit verknüpft ist die Liebe, die auf dem Vergnügen  basiert: »Ich genieße es, Zeit mit dir zu verbringen.  « Eine andere Ausprägung von Philia kann  die anerkennende, wertschätzende Liebe sein. Sie  beruht auf gegenseitiger Achtung. Man schätzt den  anderen wert. Für Aristoteles bestand in dieser Form  von Liebe die nobelste Art der Philia.

Agape: Der Begriff ist abgeleitet vom Verb agapao:  »sich zufrieden geben mit etwas« und »jemanden  mit Achtung behandeln, bevorzugen«. Es beschreibt  die herabsteigende Liebe. Dabei handelt es sich um  etwas, was der Liebende selbstlos und freiwillig tut,  um den anderen zu stärken und zu erhöhen.  In diesem Sinn beschreibt das Neue Testament Gottes  reine und göttliche Liebe zu den Menschen. Gott  neigt sich zu ihnen herab und macht sie groß. Agape  ist die bedingungslose, einseitige, befreiende, auf  andere zentrierte Liebe, die aus Gott entspringt. Sie  kann aber auch von Menschen gelebt und praktiziert  werden – als einschließende, selbstlose, gemeinschaftliche  Liebe.

Ewige Liebe  Oder: Der Gott der Liebe    

Wie kann die Liebe anhalten, nicht nur ein paar  Jahre lang, sondern für immer und ewig? Ein Leben  lang? Diese Frage bewegt viele Menschen. Jeder, der  liebt, kommt früher oder später an seine Grenzen.  Nach einer Weile verliert der Eros etwas von seiner  ursprünglichen Dynamik. Der fünfhundertste Beischlaf  ist meist nicht so prickelnd wie das berühmte  erste Mal. Auch der Körper, auf dem ein Großteil der  erotischen Anziehungskraft beruht, lässt nach. Er ist  bei älteren Paaren oft nicht mehr so leistungsfähig  wie bei Mittzwanzigern. Und meistens sieht man mit  siebzig auch nicht mehr so frisch und attraktiv aus  wie mit siebzehn. Eros ist also gewissen Schwankungen  und Abnutzungserscheinungen unterworfen.  Der freundschaftliche Aspekt der Liebe hingegen  hat durchaus Wachstumspotential. Bei manchen  Paaren kann man erleben, wie sie sich im Lauf der  Jahre immer vertrauter geworden sind. »Ich genieße  es, gemeinsam mit meinem Mann Dinge zu machen,  sogar Lebensmittel kaufe ich lieber mit ihm ein als  allein. Es macht einfach Spaß, zusammen zu sein.«  Diesen Aspekt der Liebe kann man stärken und fördern,  indem man gemeinsam Dinge unternimmt,  sich regelmäßig und intensiv austauscht.

Von nichts kommt nichts. Das gilt auch in der Liebe.  Eros und Philia sind bedingt. Ihre Stärke wird beeinflusst  von Schönheit und anderen Faktoren, die  verbinden. Ändern sich die Faktoren, kann das auch unsere Empfindungen gegenüber dem anderen beeinflussen.  Wenn nach den Flitterwochen der nicht  immer romantische Alltag einsetzt, bröckelt manchmal auch die Liebe. Man sehnt sich nach bedingungsloser Liebe und Akzeptanz, stellt aber fest, dass auch  die eigene Liebe bedingt und begrenzt ist.  Wie aber kann man bedingungslose Liebe finden und  leben? Von nichts kommt nichts – das gilt auch hier. Die Fähigkeit, jemanden selbstlos zu lieben, ist wahrhaft  himmlisch. Sie entspringt in Gott selbst. »Gott  ist die Liebe. Und wer in der Liebe bleibt, der bleibt mit Gott  verbunden«, heißt es in der Bibel (1. Johannes 4,16). Aus  dieser himmlischen Quelle fließt die Kraft, Liebe zu  leben – über alle irdischen Niederungen hinweg. Das  beweisen unzählige Menschen wie Mutter Teresa  und andere, die selbstlos geliebt haben, weil sie von einer selbstlosen Liebe genährt wurden. Liebe braucht alle drei Aspekte: die körperliche Anziehungskraft,  die durch Fitness und sorgsamen Umgang  mit dem eigenen Körper erhalten werden kann.  Die freundschaftliche Liebe, die durch Gemeinsamkeiten wächst und gedeiht. Und die – menschliche  Begrenzungen übersteigende – göttliche Liebe, die  da beginnt, wo menschliche Liebe endet. Und die wir  empfangen können – als Geschenk.

 

Auszug aus dem Buch Liebe schlicht + ergreifend von Kerstin Hack

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Beziehung leben. Tragfähige Partnerschaften gestalten. Hanna und Harald Sommerfeld

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Lieben. Impulse für Leben in Beziehung. Kerstin Hack.

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Gottes Vaterliebe. Die Liebe des Vaters erleben. Manfred und Esther Lanz.

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Autor: kerstin

Kerstin Hack, Autorin, Verlegerin und Coach. Mehr über sie gibt es unter http://www.down-to-earth.de und auf ihrem Blog Kerstin pur: http://www.kerstin.down-to-earth.de